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Wettbewerb fürs Frankfurter Juridicum

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Von: Thomas Stillbauer

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Mike Josef (links), Alexander Stumm und das Juridicum.
Mike Josef (links), Alexander Stumm und das Juridicum. © Rolf Oeser

Planungsdezernent Mike Josef erörtert Wege, das alte Uni-Gebäude zu erhalten. Viele wollten das am Sonntag hören.

Der Frankfurter Planungsdezernent und SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl, Mike Josef, hat sich für den Erhalt des Juridicums auf dem früheren Uni-Campus Bockenheim ausgesprochen, nicht nur aus ökologischen Gründen. Bei einer Veranstaltung des Deutschen Architekturmuseums (DAM) am Sonntag empfahl er einen Wettbewerb, der Vorschläge für die künftige Nutzung zeigen soll.

Erfreulich, dass so viele Menschen an der Veranstaltung in der Ausweichunterkunft des DAM im Ostend teilnahmen. Schade, dass die Ausweichunterkunft nicht genug Platz für so viele Menschen hat. So standen viele bis ins Foyer und um die Schautafeln der Ausstellung „Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ herum und gaben ihr Bestes, um zu verstehen, was auf der Bühne gesprochen wurde. Das gelang mal besser, mal schlechter; manche Stimmen setzten sich im allgemeinen Gemurmel stärker durch, andere weniger. Ganz klar den kräftigsten Eindruck hinterließen die Stimmen der Kinder, die während der Veranstaltung im Foyer spielten, dabei freilich (noch) keine nennenswerten Beiträge zum Erhalt des Juridicums leisteten.

Aber auch Mike Josef hatte glücklicherweise einen Starke-Stimme-Tag, und so ließ sich selbst in den hinteren Reihen vernehmen, dass aus seiner Sicht der Bebauungsplan für den Uni-Campus Bockenheim einen Abriss des Juridicums nicht zwingend vorsieht. Der zehn Jahre alte Strukturplan weise zwar ein Ende des 1967 erbauten ehemaligen Hauptquartiers der Jura-Studierenden aus; er sei jedoch nicht rechtsverbindlich.

„Die Idee des Kulturcampus ist es ja, durch Kultur den Ort zu öffnen, als Anlaufstelle für den gesamten Stadtteil“, sagte Josef. „Dazu würde der Erhalt des Juridicums passen, und er würde auch Synergieeffekte schaffen.“ So könnten die Kultureinrichtung Frankfurt LAB und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) dort zu Teilen Platz finden.

„Das wäre mein Vorschlag“, sagte Josef: „Ein Wettbewerb, gemeinsam von Stadt und Land, um das Juridicum zu erhalten, das Frankfurt LAB und die HfMDK dort und Richtung Labsaal/Neue Mensa unterzubringen.“ Applaus des Publikums. „Ich glaube, es ist möglich, diesen Weg zu gehen“, sagte Josef in vorbildlicher akustischer Verständlichkeit und erinnerte daran, dass vieles auf dem Weg zum Kulturcampus eigentlich schon vor Jahren hätte entschieden sein sollen: „Die eigentliche Idee war ja, dass die Uni 2014/2015 fertig umgezogen ist“ an die neuen Standorte im Westend und auf dem Riedberg. Doch erst kürzlich hätten die letzten Studierenden die Alma Mater an der Bockenheimer Warte verlassen.

Entsprechend alt ist auch die Idee, das Juridicum eben nicht abzureißen. Vor zehn Jahren schon warb dafür das Büro Schneider+Schumacher, woran Architektin Astrid Wuttke am Sonntag erinnerte.

Mit großem Nachdruck steht dafür Alexander Stumm ein, der Architekturtheorie an der Uni Kassel lehrt. Er hat (beileibe nicht nur fürs Juridicum) eine Initiative für ein Abriss-Moratorium gestartet, viele Unterschriften gesammelt und einen offenen Brief an Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) geschrieben. Ziel: viel weniger abreißen, viel mehr im Bestand sanieren, weil das enorme Mengen CO2 spart und dem Klima hilft, wie er im DAM erklärte. „Kreativ werden“, ermunterte er, „der Bestand kann in vielfältiger Weise weitergenutzt werden.“ Auch für ihn viel Applaus.

Alles in allem eine erfreuliche und ermutigende Veranstaltung fürs Klima, jedenfalls unter Berücksichtigung dessen, was akustisch zu verstehen war.

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