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Demo gegen den Mietenwahsinn im Gallusvierte, Bild: Rainer Rüffer

Frankfurt

Widerstand gegen Wohnungsnot in Frankfurt

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Im Gallus demonstrieren viele Menschen gegen „die Stadt der Reichen“

Die Protestrufe tönen über die Frankenallee: „Überall Widerstand, Wohnungen in Mieterhand.“ Mehrere Transparente werden hochgehalten, darunter ein rotes mit einem weißen Stern, auf dem steht: „Gegen die Stadt der Reichen“.

Rund 100 Menschen laufen am Samstagnachmittag durch das Quartier und protestieren bei einer Demonstration, die die Initiative „Solidarisches Gallus“ angemeldet hat, gegen hohe Mieten und die Wohnungspolitik der Stadtregierung.

Auch Gülgün Soydan, die ihre kleine Tochter an der Hand hält, ist unter den Demonstrierenden. Die Lehrerin lebt seit zehn Jahren mit ihrer Familie im Stadtteil und sagt, „mein Mann und ich, wir sind beide berufstätig, aber sein Gehalt bei Fraport geht allein für die Miete drauf“.

Als sie den neuen, weiß gestalteten Wohnturm sieht, der kürzlich am Güterplatz fertiggestellt worden ist, zeigt die 39-Jährige auf das hohe Gebäude, das mit seinen 180 Metern in die Wolken zu ragen scheint, und sagt, selbst eine Zweizimmerwohnung sei da extrem teuer. Und fragt rhetorisch: „Warum hat der eine das Recht, da zu wohnen, und eine vierköpfige Familie muss sich eine Zweizimmerwohnung teilen?“

Bei einer ersten Kundgebung an der Galluswarte bezeichnet eine Sprecherin „Deutschlands höchsten Wohnturm“ am Güterplatz als „lukrativen Geldspeicher für Investoren“. Luxuswohnungen würden die herrschende Wohnungsnot jedoch nicht lindern. „Im Gallus braucht es mehr bezahlbaren Wohnraum“, sagt sie. Auch „der neueste Trend, möblierte Zimmer zum dreifachen Preis“ zu vermieten, würde die Wohnungsnot weiter verschärfen. Buhrufe sind daraufhin aus dem Publikum zu hören, während über den Demonstrierenden auf dem S-Bahn-Damm die Züge vorbeirattern.

Eine andere Sprecherin sagt, „Wohnen ist keine Ware“ und „wir fordern einen Mieterhöhungsstopp und Mietendeckel“. Dafür bekommt sie großen Applaus. Marius Weber von der Initiative Solidarisches Gallus, sagt, „wir haben hier schon lange Probleme im Viertel“. Mit Neubauten, die nicht sozial ausgerichtet seien, könnten die Probleme allerdings nicht gelöst werden. „Wir wollen heute den Druck, insbesondere vor den anstehenden Kommunalwahlen, ein wenig erhöhen“, so Weber.

Mit bei der Demo dabei ist auch der Student Tim Fegers. Der 25-Jährige, der seit dem Frühjahr im Gallus in einer Wohngemeinschaft lebt, sagt, „ich zahle für zehn Quadratmeter 420 Euro und das ist normal in Frankfurt“. Sein Mitbewohner, der voll berufstätig sei, bezahle noch mal ein Drittel mehr für sein größeres Zimmer. „Das könnte ich mir gar nicht leisten“, sagt Fegers. Der gebürtige Mönchengladbacher hat drei bis vier Monate gesucht, bis er das Zimmer gefunden hat. Seine Kommilitoninnen Paula Klußmann (21) und Luise Sonntag (20) berichten von ähnlichen Erfahrungen. Die beiden jungen Frauen, die im Nordend und in Eckenheim wohnen, wollen sich mit den Menschen im Gallus solidarisieren. „Die ganze Stadt ist sauteuer“, sagt Sonntag, „gerade für Studierende, aber auch für viele andere.“ Klußmann berichtet, dass ebenfalls viele Familien betroffen seien, die kaum passenden Wohnraum finden würden.

Auf der Demo sind neben den Studierenden vor allem jüngere Teilnehmende zu sehen. Die Route führt an Wohnhäusern wie in der Knorrstraße und der Wallauer Straße vorbei, wo Mieter das Immobilienunternehmen Vonovia für unzumutbare Wohnzustände verantwortlich machen, und endet auf dem Stadtteilfest der Partei „Die Linke“ auf dem verkehrsberuhigten Mittelstreifen der Frankenallee auf Höhe des Saalbau Gallus.

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