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Theatermacher Marc Ermisch dramatisiert für das Frankfurter Papageno Musiktheater das Stück „Der Schwanensee“.

Westend

Frankfurt: Schwanensee für Kinder im Papageno

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Der Dramaturg Marc Ermisch hat Schwanensee als Theaterstück für Kinder konzipiert. Am 28. September ist Premiere im Papageno am Palmengarten.

Zufälle gibt’s! Den Schwanensee als Theaterstück für Kinder zu inszenieren. Das hat sich Hans-Dieter Maienschein schon lange gewünscht. Jugendgerechte Adaptionen des berühmten Ballettstoffs gibt es zwar, keine davon hat den Impresario des Papageno-Musiktheaters am Palmengarten bislang überzeugt. Bis eines Tages Marc Ermisch in seinem Büro auftaucht. Ermisch, Dramaturg am Papageno, fragt, ob er nicht was schreiben könne. Maienschein wünscht sich Schwanensee. Die Replik: „Oh, da habe ich ein Konzept in der Schublade.“

Ob das nun tatsächlich glücklicher Zufall ist oder eher eine clevere Antwort, sei dahin gestellt. Der 42-jährige Ermisch hat jedenfalls den Schwanensee als Musiktheater für Kinder gefasst und Maienschein gefällt’s. Natürlich der Stoff, aber auch die Bearbeitung und, dass der Autor das Stück perfekt an die Gegebenheiten im Papageno angepasst hat. Am 28. September ist Premiere.

„Das Thema hat mir immer gefallen. Wenn schon Märchen, dann Zaubermärchen“, sagt Ermisch über die Sage von der verzauberten Schwanenprinzessin, die nur durch wahre Liebe aus dem Bann des bösen Zauberers erlöst werden kann. „Da ist so viel Futter drin.“ Auch in der Fassung für Kinder, denn Rücksicht nehmen müsse Kindertheater schon auf den Entwicklungsstand der Zuschauer. „Aber man kann es trotzdem interessant machen“, sagt Ermisch. Nicht platt.

So hat er der Figur der Prinzessin auch etwas burschikoses gegeben, emanzipierte Züge. „Sie lässt sich nicht vorschreiben, wen sie zum Mann nehmen soll.“ Ermisch kennt das von zu Hause. Seit 18 Jahren bildet er eine gleichberechtigte Partnerschaft mit seiner Ehefrau, Natalie Raggi, einer feurigen Halbitalienerin.

Kennengelernt hat sich das Paar am Theater, bei den Märchenfestspielen in Hanau. Beide sind Künstler, Konkurrenten sind sie nie. Beide treten kürzer als sie eine Familie gründen. Von einem „Gleichgewicht“ spricht Ermisch. „Jeder kann glänzen, wenn es an der Zeit ist.“ Mal hat er große Produktionen, mal hat sie das Rampenlicht und er bleibt zu Hause bei den zwei Söhnen.

Das musikalische Märchen in Anlehnung an das gleichnamige Ballett feiert Premiere am Samstag, 28. September, 16 Uhr im Papageno-Theater. Das Stück richtet sich an Kinder ab fünf Jahren. Dauer etwa 90 Minuten mit Pause. Tickets ab 16,05 Euro.

Weitere Termine: 29. September, 3.-5. Oktober, 20. Oktober, 1.-3. November und weitere bis Januar 2020. Tickets: 13 40 400. www.frankfurt-ticket.de

Papageno Musiktheater , Palmengartenstraße 11a. Info-Telefon: 51 50 38, Dienstag bis Sonntag, 9 bis 13 Uhr. www.papageno-theater.de. sky

Seit fünf Jahren lebt die Familie nun in Alt-Griesheim, in der Nähe des Mainufers. „Ein Glücksfall“, sagt Ermisch, „eine Altbau-Wohnung zu einem vernünftigen Preis.“ Er staunt immer noch darüber, dass der Vermieter das Künstlerpaar akzeptiert hat. Eigentlich ist Ermisch ein Nordlicht, in der Nähe von Lübeck aufgewachsen. Schon früh zeigt sich sein Talent. In der Schule bekommt er „super“ Noten auf seine Aufsätze, zumindest auf den Inhalt. „Nicht so sehr bei der Rechtschreibung.“ Ermisch muss seine Werke auch oft vorlesen.

„Damals fand ich das kacke.“ Später nicht mehr. Mit 19 verfasst er sein erstes Theaterstück. Es behandelt die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gebe. Und welch Autorenglück: Eine Laienspielgruppe möchte das Stück tatsächlich aufführen. Doch kurz vor der Premiere muss die englische Regisseurin überstürzt in die Heimat zurück. Das Stück steht auf der Kippe. Die Schauspieler nehmen Ermisch in die Pflicht. „Marc, Du hast das geschrieben, du musst es auch inszenieren.“

Der junge Autor schluckt, dann denkt er: „Gut, die meiste Arbeit ist ja erledigt.“ Wie sehr ihn die Aufführung umhaut, hat er nicht kommen sehen. „Das war so beeindruckend, wie die Dinge, die ich mir ausgedacht habe, zum Leben erwacht sind.“ Seither ist ihm klar: „Theater, das ist meins.“ Ermisch besucht die Schauspielschule in Lübeck, einfach um zu sehen, ob er Talent hat.

Anscheinend hat er. Nach drei Jahren Schule geht er auf Tournee, bleibt bei den Märchenfestspielen in Hanau hängen, wo er seine Frau trifft. Ermisch spielt. Für das Kulturamt der Stadt Hanau schreibt und inszeniert er die städtischen Eigenproduktionen. Mit Natalie Raggi gründet er eine eigene Gruppe, die Ermisch–Raggi–Theater–Company Eratheco, die gerade ihren 15. Geburtstag gefeiert hat.

Ermisch reüssiert auch im Business-Theater. Für Unternehmen arbeitet er Change-Prozesse szenisch auf, spielt Schulungen, begleitet die Einführung des neuen Rabattsystems bei der Bahn. Ermisch lacht. Er hat Theater über Kontaktlinsen gemacht, über Büromöbel. „Es gibt nichts, worüber ich noch kein Stück verfasst habe.“

Für Kinder hat er bislang noch nicht geschrieben. Der Schwanensee im Papageno ist somit wieder mal ein neuer Abschnitt in seiner Vita. Er wird auch diese Premiere meistern.

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