Dass im Grüneburgpark Bäume leiden, will die Initiative verhindern. peter Jülich
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Dass im Grüneburgpark Bäume leiden, will die Initiative verhindern. peter Jülich

U-Bahn-Verbindung

Frankfurt: Sorge um Bäume im Grüneburgpark

Die Aktionsgemeinschaft Westend wehrt sich gegen den Bau des U-Bahn-Tunnels unter dem Park hindurch.

Ihr Lieblingsbaum sei eine Platane, die laut einem Schild seit 1844 im Grüneburgpark steht. „Sie ist hundert Jahre älter als ich“, sagt Gunhild Heyn so fasziniert, als hätte sie den Baum in gerade erst entdeckt. Dabei sieht Heyn die Platane oft - immer wenn sie durch den Grüneburgpark spaziert oder joggt.

Neben vielen spielenden Kindern und Müßiggängern, die sich von der Sonne bescheinen ließen, schob sich dort am Mittwochnachmittag eine Gruppe von rund 50 Naturschützern durch den Park neben dem Palmengarten: Die Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) hatte zu der Wanderung „entlang der Trasse, die es unter allen Umständen zu verhindern gilt“ geladen.

Gemeint ist der geplante unterirdische Lückenschluss der U4. Das Aktionsbündnis befürchtet, die Untertunnelung greife so stark in das Grundwasser ein, dass Bäume und Wurzeln in Park und Palmengarten das nicht mitmachten. Hundert Bäume im Park hätten die letzten zwei Sommer nicht überlebt. Wegen des fehlenden Regens.

„Das ist eine Denaturierung von einem intakten biologischen Gelände“, sagt Beate Glinski-Krause. Sie und ihr Mann Eckardt Krause wohnen ganz nah und gehen fast täglich durch die Grünfläche. „Die Studenten können ruhig mal 500 Meter laufen. Das muss nicht sein, dass sie eine extra Haltestelle bekommen“, findet Krause.

Pläne von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sehen die Verlängerung der U4 von Bockenheim nach Ginnheim vor. Eine Variante beinhaltet die unterirdische Haltestelle am Theodor-W.-Adorno-Platz auf dem Campus Westend. „Wir sind für einen Lückenschluss, aber gegen jegliche Tunnellösung“, sagt Bernd Laskus von der AGW. „Wo anders mag das gehen, aber hier ganz offensichtlich nicht, dafür muss man auch kein Gutachten abwarten.“ Stattdessen plädieren die Naturschützer für eine andere Variante, eine oberirdische Linie ohne Uni-Haltestelle mit Rampe in den bestehenden Tunnel, erklärt Hans-Jürgen Hammelmann. Er ist der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft.

Am Rand gehen zwei Männer, einer mit VGF-Umhängetasche, einer mit Brille, und verfolgen die Ansprachen mit kritischem Blick. Einer der beiden ist Frank Nagel (CDU), Erfinder der Campus-Westend-Variante.

Dass die Eschersheimer Landstraße durch den ÖPNV-Ausbau in den Norden entlastet werden muss, darin sind sich der Politiker und die Umweltschützer einig. Das könnten aber alle zur Debatte stehenden Optionen leisten.

Von der oberirdischen Lösung, so Nagel, sei man abgerückt, weil für die Baustelle an anderer Stelle Bäume gefällt werden müssten. Jede Idee könne nur durchgesetzt werden, wenn keine Bäume fallen müssen, sagt er. Prinzipiell sei er für die Uni-Haltestelle. Das Grundwasser müsse natürlich berücksichtigt werden. Ein Gutachten soll Klarheit bringen. Allerdings würde der Tunnel gut 20 Meter unter dem Park verlaufen, so tief reichen die Wurzeln nicht.

„Ursprünglich lag das Grundwasser hier nur einen Meter tief“, zeigt Rudolf Dederer von der AGW und Mitglied der Palmengarten-Gesellschaft auf einem Plan von 1890. Seit vor etwa 100 Jahren in der Gegend Kanäle gebaut worden sind, habe sich das geändert. Seit den 40er Jahren würde der Palmengarten nicht mehr durch Tiefwasserbrunnen, sondern mit Leitungswasser versorgt.

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