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Die Autorenbuchhandlung Marx & Co im Grüneburgweg 76 ist zum dritten Mal ausgezeichnet worden. Gearbeitet wird im Kollektiv. Dazu gehören Larissa Siebicke (l.) und Barbara Determann.

Westend

Westend: Die Autorenbuchhandlung Marx & Co setzt auf eine neue Generation von Literaturliebhabern

In der Autorenbuchhandlung Marx & Co im Frankfurter Grüneburgweg kommen Menschen aus unterschiedlichen Lagern zusammen - von konservativ bis linksliberal, vom Student bis zum Nachbarn. Das sieht man auch an den gut besuchten Veranstaltungen.

Bücher bis unter die hohe Decke, eine Treppe, die zu einer Empore führt und bewegliche Leitern, die diagonal an den Regalen lehnen als müssten sie sie stützen – die Autorenbuchhandlung Marx & Co ist der Prototyp des Buchladens. Was das Ambiente angeht.

Dank der Lage im Grüneburgweg hat Marx & Co „auf der politischen Ebene von konservativ bis linksradikal ein Publikum“, sagt Barbara Determann, die seit der Gründung 2001 im Laden arbeitet. Damals fanden mit dem Umzug der Goethe Universität auf den Campus Westend die ehemalige Autorenbuchhandlung und Mitarbeiter der Bockenheimer Karl-Marx-Buchhandlung hier zusammen.

Der Laden sei einer der wenigen Orte, wo sich unterschiedliche Lager zufällig treffen könnten: „Wir sind ein Kommunikationsort“, sagt Determann stolz: Ein Raum, der zum Austausch gedacht sei und sowohl akademische Kreise als auch die bunt gemischte Nachbarschaft anziehe.

Ausgezeichnet
Den Deutschen Buchhandlungspreis

vergibt die Bundesregierung jedes Jahr mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Kurt-Wolff-Stiftung. Dieses Jahr hat die unabhängige Jury 118 Buchläden ausgewählt, die mit ihrem Sortiment oder ihrem kulturellen Engagement besonders herausragen.

Die drei besten Buchhandlungen erhalten jeweils 25 000 Euro. Die Sieger werden bei einer Preisverleihung im Oktober bekanntgegeben.

In Frankfurt haben es vier Buchhandlungen auf die Liste geschafft: Ypsilon, Bergen erlesen, Land in Sicht und Marx & Co. Die FR stellt sie in einer Serie auf den Stadtteil-Seiten vor. Heute: Die Autorenbuchhandlung Marx & Co, im Grüneburgweg 76 , Telefon 72 29 72. röm

Dass das Konzept von Marx & Co aufgeht, sieht man daran, wie Veranstaltungen angenommen werden. Bei einer Buchvorstellung im April mussten die Mitarbeiter irgendwann die Türen zuhalten, weil beim besten Willen niemand mehr in den Raum passte. „Wenn man solche Mischungen macht, dann kommen auch viele“, sagt Determann.

Den Erfolg sieht man auch daran, dass Marx & Co zum dritten Mal unter den ausgezeichneten Buchläden des Deutschen Buchhandlungspreises ist. Das Preisgeld wird wohl in Veranstaltungen fließen, deren Kosten den Mitarbeitern normalerweise vom eigenen Lohn abgehen. Die Autorenbuchhandlung ist ein Kollektiv bestehend aus sechs Mitarbeitern: jeder verdient dasselbe, Entscheidungen werden in Absprache getroffen. „Eine unserer Qualitäten und Qualifikationen ist, dass wir gerne empfehlen“, sagt Barbara Determann. „Das ist zeitintensiv und natürlich auch kenntnisintensiv.“ Zur Zeit steht bei ihr das Romandebüt des Lyrikers Ocean Vuong hoch im Kurs. „Auf Erden sind wir kurz grandios“ erzählt die Geschichte vietnamesischer Migranten in den USA in Briefform. „Es ist einfach eine gut erzählte Coming-of-Age-Story“, sagt Determann.

Auch Kinder finden in der Autorenbuchhandlung das Richtige. Auf der Website www.kommbuch.com, die Marx & Co mit anderen unabhängigen Buchläden führt, werden hin und wieder Jugendbücher besprochen – von Kindern für Kinder. „Das macht ihnen Spaß, weil sie Einfluss nehmen können“, sagt Mitarbeiterin Larissa Siebicke. Leseförderung liege dem Laden besonders am Herzen: „Das ist die Generation, die jetzt nachkommt. Die muss in der Lesegewohnheit bleiben. Wenn die nicht mit Büchern groß werden, ist es schwierig, sie mit 20 zurück ans Buch zu kriegen“.

Sorgen macht den Buchhändlerinnen etwas anderes. „Unser großer Feind ist Amazon“, sagt Determann. Oft würden Kunden allerdings nur online recherchieren und dann doch im Laden bestellen, wirft Siebicke ein: „Es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, finde ich. Viele wollen eine Buchhandlung behalten und kaufen deshalb bewusst nicht bei Amazon.“ Wenn man Marx & Co verlässt und noch einen letzten Blick in das Schaufenster wirft, aus dem einem ein liebevoll geordnetes Meer an verschiedensten gelben Büchern entgegen strahlt, weiß man auch, warum. (röm)

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