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Die Redner der Gedenkveranstaltung im Frankfurter Westend fanden nicht nur tröstende sondern auch kritische Worte.

Nach Terroranschlag

Frankfurt: Appell gegen rechte Hetze

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Bei der Gedenkveranstaltung an Frankfurts größter Synagoge fordern die Redner ein ernsthaftes Umdenken. Es dürfe nicht nur bei Beileidsbekundungen bleiben - man müsse nun handeln.

Rund 900 Menschen haben sich nach Polizeiangaben am Sonntagvormittag an einer Gedenkveranstaltung vor der Synagoge im Frankfurter Westend beteiligt. Sie zeigten sich damit nicht nur solidarisch gegenüber der jüdischen Gemeinde, sondern setzten damit auch ein „Zeichen für Liebe, Verständnis und Offenheit“, wie es Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beschrieb.

Das Frankfurter Stadtoberhaupt sagte, dass der Terroranschlag in Halle viele nicht nur traurig, sondern auch wütend mache – ihn eingeschlossen. Die Tat solle Angst machen. „Doch wir lassen uns von der Angst nicht vergiften.“ Feldmann sagte, er sei stolz und dankbar, dass so viele Menschen zur Gedenkveranstaltung gekommen seien.

Marc Grünbaum vom Vorstand der jüdischen Gemeinde erzählte, dass die Ereignisse von Halle immer noch schwer wiegen würden. Der Zuspruch, der ihn in den vergangenen Tagen erreicht habe, täte aber gut. Er bezeichnete es als Tragödie, dass jüdische Kinder mit Angst und im Angesicht der Gefahr aufwachsen müssten. „Halle war weder der Anfang, noch war es das Ende“, sagte Grünbaum. Die Bedrohung für Juden in Deutschland durch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft sei nie verschwunden gewesen.

Das politische Klima und die zunehmend enttabuisierte Sprache hätten dazu beigetragen. Mit der AfD sei die Hetze in den Parlamenten angekommen. „Schämen Sie sich. Alice Weidel und Alexander Gauland“, sagte Grünbaum. Halle sei jedoch auch eine Schande für die gesamte Politik, die Bildungseinrichtungen und die Polizei. An vielen Stellen werde verharmlost, unterschätzt oder nicht gehandelt.

Die Zahl der Blumen an der Schwelle zur Synagoge wächst weiter. Renate Hoyer

Die Tat in Halle müsse nun der Beginn eines ernsthaften Umdenkens werden. Es müsse beispielsweise in Bildung und Aufklärung investiert werden. Das Leugnen der Schoah müsse ein Ende haben. „Warum zeigen wir nicht allen Jugendlichen und Schülern die authentische Orte der Schoah?“

Phillip Jacks, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds, sprach für das Römerbergbündnis, das ebenfalls zu der Veranstaltung aufgerufen hatte. Er sagte, dass es nicht nur ein Ritual sein dürfe, nun Mitgefühl zu zeigen und Beistand zu versprechen. „Es muss auch gehandelt werden.“ Die Stabilität der Demokratie in Deutschland sei in Gefahr. Der Staat müsse rechte Tendenzen endlich bekämpfen, Bedauern auszudrücken, reiche nicht mehr.

In Marburg hatten am Samstag rund 3000 Menschen gegen Antisemitismus und rechte Gewalt protestiert. Sie beteiligten sich an dem als Trauermarsch angelegten Demonstrationszug in der mittelhessischen Universitätsstadt, wie ein Polizeisprecher am Samstagabend sagte.

„Wir sind erschüttert und verletzt. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und allen, die bedroht sind oder sich bedroht fühlen. Sie sollen, ihr sollt alle wissen: Wir stehen immer an eurer Seite“, sagte Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD).

Monika Bunk von der Jüdischen Gemeinde mahnte: „Lasst das keine einmalige Sache sein! (…) Nehmt die alltäglichen Diskriminierungen, Antisemitismen und Hassworte wahr, die an eure Mitmenschen gerichtet werden.“ Rechte Hetze sei keine freie Meinungsäußerung. (mit dpa)

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