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Skaten im Labsaal

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Von: Boris Schlepper

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Im Labsaal an der Senckenberganlage könnte nach den Wünschen des Skater-Vereins Concrete Skate eine Halle für die Sportler:innen entstehen.
Im Labsaal an der Senckenberganlage könnte nach den Wünschen des Skater-Vereins Concrete Skate eine Halle für die Sportler:innen entstehen. © peter-juelich.com

Bürgerintiative „Zweite Chance Campus Bockenheim“ stellt ihre Ideen für eine Zwischennutzung des Uni-Geländes im Ortebsirat 2 vor. Die Gruppen, die auf dem Areal gemeinschaftliches Wohnen planen, stehen bereits in den Startlöchern.

Wohnateliers, Büros und Klassenzimmer im Juridicum an der Senckenberganlage. Im Labsaal eine große Skaterhalle, und eine Kita und eine Speisung für Bedürftige in der Bibliothek für Kunstgeschichte. Was geschieht mit dem Campus Bockenheim, sobald dieser nicht mehr von der Goethe-Uni genutzt wird? Mit dieser Frage hat sich die Initiative „Zweite Chance Campus Bockenheim“, eine Reihe von Gruppen rund um das Offene Haus der Kulturen, dem Stadtteilbüro Bockenheim und der AdA-Kantine befasst, und Ideen in der Sitzung des Ortsbeirats 2 (Bockenheim Kuhwald, Westend) am Montagabend vorgestellt.

Bis der Kulturcampus realisiert wird, vergingen voraussichtlich noch zehn Jahre, sagte Anette Mönich vom Stadtteilbüro. Die Uni habe mitgeteilt, das Juridicum bis zum Wintersemester zu räumen, die Bibliothek an der Bockenheimer Landstraße als letztes Gebäude bis 2028. Wichtig sei deshalb, sich jetzt zu überlegen, was mit den Immobilien passiert. Die Stadtverordneten müssten dem Koalitionsvertrag Taten folgen lassen und eine Steuerungsgruppe ins Leben rufen.

Es wäre eine „vertane Chance“, wenn etwa das Juridicum mit seinen 19 000 Quadratmetern jahrelang hinter Stacheldraht brachliege, sagte Tim Schuster, Geschäftsführer des Offenen Hauses der Kulturen. Das Areal habe ein großes Potenzial. Vor allem wegen der Freifläche sei das Gelände auch für Familien mit Kindern interessant. Dem Außengelände hat sich die Initiative bereits gewidmet und vor kurzem angefangen, dort Hochbeete anzulegen. Am kommenden Wochenende sollen diese bepflanzt werden.

Im zweiten Schritt müsse man sich um die freiwerdenden Gebäude kümmern, so Schuster. „Wir haben eine Fülle von Ideen.“ Demnach könnte etwa die AdA-Kantine, die ab 2023 eine neue Bleibe braucht, im Erdgeschoss des Juridicums unterkommen. Dort könnte das Projekt zum „Zentrum der nachhaltigen Lebesmittelnutzung“ ausgeweitet werden. Interesse hätten zudem Initiativen wie Friday for Future bekundet, die sich mit Themen rund um Klimaschutz und Nachhaltigkeit befassten.

Denkbar sei es, Räume für kulturelle Angebote, für Jugendliche und Kinder bereitzustellen, so Schuster. Die Ideen scheiterten nicht am Gebäude, sagte Architektin Astrid Wuttke, die 2013 erste Pläne zur Weiterentwicklung des Juridicums entworfen hat. Dieses sei flexibel und könne deshalb auch dauerhaft genutzt werden. Es abzureißen, sei unnötig.

Eine „neue Chance für den Labsaal“ könnte nach Ansicht von Marius Karas vom Verein Concrete Skate sein, in dem Gebäude eine Skaterhalle einzurichten. Derzeit gebe es in Frankfurt nichts, wo die Sportler:innen etwa im Winter oder bei Regen ihrem Hobby nachgehen können. Der Saal biete „perfekte Bedingungen“. Der Verein habe bei der Stadt bereits ein Konzept eingereicht.

Wichtig sei, dass sich endlich alle Akteure von Land, Stadt, Uni und ABG Holding, die den Campus gekauft hat, an einen Tisch setzten, sagte Tim Schuster. Nur so könne die Weiterentwicklung konstruktiv angegangen werden.

Das wünschten sich am Montagabend auch Vertreterinnen einer Gruppe für gemeinschaftliches Wohnen auf dem Hochschul-Gelände. Seit 2014 arbeiteten die insgesamt acht Wohnprojekte an dem Thema, sagte Jutta Rothacker vom Wohnprojekt Campus. Sie hätten sich an der Entwicklung des Bebauungsplans beteiligt und eine Machbarkeitstudie in Auftrag gegeben, wo die geplanten 18 000 Quadratmeter Fläche für die Wohnprojekte hinkommen können. Doch hänge die Entwicklung des Kulturcampus fest.

Mitglieder des Ortsbeirats begrüßten die Pläne für das Uni-Gelände. Dass es denkbar sei, Räume temporär Schulen zur Verfügung zu stellen, stieß bei mehrere Fraktionen auf Zustimmung. Es werde jedoch nicht einfach, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, sagte Ortsvorsteher Thomas Gutmann (Grüne). Wichtig sei jetzt eine politische Willensbekundung der Stadt, dass Gebäude wie das Juridicum nicht leerstehen zu lassen, sagte Carola Scholz (Grüne).

Die Arbeit der Bürgerinitiative „Zweite Chance“ unterstützt der Ortsbeirat mit 2000 Euro für Sachmittel. Einen entsprechenden Antrag von Linke und Grünen brachte das Gremium mehrheitlich auf den Weg.

Auf der Außenfläche des Campus hat bereits das erste Projekt begonnen. Dort wird derzeit ein Gemeinschaftsgarten angelegt. Am Samstag werden die Hochbeete bepflanzt.
Auf der Außenfläche des Campus hat bereits das erste Projekt begonnen. Dort wird derzeit ein Gemeinschaftsgarten angelegt. Am Samstag werden die Hochbeete bepflanzt. © Peter Jülich

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