Römerbriefe

Wettschulden

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    Georg Leppert
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Der OB verliert gegen Köln und darf dafür beim Kölner Karnevalsumzug mitfahren. Finden Sie merkwürdig? Wir nicht.

Leppert: Ich wette mit dir, dass ich mehr Mitglieder des Stadtparlaments von 1984 aufzählen kann als du.

Göpfert: Äh..., du weißt schon, dass ich damals für die FR dabei war, während du in der fünften Klasse warst?

Leppert: Ist bekannt. Ich wette trotzdem. Und wenn ich verliere, musst du mir eine Nussecke mitbringen.

Göpfert: Was? Machst du hier jetzt den Feldmann?

Lesen Sie sich den Dialog ruhig noch einmal genau durch, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Genau: Der Gewinner (!) der Wette muss dem Verlierer (!) etwas Gutes tun. Klingt widersinnig? Wieso, wir lernen doch nur von unserem Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Sie werden es ja gelesen haben: Feldmann hat mit seiner Kölner Amtskollegin Henriette Reker gewettet, in welcher Stadt die Beteiligung an der Europawahl höher ist. Frankfurt hat verloren. Und deshalb fährt Feldmann beim nächsten Rosenmontagsumzug in Köln mit. In einem Bus. Den stellte er jetzt der Presse vor. Wir waren nicht bei dem Termin, aber der OB muss nicht traurig sein. Als Tom Kaulitz und Heidi Klum jetzt durch Seckbach gelaufen sind und der Tom der Heidi Kirschen gepflückt hat, waren wir auch nicht dabei. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Thema. Sollten Sie sich nicht so für Karneval interessieren, sei Ihnen gesagt: Beim Rosenmontagsumzug in Köln mitzufahren, ist für einen Jecken das Größte überhaupt. Wie für einen Eintracht-Fan ein 3:1 gegen die Bayern oder für die Frankfurter SPD ein Abschneiden vor den Grünen. Also eigentlich unerreichbar. Und der OB sagt: Weil ich verloren (!) habe, fahre ich da mal mit. Welch Strafe also: Ich mache etwas, wofür sich andere Menschen beide Hände abhacken würden.

Aber wir motzen schon wieder viel zu viel. Unsere Politiker sollten sich an der Feldmann-Taktik ein Beispiel nehmen. Wir hätten da auch ein paar Ideen für Wetten.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) wettet, dass Großcaterer Sodexo bei der nächsten Ausschreibung fürs Schulessen an der IGS Nordend nicht zum Zug kommt. Kommt es anders, muss Weber zur Strafe bei der unterlegenen Bewerberin, der Cantina Buen Barrio, zu Mittag essen.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) wettet mit der Eintracht, dass er die Aufstockung des Stadions auf 60 000 Plätze politisch durchsetzen kann. Passen nach dem Umbau nur 59 500 Zuschauer in die Arena, muss Frank leider, leider die Mannschaft zum nächsten Halbfinale im Europapokal begleiten. Ein schlimmes Schicksal.

Der scheidende CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein wettet, dass Nils Kößler nicht sein Nachfolger wird. Wird es Kößler doch, dann muss er bei Planungsdezernent Mike Josef (SPD) darauf drängen, dass der Pfingstberg aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept gestrichen wird. Immerhin darf Josef das Papier danach auch zur Abstimmung stellen.

Und wir? Wir wetten dass dieser Artikel bei Facebook 25 000 Likes bekommt. Wenn Sie Ideen für einen Wetteinsatz haben, schreiben Sie uns. Aber vergessen Sie nicht: Es muss wehtun ... äh, Spaß machen.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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