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Jens Fabian Lauckner von „Huckleberry Gin“ schenkt einen besonderen Tropfen aus.

Westend

Ein Whisky für 600 Euro

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Dutzende Hersteller und Händler servieren bei der Spirituosenmesse „069 Spirits“ Hochprozentiges.

Zutritt zum Casino der Goethe-Uni haben am Wochenende nur Besucher ab 18 Jahren. Der Eintritt kostet 20 Euro. So ist es am Samstag an der Glastür zu lesen, die in das Gebäude auf dem Gelände des Westend Campus führt, wo an Werktagen Studierende speisen. Grund für die Altersbeschränkung und den üppigen Eintrittspreis ist die Spirituosen-Messe „069 Spirits“.

Knapp 50 Hersteller und Händler von hochprozentigen Bränden wie Gin und Rum, Whisky und Wodka haben übers Wochenende ihre Stände und kurze Theken im Foyer und einem benachbarten Raum der Mensa aufgebaut. Einige von ihnen kommen aus der Region, viele aus der gesamten Republik. Wer von den Besuchern mit nüchternem Magen angereist ist, kann sich mit Allgäuer Käsespätzle und Schinken aus Südtirol stärken.

Durch das Sortiment probieren

Sven Becker und Jörg Karger, die am Samstagmittag mit einem befreundeten Pärchen und einem weiteren Kumpel gekommen sind, haben vor ihrem Besuch noch gut gegessen, berichten die 50-Jährigen. Wie alle anderen haben sie am Eingang ein so genanntes „Nosing-Glas“ bekommen. Damit können sie von Stand zu Stand schlendern und sich von Theke zu Theke durch das Sortiment probieren.

„Erstmal schwenken, bis sich die Aromen entfalten, dann riechen und erst dann trinken“, so erklärt Karger den Dreischritt für eine Probe, während der Hanauer das Stielglas am Boden festhält. Vom Angebot eines jungen Mannes im schwarzen Shirt, der eine Mischung aus Wein und Energydrink anbietet, lässt sich die Gruppe nicht anlocken. Anziehen lassen sie sich dagegen vom Stand des Kölners Marc Schmidt, der ihnen einen Gin auf „Blüten-Basis“ anbietet. Mit seinen Kumpels hat der gelernte Chemikant in der eigenen Küche experimentiert und dem Wacholderschnaps neben Kamille auch Rosenblätter zugeführt. „Der Wacholder bleibt bewusst im Hintergrund. Ihr werdet die feinen floralen Noten schmecken“, sagt Schmidt, während das Quintett an seinen Gläsern schnuppert. Nach Probierschlucken mit und ohne Tonicwater sagt Sven Becker: „Pur mag ich ihn am liebsten.“ Den Preis für eine Flasche möchte der Rüsselsheimer erfahren: „34,90“, entgegnet Schmidt.

600 Euro kostet ihr teuerster Brand

Am Stand gegenüber, an dem Händlerin Claudia Huhndorf aus Usingen Dutzende Flaschen Whisky vor sich stehen hat, darf es noch etwas hochpreisiger sein. 600 Euro kostet ihr teuerster Brand, der aus Japan kommt. 18 Jahre lagerte der in einem Sherryfass, wie Huhndorf bemerkt. Besucherin Pia Streichardt hat sich von der Händlerin einen günstigeren irischen Tropfen einschenken lassen. „Dreifach destilliert, harmonisch und ausgewogen“, so preist ihn Huhndorf an.

Auch die Testerin ist angetan: „Er brennt nicht so lang, wenn er runtergeht“, sagt die Fuldaerin. „Er ist auch nicht rauchig oder moosig, wenn man das Gefühl hat, mit den Zähnen den Garten umzugraben.“ Kurzerhand greift Jochen Streichardt in die Tasche seiner Frau, holt ihren Geldbeutel hervor und ersteht eine Flasche für rund 40 Euro. Er selbst müsse fahren, berichtet er, deshalb probiere er keine der angebotenen Spirituosen. Außerdem schmeckten ihm Wasser und selbst gekelterter Apfelwein besser.

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