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Die Samen, die Gisela Becker im Grüneburgpark gesammelt hat, werden zunächst in Töpfchen großgezogen.
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Die Samen, die Gisela Becker im Grüneburgpark gesammelt hat, werden zunächst in Töpfchen großgezogen.

Westend

Westend: Experimente mit der Flaumeiche

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Naturschützerin Gisela Becker züchtet Eicheln für den Frankfurter Stadtwald. Die Früchte hat sie im Grüneburgpark aufgesammelt.

In dem Töpfchen, das Gisela Becker in den Händen hält, keimt die kleine Hoffnung. Die Eichel weist schon eine Wurzel auf. Mit etwas Glück soll sie einmal zu einer stattlichen Flaumeiche heranwachsen.

„Die Flaumeiche gilt schon lange als klimaresistenter Baum, weil sie aus dem Mittelmeerraum stammt.“ Das habe sie beim Frankfurter Waldkongress vor zwei Jahren erfahren, erläutert Gisela Becker, die im Vorstand der Frankfurter Naturfreunde ist. Nur wenige Zentimeter messen Eichel und Wurzel, die Becker hinter dem Niederräder Naturfreundehaus zum Anwachsen in die Erde des Töpfchens gesteckt hat. Etwas geschützt unter einigen kurzen, krummen Ahornstämmen sowie größeren Bäumen steht das Pflänzchen auf dem Waldboden. Auch bei Becker zu Hause auf der Fensterbank im Westend gedeihen versuchsweise einige Nussfrüchte, die die Flaumeiche trägt.

Aufgelesen hat die 74-Jährige die Eicheln nicht weit von ihrer Wohnung entfernt, im Grüneburgpark. „Fast täglich habe ich 100 bis 200 Früchte zwischen dem herabfallenden Laub gesammelt“, berichtet die Naturschützerin, die als Stadtverordnete für die Wählergemeinschaft der Flughafenausbaugegner (FAG) neun Jahre im Stadtparlament saß und sich gegen eine Untertunnelung des Grüneburgparks zugunsten der U-Bahnlinie 4 ausspricht, die den Westend-Campus unterirdisch anbinden soll. Im Park selbst setzt sie sich seit Jahren für den Erhalt der Bäume und weiterer Lebewesen ein.

Die gesammelten Eicheln übergab sie Stadtförster Andreas Knöffel. Der hatte Becker bei einer Waldbegehung auf die Idee gebracht, die Baumfrüchte im Grüneburgpark aufzulesen, um sie später vielleicht einmal an kahlen Stellen des Niederräder Stadtwaldes einzupflanzen.

Zunächst gedeihen die Früchte auch bei Knöffel in kleinen Gefäßen. Er will erst einmal abwarten, wie sie sich entwickeln. „Wir müssen im Moment viel ausprobieren“, sagt der Waldhüter und verweist darauf, dass seit dem Dürresommer 2018 jahrzehntelanges Forstwissen über den Haufen geworfen sei und „neu überlegt werden muss, was geht“.

Den Laubbaum, in Latein Quercus pubescens, der seit 1896 im Grüneburgpark an einer Weggabelung steht, musste Becker nicht lange suchen. Sie kennt sich bestens aus in der Grünanlage. Zudem falle ein 125 Jahre alter Zeitgenosse natürlich besonders auf, der Stamm trage zudem ein Namensschild. Seine Wurzeln seien im Zuge der jüngsten Parksanierung bei der Asphaltierung eines Weges eingezwängt worden, erinnert sie sich. Mehr Freiraum sollen der Flaumeichen-Nachwuchs im Stadtwald erhalten.

Der Erhalt von Umwelt und Natur ist Becker eben immens wichtig. Diese Naturverbundenheit habe sie seit Kindertagen, als sie etwa mit ihren Eltern und Geschwistern Beeren und Pilze gesammelt habe. Und ähnlich wie beim Pilze sammeln habe sie sich beim Aufheben der Flaumeichen-Früchte gefühlt, erzählt Becker.

„Jede Eichel ist gesund und relativ schwer und kann vielleicht eine wertvolle Frucht sein“, hofft sie. Mit den städtischen Gärtner:innen habe sie vereinbart, dass sie um die Flaumeiche herum kein Laub zu Haufen zusammen blasen, das dann samt der Eicheln geschreddert worden wäre. Insgesamt 1500 Eicheln sind auf diesem Weg schließlich zusammen gekommen.

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