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Jonathan Leuschner ist in einer Anwohnerinitiative aktiv, die die Pläne unterstützt, den Grüneburgweg umzugestalten. Foto: Rainer Rüffer
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Jonathan Leuschner ist in einer Anwohnerinitiative aktiv, die die Pläne unterstützt, den Grüneburgweg umzugestalten.

Westend

Pläne für Grüneburgweg offen legen

  • vonMatthias Bittner
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Der geplante Umbau des Grüneburgwegs in Frankfurt zur fahrradfreundlichen Nebenstraße stößt auf geteiltes Echo. Geschäftsleute fürchten Umsatzeinbußen, wenn durch den Umbau Parkplätze wegfallen. Eine Anwohnerinitiative findet das Vorhaben gut.

Den geplanten Umbau des Grüneburgwegs zur fahrradfreundlichen Nebenstraße lehnen die dort ansässigen Geschäftsleute ab. Sie befürchten Umsatzeinbußen, weil dadurch 93 Parkplätze wegfallen, der Durchgangverkehr beschränkt und mittels Diagonalsperren an zentralen Kreuzungen durch Nebenstraßen geleitet werden soll.

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Westend, Bockenheim, Kuhwald) am Montagabend gab es aber auch positive Stimmen einer Anwohnerinitiative. Der Ortsbeirat fordert nun vom Magistrat, dass die Pläne zeitnah nach der Kommunalwahl öffentlich vorgestellt und Bürgerinnen und Bürger beim Planungsprozess beteiligt werden sollen, ehe Fakten geschaffen werden.

Als Zumutung empfindet Muray Badan das Vorhaben. Sie betreibt im Grüneburgweg einen Obst- und Gemüseladen. Viele ihrer Kundinnen und Kunden kämen mit dem Auto und hätten schon jetzt Probleme einen Parkplatz zu finden. Der geplante Umbau verschärfe die Situation unnötig. Wolfgang Kletti, der den vor 70 Jahren gegründeten Familienbetrieb Eugen Kletti für Heizung und Sanitär führt, stimmt zu. „Der Grüneburgweg hat sich toll entwickelt“, sagt er mit Blick auf die Geschäftswelt. Einzige Kritik: Es fehlten Parkplätze im Viertel – auch für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und so finde er keine Monteure. Komme der Umbau wie geplant, überlege er einen anderen Standort für seinen Betrieb zu suchen.

Neben dem Grüneburgweg soll im Westend auch der Kettenhofweg umgestaltet werden. Beide Straßen gehören zu insgesamt elf Nebenstraßen, die basierend auf dem Radentscheid und einem Stadtverordnetenbeschluss sicherer für Radfahrer werden sollen.

Vorab hatte Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) erklärt, die Umbau-Konzepte der beiden Straßen nicht weiter zu verfolgen, weil zusätzliche Ost-West-Verbindungen angesichts der beschlossenen Neuordnung der Bockenheimer Landstraße – die Radwege werden breiter und leistungsfähiger – unnötig seien. Dass 200 Parkplätze für die fahrradfreundliche Umgestaltung ersatzlos entfallen sollen, halten fast alle Fraktionen im Stadtteilparlament für problematisch. Dort lebten viele Menschen, die aufs Auto angewiesen seien.

Muray Badan, Inhaberin von „Badans Frischemarkt“, befürchtet Nachteile, müssten wegen der Umgestaltung des Grüneburgwegs Parkplätze wegfallen.

Das bestätigte eine Westend-Bewohnerin, die von einer autofeindlichen Stimmung in der Stadt sprach. Auch Geschäftsleute sehen das so. „Alles schaut nur noch aufs Rad“, sagte einer. Der Soziologe Florian Schröder hält das für gefährlich. Er sieht im schlimmsten Fall sogar die Nahversorgung im Viertel gefährdet und verweist darauf, dass etwa Weinhändler oder der Rewe-Supermarkt auf Parkplätze für Kundinnen und Kunden angewiesen seien.

Die Befürchtung hält Jonathan Leuschner für überzogen. Er ist im Quartier aufgewachsen, wohnt im Grüneburgweg und gehört einer Anwohnerinitiative an, die die Umgestaltung des Grüneburgwegs unterstützt. Ursprünglich wollte die Gruppe sich für mehr Sicherheit an der Kreuzung Reuterweg/Grüneburgweg stark machen, hörte dann aber von den Umbauplänen des Grüneburgwegs. „Das finden wir toll.“ An der Kreuzung fehlten aber Gehwegnasen und eingefärbte Kreuzungsecken, auch verbotswidriges Linksabbiegen in den Grüneburgweg müsse verhindert werden, sagt er. Die Befürchtungen der Geschäftsleute teilt Leuschner nicht. Es gebe Studien, die belegten, dass mehr Platz und Sommergärten Fußgänger zum Flanieren und Verweilen einlade und so der Umsatz angekurbelt werde. Beide Seiten, Anwohner und Geschäftsleute, profitierten also von der Umgestaltung.

„Bei aller Liebe zur Verkehrswende, mir erscheint die Maßnahme doch eher destruktiv“, erklärte ein Gast der Bürgerfragestunde. Der Grüneburgweg sei eben keine Nebenstraße, sondern eine wichtige Ost-West-Verbindung, die viele Menschen täglich nutzten. Würden diese Verkehrsströme nun durch andere Straßen umgeleitet, sei dies kontraproduktiv. „Und ich glaube, dass das weder dem Einzelhandel noch den Radfahrern etwas bringt“, gab er zu bedenken.

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