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Diskussion um Ring der Statuen im Rothschildpark

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Von: Boris Schlepper

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Der „Ring der Statuen“ im Rothschildpark, ein Kunstwerk des umstrittenen Bildhauers Georg Kolbe.
Der „Ring der Statuen“ im Rothschildpark, ein Kunstwerk des umstrittenen Bildhauers Georg Kolbe. © christoph boeckheler*

„Totschweigen, Wegschauen, Abräumen“ von Georg Kolbes Kunstwerk sind keine Optionen, sagt die Stadt. Der Ortsbeirat hatte eine Kontextualisierung gefordert, da der Bildhauer eine widersprüchliche Rolle zu Zeiten der Weimarer Republik und des NS-Staats gespielt habe.

Wer durch den Rothschildpark unweit des Opernplatzes läuft, wird unweigerlich den „Ring der Statuen“ sehen: Sieben überlebensgroße Skulpturen, die zusammen mit 14 Basaltsäulen einen Kreis bilden. Es ist eines von fünf Werken in Frankfurt des 1947 verstorbenen Bildhauers Georg Kolbe. Ein Künstler, der nach Ansicht des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) eine widersprüchliche Rolle zu Zeiten der Weimarer Republik und des NS-Staats spielte. Das Gremium fordert deshalb vom Magistrat, dass dieser für Kolbes-Werke Schautafeln errichtet. Einen entsprechenden Antrag der SPD brachte der Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung auf den Weg.

Derzeit gebe es lediglich eine kleine Platte mit einem QR-Code am Fuße des Statuen-Rings, sagt Antragsteller Tim Hoppe. „Das muss man schon sehr wollen, die Informationen abzurufen.“

Wer sich dennoch die Mühe mache lande auf einer Internetseite der Stadt, wo sich die Angaben jedoch auf eine Beschreibung der künstlerischen und technischen Details des Kunstwerks beschränkten, kritisiert der Sozialdemokrat. „Eine historische Einordnung seiner Errichtung und der Rolle des Künstlers zu Zeiten des Nationalsozialismus erfolgt bedauerlicherweise nicht.“

Der Ortsbeirat fordert deshalb eine Schautafel mit der fehlenden Kontextualisierung über die Werke des Künstlers – auch für die jenseits des Ortsbezirks. Auch könne auf den Tafeln die Debatte um die Person Kolbe nachgezeichnet werden, sagt Hoppe. Denn der 1877 in Sachsen geborene Künstler sei eine „zwiespältige Figur“. Aufmerksam darauf sei er vor kurzem bei einer Ausstellung über Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik des Deutschen Historischen Museums in Berlin geworden.

Das Museum habe sich unter anderem Kolbes Ring der Statuen gewidmet und darauf hingewiesen, dass die Verträge für das 1954 errichtete Kunstdenkmal bereits 1941 geschlossen worden seien. Auch sei damals auf eine feierliche Enthüllung verzichtet worden. Unter Umständen deshalb, weil drei der sieben Figuren auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ der Nationalsozialisten in München gezeigt und dort von Adolf Hitler und den NSDAP-Politikern Bernhard Rust und Walther Funk gekauft worden seien. Die Figuren im Rothschildpark seien Nachgüsse.

Eine Website informiert

Der „Ring der Statuen“ gehört nach Aussagen von Jana Kremin vom Kulturdezernat „definitiv zu den diskussionswürdigen Relikten der Frankfurter Denkmalkultur“. Die aus heutiger Sicht „problematischen Aspekte“ des Objekts spreche das Kulturamt jedoch bereits an, etwa über eine Website zur Kunst im öffentlichen Raum. Die dort veröffentlichen Texte und Künstlerbiografien sollen Hintergrundinformationen liefern, die den Kontext ihrer Entstehung erklären.

Das Beispiel Kolbe zeige, wie dringend nötig gerade heute ein differenziertes Urteil ausfallen sollte, sagt Kremin. Der Bildhauer habe lange vor 1933 Weltruhm genossen. Er sei von den Nazis gefördert und nach 1945 in Ost und West verehrt worden. Der Magistrat hat laut Kremin die Bedeutung des Themas über das Einzelbeispiel hinaus erkannt und eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme angestoßen. Sie soll eine fachlich fundierte Grundlage für den politischen Diskurs und Entscheidungen über den Umgang mit entsprechenden Kunstwerken liefern.

Denn diese riefen zu allen Zeiten Kontroversen hervor, sagt Jana Kremin. „Es lohnt sich immer wieder, darüber nachzudenken, welche Bedeutung sie hatten, als sie aufgestellt wurden und was sie uns heute zu sagen haben.“ Totschweigen, Wegschauen oder aus dem Blickfeld räumen seien keine Optionen. Sie spiegelten weder das Geschichtsverständnis noch die Kunstauffassung der Stadt wider. Dabei gelte immer, jeden Einzelfall individuell zu betrachten.

Derzeit befindet sich der „Ring der Statuen“ hinter einem Zaun. Ein Baum in der Nähe ist nicht mehr standsicher, sagt das Grünflächenamt auf Anfrage. Da dort jedoch Vögel brüten, kann er vorerst nicht gefällt werden. Also habe ihn die Behörde weitläufig abgesichert.

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