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Hier geschah der Mord: Kettenhofweg/Ecke Niedenau.
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Hier geschah der Mord: Kettenhofweg/Ecke Niedenau.

Rechtsterrorismus

Gedenken in Frankfurt: „Die Erinnerung mit Leben füllen“

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Im Februar 1992 wurde die Holocaust-Überlebende Blanka Zmigrod in Frankfurt von einem Neonazi ermordet. Der Frankfurter Ruben Gerczikow erinnert mit einer Kundgebung an ihr Schicksal.

Sie wurde 68 Jahre alt. Vor 29 Jahren, am 23. Februar 1992, wurde die Holocaustüberlebende Blanka Zmigrod an der Ecke Kettenhofweg/Niedenau von einem schwedischen Neonazi erschossen. Zmigrod, die 1924 in Oberschlesien als Jüdin geboren worden war, hatte mehrere Konzentrationslager überlebt, war 1945 nach Israel emigriert und lebte seit 1960 in Frankfurt. Hier arbeitete sie als Garderobenfrau. Der Mord wurde erst 2018 aufgeklärt, als der Neonazi John Ausonius in Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Der Frankfurter Ruben Gerczikow veranstaltet am Dienstag um 18 Uhr eine Gedenkkundgebung direkt am Tatort.

Herr Gerczikow, Sie organisieren am Dienstag eine Kundgebung im Gedenken an Blanka Zmigrod. Warum?

Ich mache das, weil ich die Erinnerung an Blanka Zmigrod mit Leben und den Ort, an dem sie ermordet worden ist, mit Menschen füllen möchte. Wir wollen gemeinsam am Tatort dieser Frankfurter Bürgerin gedenken.

Sie haben auch eine Petition initiiert, um zu erreichen, dass eine Gedenktafel für Frau Zmigrod aufgehängt wird. Wieso ist Ihnen dieser Fall ein solches Anliegen?

Das hat mit meiner persönlichen Lebensgeschichte als Nachfahre von Shoahüberlebenden zu tun, aber auch damit, dass ich mich sehr stark mit Rechtsextremismus und rechtem Terror auseinandersetze und bei dem Anschlag auf die Synagoge von Halle viele Freundinnen und Freunde von mir betroffen waren. Dadurch habe ich gemerkt, wie wichtig Solidarität mit den Betroffenen von rechter Gewalt ist. Blanka Zmigrod ist diese Aufmerksamkeit in den letzten 29 Jahren überhaupt nicht zuteil geworden. Die ganze öffentliche Aufmerksamkeit wurde dem Täter zugestanden.

Ihre Petition ist von Tausenden Menschen unterzeichnet worden, auch Oberbürgermeister Peter Feldmann hat sich Ihre Idee zu eigen gemacht. Wie erklären Sie sich, dass es vor Ihrer Initiative überhaupt kein offizielles Gedenken an Blanka Zmigrod gab?

Es gab 2018 bereits eine Initiative, die den Kettenhofweg symbolisch in Blanka-Zmigrod-Weg umbenannt hat. Es gab also schon etwas, wurde aber wohl nicht kontinuierlich weiterverfolgt. Dass es bisher so wenig Gedenken gab, liegt wohl daran, dass das Schicksal von Blanka Zmigrod sehr wenig bekannt war und es in der Zwischenzeit viele weitere rechtsterroristische Anschläge und Morde gegeben hat. Die Brandanschläge in Rostock-Lichtenhagen und Mölln waren ja auch 1992, zuletzt hat sich der NSU selbst enttarnt und es gab den Mord an Walter Lübcke und die Anschläge in Halle und Hanau. Über den Mord an Blanka Zmigrod ist einfach nie so breit berichtet worden.

Zur person

Ruben Gerczikow (24) kommt aus Frankfurt, hat in Wien Publizistik studiert und arbeitet für einen Bundestagsabgeordneten. Er ist Vizepräsident der European Union of Jewish Students (EUJS) und engagiert sich im jüdischen Medienprojekt „Laumer Lounge“.

Sie sehen den Mord an Frau Zmigrod also in dieser Kontinuität rechten Terrors?

Es ist bis heute nicht geklärt, ob der Täter sie aus rassistischen oder antisemitischen Motiven ermordet hat. Deswegen bin ich da sehr vorsichtig. Aber er hat sich vor Gericht sehr erfreut darüber gezeigt, dass Zmigrod jüdisch war. Abgesehen davon gilt der Täter als Vorbild für den NSU und den Attentäter von Oslo und Utøya, er wird auch in den Manifesten des Neonazinetzwerks „Blood and Honour“ erwähnt. Seine Person und dieser Mord können daher durchaus in dieser Kontinuität gesehen werden.

Was genau ist denn am Dienstag geplant?

Es wird Redebeiträge geben, unter anderem von Marc Grünbaum vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde und von mir. Die beiden Rabbiner der Gemeinde werden ein Totengebet sprechen. Und es wird Grußworte von der linken Bundestagsabgeordneten Martina Renner geben, die sich seit vielen Jahren mit Blanka Zmigrod beschäftigt und auch den Prozess beobachtet hat, und von Rebecca Blady, die den Anschlag in Halle überlebt hat.

Können Sie einschätzen, wie viele Leute kommen werden?

Ich habe die Kundgebung für 100 Personen angemeldet, kann aber nicht wirklich einschätzen, wie viele teilnehmen werden. Ich kann auch verstehen, wenn man aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht an einer Kundgebung teilnehmen möchte. Aber ich hoffe natürlich trotzdem, dass viele kommen.

Interview: Hanning Voigts

Ruben Gerczikow setzt sich für das Gedenken an Blanka Zmigrod ein.

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