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Historiker Norbert Saßmannshausen hat viel Material über Bockenheim und das Westend gesammelt.  

Westend

Frankfurt-Westend: Häuserkampf auf Stellwänden

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Norbert Saßmannshausen möchte die revolutionären 70er in einer Ausstellung zeigen. Die legendäre Phase der Stadtgeschichte sei noch reichlich unerforscht, findet der Historiker.

Die Revolution feiert kommendes Jahr ihren 50. Geburtstag. Im September 1970 haben erzürnte Aufrührer im Westend den Frankfurter Häuserkampf begonnen. Der Sturm auf die Eppsteiner Straße 47 gilt als erste klassische Hausbesetzung in Frankfurt, die zweite in der Bundesrepublik. Übergriffe aus Protest gegen Grundstücksspekulanten und Mietervertreibung folgten an der Liebigstraße 20 und der Corneliusstraße 24. Studenten und Familien von Gastarbeitern zogen in die Räume ein.

Obschon der Häuserkampf mit seinen Straßenschlachten allenthalben als „legendär“ gilt, ist er erstaunlich unerforscht, findet jedenfalls Historiker Norbert Saßmannshausen. „Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung über den großen Frankfurter Stadtkonflikt.“ Saßmannshausen möchte das ändern. Deswegen hat er sich jetzt an den Ortsbeirat 2 gewandt und um Unterstützung geworben.

Konkret geht es um die Ausstellung „Frankfurter Häuserkampf 1970 -1974“. Zwei Vereine stellen die Schau für Herbst 2020 zusammen, das „Frankfurter Archiv der Revolte“ und das „Institut für Selbstorganisation“. Bei beiden Vereinen ist Saßmannshausen im Vorstand.

„Es gibt sehr viele Zeitzeugen und Interpreten, aber es gibt keine mit einem historischen Abstand geschrieben Publikation“, sagt der Historiker. In ihrer Schau wollen die Organisatoren Dokumente zum Wohnungs- und Häuserkampf zeigen, Flugblätter, Plakate, Mietverträge, Räumungsklagen, Zeitungen, Filme, TV-Beiträge, Fotos –und aktuelle Zeitzeugeninterviews mit Hausbesetzern und Politikern aus der Zeit. „Sehr viel Material“ hat Saßmannshausen schon zusammen, doch die Zeit dränge, die bisher noch nicht gesammelten Dokumente, Berichte, Fotos für die Zukunft zu sichern.

Die Themen der frühen 70er sind immer noch aktuell, findet Saßmannshausen: Wohnungsnot, steigende Mieten in den Städten, die Debatte um die Gestaltungsmöglichkeiten der Städte und der Politik gegenüber der internationalisierten Immobilienwirtschaft. All das ist noch immer virulent, manifestiert in den Fragen „Wem gehört die Stadt?“ und „Wie stellen wir uns die Städte der Zukunft vor?“ Kooperieren möchte der Historiker mit dem Historischen Museum. Finanzieren wollen die Vereine die Schau aus Eigenmitteln, Spenden, einem Zuschuss des Kulturamts und Förderung durch die Polytechnische Gesellschaft. Der Besuch im Ortsbeirat 2 ist auch nicht vergebens gewesen. Das Gremium beteiligt sich mit 2500 Euro an der Schau.

www.archiv-der-revolte.de,www.institut-iso.de

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