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Irma, die sich von Youtube aus zu Bekanntheit sang.

Palmengarten

Irma im Frankfurt: Wie man sich in die Herzen spielt

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Im Frankfurter Palmengarten tanzt das Publikum der französischen Sängerin und Songschreiberin Irma sogar im Regen – kein Wunder.

Eine Frau, allein mit der akustischen Gitarre. Damit hat die aus Kamerun stammende und in Frankreich lebende Soulpopsängerin und Songschreiberin Irma ihr Konzert in der Reihe Summer in the City im Frankfurter Palmengarten eröffnet. Da ist ein Flair von Folk, dann ist aber auch einmal ein Touch von Dancehall-Reggae mit im Spiel, mit einem rapnahen rhythmisierten Sprechgesang. Später traktiert die Sängerin mit der reizvoll dunkel timbrierten Stimme die Gitarre unkonventionell perkussiv.

Es gibt keinen Grund zur Befürchtung, dass die puristische Situation womöglich im Lauf des Abends eintönig werden könnte. Nach einer Handvoll von ihren älteren Songs allerdings kündigt Irma Novitäten von ihrem dritten Album an, dessen Veröffentlichung noch bevorsteht – und die trägt sie zum Halbplayback mit Instrumenten, Chorsängerinnen und Sprachsamples aus dem Laptop vor. Bald schon wird vor der Bühne getanzt, überwiegend sind die Nummern mit einem Beat unterlegt, der im Einzelfall schon auch mal bratzig sein kann.

Ein Star in Frankreich

Irma hat eine Geschichte, die das Kino als Vorlage zu einer weiteren Schmonzette um einen märchengleichen Aufstieg benützen könnte, beginnend mit ein paar Videos auf Youtube, in denen sie sich Popklassiker anverwandelt hat, wie das auch an diesem Abend mit Verve zur Gitarre gespielte „I Want You Back“ von den Jackson Five. Ein paar Jahre später wurde aus Irma ein Star in Frankreich, gleich ihr Debütalbum „Letter to the Lord“ von 2011 ist ein Bestseller gewesen. In Deutschland ist sie noch nicht so populär, obwohl oder vielleicht ja auch gerade weil ihre damalige Plattenfirma ihr für die in Frankreich erfolgreiche Nummer „I Know“ den „Voice of Germany“-Spross Mic Donet als Duettpartner verordnet und obendrein das ganze Album völlig auf den Kopf gestellt und mit einer neuen Hülle versehen hat.

Inzwischen hat Irma ihr eigenes Label gegründet, und womöglich wird es ja auch noch etwas mit der großen Karriere hierzulande. Die neuen Songs jedenfalls klangen im Konzert recht ansprechend; prägend sind klangsatte weibliche Gospelsoulstimmen und zumeist milde Dancebeats. Damit hebt man nicht die Popwelt aus den Angeln, aber die in englischer Sprache singende und sympathisch unprätentiös auftretende 31-Jährige spielt sich in die Herzen ihres Publikums. Das klingt kitschig, aber so ist es nun einmal gewesen. Obschon es zeitweilig schüttete – am Ende offerierte Irma die Bühne in der Konzertmuschel als Zufluchtsort –, harrten die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer bis zum letzten Ton der Zugabe aus.

Gar nicht so übel ist im Übrigen die Musik des holländischen Dreamfolkduos Wolf & Moon, das im Vorprogramm auftrat. Mazzy Star und The XX dürften zu den Favoriten der neohippiesken Akustikgitarre-mit-Elektrobeats-Musiker gehören. Sehr nett, ein bisschen zu sehr allerdings.

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