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Weg mit Odin: Bürgermeister Uwe Becker greift zum Putzschwamm.
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Weg mit Odin: Bürgermeister Uwe Becker greift zum Putzschwamm.

Rechtsextremismus

Frankfurt: Den Hass wegschrubben

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker und das Entsorgungsunternehmen FES entfernen im Westend medienwirksam rechte Parolen. Die tauchen dort schon seit Jahren verstärkt auf.

Uwe Becker setzt seine Schutzbrille auf, nimmt eine Spraydose in die Hand, versprüht Farblösemittel und greift zum Schwamm. Es ist Freitagmorgen, kurz vor neun Uhr, und Frankfurts Bürgermeister entfernt an einer Ampel an der Mainzer Landstraße eine Schmiererei. „Lieber ein Wolf Odins als ein Lamm Gottes“ lautet die Parole, die irgendein mutmaßlich rechtsradikaler Zeitgenosse mit weißer Farbe auf den Mast gekritzelt hat. Gleich drei Fotografen, die früh am Morgen extra dafür gekommen sind, halten die Szene im Bild fest. Becker schrubbt und schrubbt, dann ist die Parole nicht mehr zu sehen – und der CDU-Politiker zufrieden.

Sicher ist der Termin, den Uwe Becker an diesem Freitag absolviert, auch eine Inszenierung für die Medien. Aber es ist eine mit einem ernsten Hintergrund. Seit Jahren tauchen im Westend, sowohl rund um den Westendplatz als auch in der Nähe der Synagoge, verstärkt rechtsextreme Aufkleber und neonazistische Schmierereien auf. Schon mehrfach hat die Frankfurter Rundschau darüber berichtet, schon mehrfach haben die städtische FES und andere Mitarbeiter:innen der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ Sticker abgekratzt und rechtsradikale Graffiti entfernt. Doch weil immer wieder neue dazukommen, steht an diesem Tag mal wieder eine Anti-Parolen-Aktion an, und diesmal ist Becker, auch Kirchendezernent und Beauftragter des Landes Hessen gegen Antisemitismus, selbst mit dabei.

Er danke ihnen von Herzen, dass sie heute rechtsextreme Botschaften entfernten, sagt Becker zu dem guten Dutzend Mitarbeiter von FES und dem Stadtteilservice „FFMTippTopp“, bevor die sich ans Schrubben und Kratzen machen. Frankfurt sei eine weltoffene und internationale Stadt, sagt Becker, „aber das dürfen halt keine Überschriften bleiben“. Vielmehr gelte es, rechter Hetze überall entgegenzutreten – denn selbst wenn Naziparolen nur gemalt seien, stellten sie einen „Angriff auf die ganze Stadtgesellschaft“ dar.

Generell wünsche er sich auch aus der Zivilgesellschaft mehr Aufmerksamkeit für rechte Hetze im Stadtbild, sagt Becker noch. „Nur an Schmierereien vorbeizugehen, reicht nicht aus, weghören reicht nicht aus.“

Während die Arbeiter in der Westendstraße damit beginnen, Sticker abzukratzen und Parolen abzuwaschen, berichtet FES-Sprecher Stefan Röttele, dass die Probleme im Westend immer dieselben seien. „Es ist wirklich auffällig, dass sich das in diesem Stadtteil abspielt“, sagt er. Oft seien es rechtsextreme Zahlencodes wie 14 oder 18, die an Hauswände und Stromkästen gesprüht würden. Die 14 steht für die „Fourteen Words“, eine übliche Parole US-amerikanischer Rassisten, die 18 für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet, also AH, Adolf Hitler. Teils würden aber auch Sticker mit flüchtlings- und islamfeindlichen Parolen verklebt, sagt Röttele. Es brauche „regelmäßige Einsätze“, um das Problem wenigstens kleinzuhalten.

Neben rechten Schriftzügen verschwinden an diesem Morgen übrigens auch linke Sticker und ein großes, schwarzes A mit einem Kreis darum. Und das steht bekanntermaßen nicht für Faschismus, sondern für Anarchie.

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