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Die Oper vor der Paulskirche? Bei Heinz Dörr geht das.

Westend

Ein Künstler und seine Stadt

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Zum zweiten Mal stellt Heinz Dörr seine Werke im Bürgerinstitut aus. Dabei bringt er Sachen zusammen, die eigentlich nicht zusammengehören.

Moment mal, da stimmt doch was nicht: Direkt neben dem Westend Tower ragt der Europaturm in die Höhe. Und auf dem Vorplatz der Paulskirche thront der im Renaissance-Stil gehaltene Bau der Alten Oper. Schräg dahinter lässt sich die charakteristische Dreigiebelfassade des Römers erkennen. Und überhaupt – wieso befindet sich ein Flugzeug im direkten Landeanflug gleich über der Bockenheimer Warte?

Sie ist natürlich gewollt, diese Vereinigung des nicht Zusammengehörenden. „Das alte und neue Frankfurt“, so hat Heinz Dörr das Ölgemälde genannt, auf dem moderne und historische Wahrzeichen Frankfurts dicht aneinander gedrängt ein unwirkliches Stadtbild formen.

Ein Surrealist ist der 1931 in Griesheim geborene Dörr aber nicht. Internationale Anerkennung hat der Künstler ab den 70er Jahren zunächst für seine Ikonenmalerei bekommen. Die Maltechnik der Heiligenbilder, für die er sich schon früh begeisterte, folge strikten Regeln, erklärt der gelernte Maler, der bis heute dem Frankfurter Westen treu geblieben ist. Um die ganze Welt ist er damals mit seinen Werken gereist, hat auf Kreuzfahrtschiffen ausgestellt und in Gegenwart sowjetischer Berühmtheiten aus der Kunstszene diniert.

Mittlerweile zeigt der 88-Jährige seine Werke vornehmlich in der Heimat. Dort findet er auch die meisten Motive, die er in jüngerer Vergangenheit gemalt hat. Hauptsächlich sind es Öl- und Aquarellmalereien von Gebäuden. „Frankfurter Ansichten“ lautet passend der Titel seiner aktuellen Schau im Bürgerinstitut. Eingetaucht in die mannigfaltigen Farbfacetten wechselnder Tageszeiten ziert die Skyline in gleichermaßen vielgestaltigen wie ästhetischen Ausführungen die Wände des Saals. Auch die Römerzeile, der Dom und der Eiserne Steg haben es Dörr angetan. Welchen Sujets er sich mit Pinsel und Farbe annimmt, das entscheide er meistens spontan, erläutert Dörr. Dem eigenen Stadtteil widmet er besondere Aufmerksamkeit. „Griesheimer Mainufer“ heißt nur eine seiner vielen Darstellungen des Viertels.

Kreativ sei er schon immer gewesen, erzählt er. Früh habe sich sein gestalterisches Talent herausgestellt. Doch dafür war in den Jahren der Nachkriegszeit kein Platz. Dem Berufswunsch des technischen Zeichners konnte der Schulabsolvent nicht nachgehen. Vorerst angestellt in einer Schuhfabrik, führte es den jungen Dörr über Umwege zu einem Malerbetrieb. Lehre und Meistertitel folgten. 45 Jahre übte er seinen Beruf aus. Selbst im hohen Alter nimmt der Rentner heute noch ausgewählte Auftragsarbeiten entgegen, wenn er gerade nicht an der Staffelei im Atelier seines Wohnhauses sitzt.

Wie viele Bilder sein Werk umfasst, das wisse er selbst nicht – „mehrere hundert sind es wohl“. Gerade sei er wieder am Malen, berichtet er. Solange es noch ginge, sei er jeden Tag aktiv. Erst vor wenigen Jahren ist der Griesheimer unter mithilfe seines Enkels auf ein Gerüst gestiegen, um die Wand im Innenhof des ältesten Hauses in Griesheim zu bemalen.

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