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Auch der Goetheplatz war ein beliebter Platz zum Sonnen am Mittwoch in Frankfurt.  

Reportage

Frankfurt: „Fabelhaftes Frühlingswetter im Januar“

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Bei 13 Grad im Januar sind viele am Dauerlächeln, andere meckern über den warmen Winter.

Die Wildgänse am Mainufer schnattern begeistert oder irritiert, so ganz sicher über ihre Gefühlslage sind sie sich da irgendwie am Mittwoch nicht. 13 Grad im Januar kann einen auch verwirren. Constanze (30) hat hingegen eine klare Meinung: „Das Frühlingswetter im Januar ist fabelhaft.“ Constanzes Kollegin Hannah (28), die neben ihr auf der Bank sitzt, erzählt: „Es ist das erste Mal, dass wir im Januar in unserer Mittagspause am Main sitzen können. Das ist auf jeden Fall mega.“ Und doch sagt sie, dass sie noch gerne in den nächsten Wochen echtes Winterwetter hätte. „Ich hoffe schon auf Schnee.“

Constanze winkt ab: „Das kannst du vergessen.“ Sie hält ihr Gesicht Richtung Sonne. „Ich habe in den letzten Tagen mit Vitamin-D-Tabletten angefangen, weil es so grau war. Jetzt tanke ich Vitamin D lieber mal direkt.“

Die meisten Sonnenstrahlen bekommt man an diesem Mittag und frühen Nachmittag auf der Stadtseite am Mainufer ab. Jogger entscheiden sich für kurze Hosen, ein paar Frauen trauen sich sogar zu Rock ohne Strumpfhose. Lina (24) hat zwar ihre Winterjacke noch drüber. „Aber darunter trage ich schon meine Frühlingssachen – eine luftige Marlene-Hose und ein schulterfreies langes Shirt“, sagt sie. Auffallend ist, dass viel mehr als in den grauen Vortagen gelächelt wird. Fremde Leute lächeln sich an, manche strahlen einfach vor sich hin.

Sonnen im Januar

Clara (23) gehört zu den Lächlern. Sie sonnt sich unweit des Holbeinstegs. Ihr großer Reiserucksack liegt neben ihr. Sie will gleich weiter mit dem Flixbus nach Würzburg. „Ich habe zwei Stunden Aufenthalt, klar habe ich kurz an den Klimawandel gedacht. Aber ganz ehrlich, für mich ist das Wetter zum Warten einfach top.“ Begeistert sind auch Ariana und Hans-Jörg Zwez, die aus dem Alpenvorland auf Kunstreise erst in Mannheim und jetzt in Frankfurt sind.

„Vorhin waren wir in der Van-Gogh-Ausstellung, jetzt genießen wir die Sonne hier sehr. Vor zwei Jahren waren wir bei der Matisse-Ausstellung in Frankfurt zur gleichen Jahreszeit, da war es kalt und hat nur geregnet“, sagt Hans-Jörg Zwez. Begeistert zeigt er auf die japanischen Kirschblüten, die am Mainufer wachsen. „Es ist wie Frühling heute.“ Seine Frau findet das auch, sagt aber: „Selbst bei uns im Alpenvorland hat es diesen Winter nicht richtig geschneit, außer ein bisschen Pulverschnee. Das reicht nicht mal zum Langlauf.“

Unweit des Römerbergs sitzen Peter Löbnitz und Freundin Sabrina Braune vor einer Kneipe und sonnen sich bei Bierchen. Löbnitz sagt: „Megageiles Wetter. Wir haben Urlaub und sind mit dem Rad von Höchst am Main entlang hierher.“ Er trägt eine Sonnenbrille mit Bembel-Muster „Ich habe sie von meiner Freundin an Nikolaus bekommen. Das ist ihr erster Ausgang“, sagt er und lacht. Im Café Hauptwache sitzen einige Gäste sogar ohne Einsatz von Decke oder Heizpilzen. Eine junge Frau isst unweit davon ein asiatisches Gericht aus einem Styroporbecher. Sie sagt sehr schlecht gelaunt: „Es ist zu warm. Ist doch Winter.“ Am heutigen Donnerstag sollen es 11 Grad werden.

Übrigens: Vor 100 Jahren, am 15. Januar 1920, waren es in Frankfurt laut Deutschem Wetterdienst nur 3,4 Grad.

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