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Auch in der Spohrstraße 62 im Nordend haben Mieter:innen des umstrittenen Wohnungsunternehmens WPS Angst vor Verdrängung. Foto: Renate Hoyer
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Auch in der Spohrstraße 62 im Nordend haben Mieter:innen des umstrittenen Wohnungsunternehmens WPS Angst vor Verdrängung.

Westend

Frankfurt Westend: Ärger mit Vermieter - Plötzlich sind die Mülltonnen weg

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Mieterinnen und Mieter in der Hansaallee 3 kritisieren das Vorgehen des umstrittenen Investors WPS. Der Bauaufsicht sind viele baurechtliche Verstöße des Unternehmens bekannt.

  • In der Hansaallee in Frankfurt fehlen auf einem Mülltonnen.
  • WPS nennt Abholung der Mülltonnen in der Hansaallee einen Fehler.
  • Wegen eines Verstoßes gegen die Abfallsatzung wird ein Bußgeld geprüft.

Frankfurt am Main - Als Klaus Bratt (Name geändert) jüngst aus dem Fenster schaute, musste er staunen. Mitarbeiter der FES luden alle Abfallbehälter des Hauses in der Hansaallee 3 auf einen Kleinlaster. Erst dachte der Mieter, die Tonnen würden gereinigt oder ausgetauscht. Als sie aber nach drei Tagen immer noch fehlten, fragte der Westendler nach. Der Müllentsorger teilte ihm mit, sie im Auftrag des Eigentümers, der Frankfurter Westend Projekt- und Steuerungsmanagement GmbH (WPS), abgeholt zu haben. Das Haus werde modernisiert und stehe leer, habe diese mitgeteilt.

Hansaallee in Frankfurt: Plötzlich sind die Mülltonnen weg

Es ist nicht die erste Aktion, die die Mieter:innen in der Hansaallee 3 umtreibt. Vor etwa einem Jahr hat das Wohnungsunternehmen das Haus gekauft. Zehn der 14 Parteien seien inzwischen ausgezogen, sagt Bratt, die verbliebenen befürchteten, verdrängt zu werden. Ähnliche Sorgen haben Mieter:innen aus acht Immobilien der WPS mit insgesamt 80 Wohneinheiten. Sie haben bei der städtischen Stabsstelle Mieterschutz um Hilfe gebeten; diese sagt, die WPS gehe stets nach einem ähnlichen Prinzip vor. Vor einem Monat hatte die Stadt im Oeder Weg ihr Vorkaufsrecht ausgeübt, um Mieter:innen vor Verdrängung durch die WPS zu schützen.

Auch in der Hansaallee habe die WPS gleich zu Anfang mitgeteilt, umfangreich modernisieren zu wollen, sagt Bratt. Einen Aufzug habe sie ebenfalls angekündigt. Dafür müsste das Treppenhaus weichen. „Wir sollten drei Monate lang über ein Gerüst in unsere Wohnungen.“ Umgesetzt wurde das Projekt bislang nicht. Dafür lasse die WPS Wohnungen, die leer werden, kernsanieren. Selbsttragende Wände würden herausgerissen, sagt Bratt. Er habe Angst, dass Teile des Hauses einstürzen. Inzwischen ruhen die Arbeiten. Die Bauaufsicht habe einen Baustopp erlassen, sagt Amtsleiterin Simone Zapke. Da es sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren handele, könne sie keine Details nennen.

Frankfurt: Bauaufsicht ist auch bei anderen Häusern der WPS aktiv geworden

Es ist nicht das einzige Haus der WPS, in dem die Bauaufsicht aktiv geworden ist. Auf eine Anfrage des SPD-Stadtverordneten Sieghard Pawlik hin teilt der Magistrat jetzt mit, „wiederholt bei baurechtlichen Verstößen der WPS eingeschritten“ zu sein. Etwa bei der Errichtung baulicher Anlagen ohne Genehmigungen, bei abweichenden Ausführungen, bei fehlenden bautechnischen Bescheinigungen sowie beim unsachgemäßen Umgang mit Asbest.

Seit 2012 beschäftige sich die Bauaufsicht mit der Westend Projekt- und Steuerungsmanagement GmbH und anderen Gesellschaften unter gleicher Geschäftsführung, teilt der Magistrat mit. Bekannt seien insgesamt acht Firmen. Die Bauaufsicht habe zahlreiche Ordnungswidrigkeiten geahndet – insgesamt 120 000 Euro. Zudem habe die Kommune jährlich mehrere Maßnahmen wie Baueinstellungen verfügt und im Rahmen von Verwaltungsverfahren wieder baurechtmäßige Zustände hergestellt.

Ende Januar etwa hatte das Frankfurter Verwaltungsgericht Forderungen von Mieter:innen eines Hauses der WPS in der Eschersheimer Landstraße 78 bekräftigt. Nachdem die WPS im April 2020 alle Treppenhausfenster entfernte, bevor die neuen geliefert waren, habe es bis Februar 2021 gedauert, bis die WPS die Mängel beseitigt habe.

Frankfurt: WPS nennt Abholung der Mülltonnen in der Hansaallee einen Fehler

Die WPS verweist auf Anfrage zur Hansaallee 3 auf ihre bisherige Antworten. In diesen hatte die Firma mitgeteilt, keine Mieter:innen vertreiben zu wollen. Die Modernisierungen seien nötig, um die Gebäude zu erhalten. Sie brächten Einschränkungen, so dass die Wohnungen nicht regulär genutzt werden könnten. Dass an der Hansaallee die Mülltonnen abgeholt wurden, sei ein „Fehler“, der am gleichen Tag korrigiert worden sei. „Wo Menschen arbeiten, entstehen auch Fehler“, schreibt Janina Doll von der WPS.

Dem Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft des Umweltamts, Michael Eickenboom, ist bislang kein vergleichbarer Fall untergekommen. Davon erfahren habe er über die Mieter. Da die Abholung der Tonnen ein Verstoß gegen die Abfallsatzung sei, werde ein Bußgeld geprüft. Etwa eine Woche nach der Abholung habe das Amt neue Tonnen aufstellen lassen. (Boris Schlepper)

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