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Deborah Düring kam zum Studieren nach Frankfurt.
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Deborah Düring kam zum Studieren nach Frankfurt.

Bundestagswahl 2021

WG-Zimmer in Berlin gesucht

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Deborah Düring, Kandidatin der Grünen im Wahlkreis 182, ist 27 Jahre alt und hat beste Chancen, in den Bundestag einzuziehen

Der Tag, an dem Deborah Düring beschloss, Bundeskanzlerin zu werden, war der 20. September 2019. Die Koalition in Berlin hatte gerade das Klimapaket beschlossen, ein Bündel an Maßnahmen, das Düring als „Klimapäckchen“ bezeichnet, weil ihr die beschlossenen Schritte längst nicht weit genug gehen. „Ich habe die Menschen gesehen, die deswegen wütend waren, und mir wurde klar: Wenn wir was verändern wollen, dann reicht es nicht zu protestieren, dann müssen wir Politik machen und in die Parlamente“, sagt die Sprecherin der Grünen Jugend Hessen,

In Wahrheit hat die 27-Jährige an jenem Tag vor fast genau zwei Jahren nicht beschlossen, Kanzlerin zu werden. Vielmehr entschied sie sich, den Frankfurter Grünen ihre Kandidatur für den Bundestag vorzuschlagen. Aber so zielstrebig, so entschlossen, wie Düring ihre Thesen und ihre Vorhaben vorträgt, hat man das Gefühl, dass diese Frau noch viel erreichen will in der Politik.

Die gebürtige (Ober-)Bayerin, die vor drei Jahren zum Studieren nach Frankfurt kam, ist im Stress. Am Morgen eine Podiumsdiskussion in der Waldorfschule, am Abend eine ähnliche Veranstaltung, dazwischen der Termin mit der FR. Viel los, doch Düring wirkt nicht gehetzt. Sie isst Lahmacun (vegetarisch, alles andere wäre bei einer 27-jährigen Grünen mittlerweile fast absurd), raucht danach eine selbstgedrehte Zigarette und spricht über Entwicklungszusammenarbeit, ihrem Steckenpferd. „Wir müssen koloniale Kontinuitäten aufbrechen, wir müssen das Lieferkettengesetz schärfen, und wir müssen uns endlich klar machen, dass Klima- und Außenpolitik zusammen gehören, weil Klimaschutz nur gemeinsam und global funktionieren kann“, sagt sie. Und wer ihr zuhört, versteht, warum Düring nicht die in manchen Parteien übliche Karriereleiter nimmt: Ortsbeirat, Stadtverordnetenversammlung, Landtag, dann irgendwann Bundestag. Deborah Düring, die demnächst ihren Master in Friedens- und Konfliktforschung machen will, ist keine Frau für die Lokalpolitik.

Die Chancen, dass sie tatsächlich in den Bundestag einziehen wird, stehen gut. Zum einen kann sie ihren Wahlkreis, den 182er, gewinnen. Die Grünen waren bei drei Wahlen in Folge in Frankfurt stärkste Kraft, natürlich hat ihre Direktkandidatin da Chancen. Auf der anderen Seite, das weiß sie selbst, hat sie starke Gegner. Armand Zorn von der SPD und vor allem Axel Kaufmann von der CDU, der als langjähriger Ortsvorsteher im Ortsbeirat 2 über viele Kontakte verfügt und sehr bekannt ist, während ihr Name bisher eher selten in der Zeitung stand.

Aber Düring steht auch auf Rang sieben der Landesliste. Bei den Grünen, die landesweit nicht so wahnsinnig viele Direktmandate einheimsen werden, könnten zwölf Prozent reichen, damit sie mit dieser Platzierung in den Bundestag einzieht. Das müsste klappen.

Und dann? Dann wird sie sich in Berlin ein WG-Zimmer suchen (auch in Bockenheim lebt Düring in einer WG) und anfangen, große Politik zu machen. Junge Menschen und Frauen seien im Parlament unterrepräsentiert, sagt sie, ebenso wie Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund. „Der Bundestag sollte doch die ganze Gesellschaft abbilden“, findet Düring. Dazu will sie ihren Teil beitragen.

Vermutlich wird es dann recht schnell um die Frage gehen, mit wem die Grünen über eine Koalition verhandeln. Wer Düring zuhört, wie sie ihre dezidiert linken Positionen darlegt und etwa davon spricht, dass Sicherheitsbehörden ein „strukturelles Problem“ mit Rassismus hätten, fragt sich schon, wieso ernsthaft über schwarz-grüne Zusammenarbeit nachgedacht wird. Düring schmunzelt und sagt dann, in einer Koalition gehe es darum „möglichst viele Inhalte der Grünen durchzusetzen“. Der Satz könnte auch vom stellvertretenden hessischen Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir stammen. Oder von Bastian Bergerhoff, dem Frankfurter Kämmerer.

Deborah Düring ist jung. Eine Amateurin ist sie nicht.

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