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Debatte um Mitscherlich-Platz

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Von: Boris Schlepper

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Der Platz am Grüneburgweg befindet sich in einem würdelosen Zustand, bemängelt die Bürgerinitiative.
Der Platz am Grüneburgweg befindet sich in einem würdelosen Zustand, bemängelt die Bürgerinitiative. © ROLF OESER

Eine Bürgerinitiative und der Ortsbeirat 2 fordern, dass das brachliegende Areal am Grüneburgweg zeitnahe wieder genutzt werden kann. Am Sonntag, dem zehnten Todestag von Margarete Mitscherlich, lädt die Initiative zu einer Gedenkfeier.

Am Sonntag jährt sich der Tod von Margarete Mitscherlich zum zehnten Mal. Ein Tag, um der Psychoanalytikerin zu gedenken, die zusammen mit ihrem Mann Alexander die Stadt Frankfurt zu einem weltweit bedeutenden Zentrum der Psychoanalyse machte. Doch wird die Veranstaltung am Mitscherlich-Platz getrübt. Denn das Areal am Grüneburgweg/Ecke Fürstenbergerstraße befindet sich in einem trostlosen Zustand, wie die Bürgerinitiative, die sich seit 2013 für ein Gedenken an das Paar einsetzt, kritisiert.

Der Platz sei eine „Zumutung“ für derart bedeutende Personen wie die Mitscherlichs, sagt BI-Mitglied Mathis Bromberger, der wie viele seiner Mitstreiter und Mitstreiterinnen bei dem bekannten Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich gelernt hat. Seit Jahren schon liege das Areal brach, da sich die Arbeiten am direkt angrenzenden Hochhaus verzögern. Unter dem Namen „160 Parkview“ wandelt es die HaP Frankfurt GmbH in einen Luxuswohnbau und ein Hotel um. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen werden, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.

Die Hälfte des Platzes, der der Gesellschaft gehört, ist mit Containern und Baumaterialien belegt und werde als Parkplatz missbraucht, so Bromberger. Der Rest sei verwahrlost, viele der Erinnerungstafeln der BI beschädigt. Leer stehe auch der Kiosk, der sich zwar auf städtischen Grund befindet, aber ebenfalls dem Investor gehört.

Gedenktag

Anlässlich des 10. Todestages von Margarete Mitscherlich lädt die Bürgerinitiative für Sonntag, 12. Juni, zu einer kleinen Gedenkfeier auf den Mitscherlich-Platz ein. Eröffnet wird die Veranstaltung um 16 Uhr von Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne). Margaretes Sohn Matthias Mitscherlich und andere Familienmitglieder werden ebenfalls anwesend sein.

Eine Podiumsdiskussion im Anschluss befasst sich mit der Gestaltung des Platzes. Mit dabei sind Architektin Anne Christin Scheiblauer, der ehemalige Frankfurter Baudezernenten Hans-Erhard Haverkampf und der Vorsteher des Ortsbeirats 2, Thomas Gutmann (Grüne). bos

Für die Initiative ist die Situation ein „unhaltbarer Zustand“. Sie fordert, dass das Gelände gemäß ihrer Vorschläge und denen des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) wieder in einen würdigen Zustand zurückversetzt wird. Für Bromberger und die anderen Mitglieder bedeutet das vor allem, dass die „missbrauchten Flächen“ in die öffentliche Nutzung zurückgeführt werden. Und dass der seit langem geschlossene Kiosk von einem engagierten Pächter oder einer engagierten Pächterin übernommen wird, „davon steht und fällt der Platz“.

Die Initiative wolle auf keinen Fall, dass das Wasserhäuschen etwa als Champagner-Halle des künftigen Hotels genutzt wird, sagt Bromberger. „Es soll ein Treffpunkt sein, wo auch die Studierenden der nahen Uni etwas zu vernünftigen Preisen kaufen können.“ Nur das sei im Sinne der verstorbenen Mitscherlichs. Gelinge es nicht, den Platz zeitnah würdevoll zu gestalten, sei es besser, diesen zu entwidmen, sagt Bromberger. „Dann müsste eine neue Fläche gefunden werden.“

Der Ortsbeirat 2 hatte sich in seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, wenigstens eine „provisorische Nutzung“ des Kiosk in den Sommermonaten zu ermöglichen. Dafür soll der Magistrat mit der HaP Frankfurt Gespräche aufnehmen, heißt es in dem Antrag der CDU. Denkbar ist für das Stadtteilgremium, dass das Wasserhäuschen durch das Frankfurter Inklusionsunternehmen Kombinat betrieben wird. Zudem erinnern die Stadtteilpolitiker:innen daran, dass sie die Stadt schon im vergangenen Sommer aufgefordert hatten, den bis 2024 laufenden Mietvertrag für das Grundstück zu kündigen, auf dem der Kiosk steht. Das Büdchen soll die Stadt zurückkaufen und selbst verpachten.

Ob es dazu kommt, ist offen. Derzeit suche das Amt für Bau und immobilen gemeinsam mit dem Grünflächenamt und dem Amt für Straßenbau und Erschließung nach einer Lösung für den Mitscherlich-Platz, „die den Kiosk mit einer attraktiven Nutzung einbezieht“, teilt Markus Radermacher vom Immobiliendezernat auf Anfrage mit. Dabei müssten allerdings die bestehenden vertraglichen Regelungen mit dem derzeitigen Pächter berücksichtigt werden, „so dass kurzfristige Verbesserungen nur einvernehmlich möglich sind“. Das Dezernat sei jedoch zuversichtlich, dass spätestens mit dem Abschluss des benachbarten Bauprojekts und der Herstellung des Platzes dieses Einvernehmen hergestellt werden kann.

Margarete Mitscherlich 2010. Die Psychoanalytikerin starb am 12. Juni 2012.
Margarete Mitscherlich 2010. Die Psychoanalytikerin starb am 12. Juni 2012. © Alex Kraus

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