Corona-Krise in Frankfurt

„Ohropax nutzt nichts“: Homeoffice mit Baulärm - genervte Anwohner im Westend

Manche Anwohner im Frankfurter Westend, die wegen der Corona-Krise im Homeoffice arbeiten, sind genervt von der Baustelle „160 Park View“. Andere dagegen sehen den Lärm entspannt. 

  • Viele Frankfurter arbeiten wegen der Corona-Pandemie im Homeoffice 
  • Im Westend stören sich einige Anwohner massiv am Baulärm
  • Andere sehen das entspannter

Frankfurt - Gerade in der jetzigen Zeit, in der viele Menschen zwangsweise im Homeoffice arbeiten und den ganzen Tag zu Hause sind, ist Baulärm vor der Tür nur schwer zu ertragen. Das bekommen auch Anwohner im Grüneburgweg zu spüren.

Gebaut wird dort, zwischen Fürstenbergerstraße, Grüneburgweg und Wolfsgangstraße, nahe Uni-Campus und Grüneburgpark, das Wohn- und Hotelgebäude „160 Park View“. 2016 wurde mit den Arbeiten begonnen, in diesem Jahr sollen sie beendet sein. Dann können in den einen, 96 Meter hohen Turm, 130 Eigentumswohnungen zu Preisen zwischen 6500 und 19.000 Euro pro Quadratmeter bezogen werden. In dem anderen, etwas kleineren Turm, entstehen 150 Hotelzimmer.

Seit Beginn der Bauarbeiten gibt es Anwohner, die von dem Lärm geplagt sind. Einer von ihnen, der anonym bleiben möchte, hatte sich bereits im vergangenen Jahr an die FR gewandt. Er sprach von einer „fortlaufenden Überschreitung der für eine Baustelle in einem Wohngebiet zulässigen Lärmgrenzwerte“ und von nicht ausreichenden Schallschutzmaßnahmen.

Baustelle in Frankfurt-Westend: Lärm durch Lkw, die Erde bebt

Jetzt im Homeoffice könne er beobachten, dass die Arbeitszeiten von 7 bis 20 Uhr nicht immer eingehalten würden. Bohrhämmer, die erst nach 10 Uhr zum Einsatz kommen sollen, wären schon vorher im Betrieb. „Selbst im abgelegenen Arbeitszimmer nutzen zwei Ohropax-Stopfen nichts“, sagt er. „Im Zimmer zur Baustelle ist überhaupt kein Aufenthalt möglich.“

Ein Blick aus dem Fenster zeigt warum: Da fahren Lastwagen laut hupend auf und ab, werden Container mit ohrenbetäubendem Kreischen abgesetzt oder Betonbrocken mitten auf dem Platz zertrümmert, dass die Erde bebt. Baumaschinen fahren fiepend hin und her, Stahlträger werden auf dem Vorplatz mit Trennscheiben zertrennt. Weitere Betonbrocken fallen aus vier Metern Höhe mit lautem Getöse in die Stahlcontainer. So stellt es der Anwohner dar. „Alles im direkten Sichtkontakt in 20 Meter Entfernung, wie auf einer Bühne, ‚160 Park View‘ eben.“

Auf Beschwerden würden weder die Baufirma noch die Bauaufsicht der Stadt reagieren. Lärmmessungen der Verantwortlichen würden weit entfernt stattfinden und sich nicht mit den Ergebnissen seiner eigenen Messungen – mit einem geeichten Gerät – in unmittelbarer Nähe decken. „Da kommen nur Mittelwerte heraus, die mit den wirklichen Belastungen am konkreten Wohnort nicht zu vergleichen sind.“ Sein Angebot, eine unabhängige Messung durchzuführen, hätten Projektleitung und Bauaufsicht abgelehnt.

Ärger um Baustelle in Frankfurt-Westend: Bauaufsicht gibt grünes Licht

Für den Bauherrn äußert sich Christian Benzing. Die Baustelle müsse trotz Homeoffice vieler Anwohner weiterlaufen. In Abstimmung mit der Bauaufsicht versuche man alles, um die Anwohner so gut wie möglich vor Lärm und Emissionen zu schützen. So habe man zuletzt weitere Lärmschutzmatten, -vorhänge und -kissen aufgestellt und eine bestehende Lärmschutzwand ausgebaut und erhöht. Besonders lärmintensive Arbeiten erfolgten grundsätzlich zwischen 9 und 12 Uhr, wo möglich werde ein alternatives Schneidverfahren angewendet. Für Anwohner habe man zudem eine Hotline eingerichtet und sei per Mail erreichbar.

Die Bauaufsicht bestätigt den engen Austausch mit der Bauleitung. Laut Markus Radermacher, stellvertretender Leiter, werden „alle Spielregeln eingehalten“. Es gebe regelmäßige Messungen, Protokolle und „ein umfangreiches Bündel an Maßnahmen“. Das reiche von Schallschutzwänden über die Vorgabe, den Lärm nach Norden abzuleiten, bis zu begrenzten Einsatzzeiten für lärmintensive Baumaschinen auf maximal zwei Stunden.

Der Ärger der Anwohner über den Baulärm sei absolut nachvollziehbar, sagt Radermacher. Aber das Empfinden sei bei jedem Anwohner anders. Das zeigt die Reaktion von Michael Tepass. Er wohnt in der Wolfsgangstraße, ist direkter Nachbar der Baustelle. „Natürlich sind die Arbeiten am Hochhaus ‚160 Park View‘ belästigend“, sagt der Rechtsanwalt. „Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die am Bau beteiligten Verantwortlichen das Gespräch mit den Nachbarn und Anwohnern suchen und Anregungen aufnehmen.“

Viel wichtiger sei aus seiner Sicht, dass nun ein Wohn- und Hotelhochhaus entstünde, das die Nachbarschaft insgesamt bereichern werde. „Die Alternative – ein leerstehendes, ungepflegtes Bürohochhaus – wäre eine Katastrophe gewesen.“

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, reicht es auch mit Essen bestellen, Homeoffice und dem affigen Digitalgehabe. Unsere Kolumne aus der sozialen Isolation.

Rubriklistenbild: © Renate Hoyer

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