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Neuer Kiosk am Mitscherlich-Platz: Bürgerinitiative kämpft gegen trostlosen Zustand

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Von: Sabine Schramek, Boris Schlepper

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Christian Seller wechselt sich mit einem Kollegen im neuen Pop-up-Kiosk am Mitscherlich-Platz ab.
Christian Seller wechselt sich mit einem Kollegen im neuen Pop-up-Kiosk am Mitscherlich-Platz ab. © Rüffer

Zwei Jahre lang stand das Wasserhäuschen auf dem Areal an der Fürstenbergerstraße leer. Jetzt ist dort ein Pop-up-Kiosk eingezogen – zum Ärger der Mitscherlich-Platz-Initiative.

Frankfurt – Es kehrt Leben ein am Mitscherlich-Platz an der Ecke Grüneburgweg und Fürstenbergerstraße. Das Wasserhäuschen, das seit zwei Jahren leer stand, hat wieder Bänke und Liegestühle vor der Tür, Musik und Erfrischungen im Angebot. Das Bristol-Hotel im Bahnhofsviertel hat in dem Büdchen neben dem im Bau befindlichen Luxus-Hochhaus „160 Parkview“ das Bristol Pop-up eröffnet.

Seit rund zwei Wochen wechselt sich Christian Seller, der sonst in der Bristol-Bar arbeitet, mit seinem Kollegen Fabian Schmidt ab. Täglich läuft der Verkauf von 15 Uhr bis 22 Uhr, an den Wochenenden ab 12 Uhr. „Die Leute freuen sich, dass das Wasserhäuschen wieder offen hat“, erzählt der 38-Jährige. Ehemalige Stammgäste seien bereits gekommen und hätten nach Kuchen und Glühwein im Winter gefragt. „Wir fangen langsam an und wenn es gut anläuft, wird es bestimmt auch alles geben, was die Leute haben wollen.“ Jetzt gibt es das klassische Kiosk-Sortiment. Zudem kühlt in einer Slush-Maschine Gin-Basilikum Slush, es gibt jede Menge Limonaden, Biere, Wein und Aperol Spritz.

Pop-up-Kiosk in Fürstenbergerstraße in Frankfurt: Hauptsache, Gäste fühlen sich wohl

„Die Studenten vom Campus sind schon happy“, meint Seller. Einige chillen in Liegestühlen, andere stoßen mit Bier an. Kinder gucken rein und entdecken Brause und Lollies. Die Bauarbeiter hätten gefragt, ob er nicht schon morgens aufmachen könne mit Brötchen. Seller hat auch nichts dagegen, wenn sich Leute etwas zu essen mitbringen oder es sich an den Platz aus einem Lokal in der Umgebung liefern lassen. „Hauptsache, sie fühlen sich wohl und haben wieder einen Platz, an dem man gemütlich zusammensitzen kann.“

Die Mitscherlich-Platz-Initiative ist dennoch alles andere als begeistert von der Zwischennutzung, sagt Mitglied Mathis Bromberger. „Das ist äußerst ärgerlich.“ Diese entspreche nicht dem, was sich die Initiative vorstelle, die sich seit 2013 für ein Gedenken an das bekannte Psychoanalytiker-Paar Margarete und Alexander Mitscherlich einsetzt.

Bürgerinitiative fordert: Stadt Frankfurt soll Mitscherlich-Platz zurückkaufen

Nach wie vor fordere die Bürgerinitiative, dass die Stadt den Pachtvertrag für das Grundstück kündigt, auf dem der Kiosk steht, sagt Bromberger. Diesen soll die Stadt von dem Investor, der das benachbarte 160 Parkview errichtet, zurückkaufen und eigenständig verpachten. Und im Zuge dessen den Platz wieder würdig gestalten, der sich nach Ansicht der BI in einem trostlosen Zustand befindet. Eine Forderung, für die sich auch der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) vor mehr als einem Jahr mit einem Antrag ausgesprochen hat.

Die Initiative befürchtet, dass der Bauträger, die HaP Frankfurt GmbH, aus dem Wasserhäuschen eine Art Champagnerlounge macht, sagt Bromberger. Solange es in deren Besitz sei, könne der Mitscherlich-Platz nicht angemessen gestaltet werden. Der Initiative wäre es deshalb sogar lieber, wenn der Kiosk wegkomme, solange er im Eigentum der Baugesellschaft ist. Schließlich solle das Areal zu einem sozialen Ort werden, der für alle ansprechend sei. Ein Treffpunkt, wo auch die Studierenden der nahen Uni etwas zu vernünftigen Preisen kaufen können.

„Mehr als überrascht“ von der Wiedereröffnung des Kiosks ist auch Ortsvorsteher Thomas Gutmann (Grüne). In den vergangenen zwei Jahren sei das Büdchen wegen eines defekten Kanals geschlossen gewesen. Dass dieser nun anscheinend repariert worden sei, sei ihm nicht mitgeteilt worden. Unabhängig davon weist der Stadtteilpolitiker auf den Antrag des Ortsbeirats hin – zu dem das Gremium noch immer keine Antwort der Stadt habe. (Boris Schlepper, Sabine Schramek)

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