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Widerstand gegen Rodung im Fechenheimer Wald angekündigt

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Von: Oliver Teutsch

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Das Protestcamp bereitet sich auf den Ernstfall vor. Foto: Christoph Boeckheler
Das Protestcamp bereitet sich auf den Ernstfall vor. Foto: Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Im Fechenheimer Wald mehren sich die Anzeichen für eine Rodung. Hoffnung soll ein Urteil des Amtsgerichts Flensburg machen.

Rund 15 Monate nach Beginn der Besetzung des Fechenheimer Walds wird eine Räumung des Protestcamps konkreter. „Die Autobahn-GmbH macht ernst, wir sind erheblich unter Druck geraten“, sagte Harry Unger von „Wald statt Asphalt“ am Mittwochmorgen, Mehrere Klimabündnisse hatten deswegen zu einer Pressekonferenz unweit des Protestcamps geladen. Die junge Aktivistin Tonks forderte die Politik auf, „endlich Verantwortung zu zeigen“.

Bereits vergangene Woche hatte die Autobahn-GmbH begonnen, im Teufelsbruch erste Bäume zu fällen. Die Polizei habe zudem begonnen, verstärkte Präsenz zu zeigen. Auch mit Pfefferspray sei schon gedroht worden. „Wir blicken mit Respekt auf die Räumung, die Polizei wird uns fahrlässig behandeln“, ist sich Tonks sicher.

Seit Dienstag ist ein Waldweg für den Fuß- und Radverkehr gesperrt und zwar „von Dezember bis Februar“, wie es auf einem Schild an der Borsigallee heißt. Gegen die Sperrung habe man offiziell Beschwerde eingelegt, denn eine ordnungsgemäß angemeldete tägliche Mahnwache im Wald sei somit gar nicht mehr erreichbar.

Willy Breder vom BUND Frankfurt geht davon aus, dass der Waldweg Teil einer Baustraße werden soll. Der BUND gehe weiter davon aus, dass in diesem Winter zunächst nur ein Hektar Wald gerodet werden soll für eben jene Baustraße. Die beiden übrigen Hektar Fechenheimer Wald blieben somit zunächst stehen. Breder fragt sich allerdings, wozu diese Baustraße überhaupt gebraucht werde. Die Wächtersbacher Straße sei auch über die Zufahrt zum Parkhaus erreichbar. Breder geht eher davon aus, dass mit den ersten Baumfällungen einfach der Druck weiter erhöht werden soll.

Ein ähnliches Vorgehen zeichnet sich auch in Sachen Heldbock-Käfer ab. Die Autobahn-GmbH hat nun auf ihrer Internetseite zum Riederwaldtunnel ein Gutachten zu der geschützten Käferart veröffentlicht. Der Käfer sei in der Tat nachgewiesen worden. Ein Problem der Rodung sieht die Autobahn-GmbH dabei aber nicht, wie es auf der Internetseite heißt: „ Die Orte einer möglichen Verbreitung lassen sich jedoch lokal eingrenzen. Außerhalb dieser Stellen besteht ein konfliktfreier Rodungsbereich.“

Die Lage der Baustraßen werde so angepasst, „dass sie ausschließlich innerhalb dieses konfliktfreien Bereiches verlaufen“. Für die Herstellung der Baustraßen würden also keine Bäume gefällt, „die für den Käfer als Lebensraum geeignet sind“, heißt es weiter.

In der Folge käme das Gutachten zu dem Schluss, dass durch die aktuelle Beschränkung der Rodung auf den konfliktfreien Bereich „eine Schädigung des Käfervorkommens ausgeschlossen werden kann“. Die Fällung weiterer Bäume, die als käfergeeignet identifiziert wurden, „wird nicht in der aktuellen Fällperiode erfolgen“, versicherte die Autobahn-GmbH. Dafür seien weitere Untersuchungen erforderlich, um eine geeignete Vorgehensweise festzulegen.

Das jetzt veröffentlichte Gutachten von etwa 50 Seiten will der BUND nun gründlich analysieren. „Wir erwarten verbindliche Zusagen, dass während der Prüfzeit nicht gerodet wird“, so Breder. Mit einer tatsächlichen Rodung rechnet der BUND allerdings ohnehin erst Mitte Januar. Denn für Anfang Januar habe die Polizei in der Sache zu einem Treffen ins Polizeipräsidium eingeladen. Dabei soll womöglich das Vorgehen der Polizei bei der Räumung erläutert werden.

Die Waldgemeinschaft kündigt ungeachtet dessen zivilen Ungehorsam für eine mögliche Räumung an. Dafür werde mit Unterstützung aus der ganzen Bundesrepublik gerechnet, ähnlich wie im Dannenröder Forst, auch wenn das Waldstück in Fechenheim deutlich kleiner ist. Ähnlich wie dort werde man sich im schlimmsten Fall auch in die Baumwipfel zurückziehen, kündigte Unger an.

Auftrieb für ihre Aktionen erhoffen sich die Mitglieder des Protestcamps von einem Urteil des Amtsgerichts Flensburg zum Thema Klimaschutz als rechtfertigender Notstand. In Flensburg hatte eine Richterin einen Baumbesetzer im November freigesprochen. Das Ziel des Angeklagten, den Wald zu schützen, wiege schwerer als das Interesse eines Investors, so die Richterin.

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