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Eintracht-Präsident Peter Fischer hält eine flammende Ansprache und schreibt Autogramme. 

Frankfurt-Westend

Im Westend ist kein Platz für Hass

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Das Lessing-Gymnasium tritt dem Netzwerk „Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“ bei. Pate ist Peter Fischer. Der Eintracht-Präsident fordert breite Schultern im Kampf gegen Diskriminierung ein.

Idris aus der 6a traut sich was. Gefasst steht er auf der Bühne der proppevollen Aula des Lessing-Gymnasiums und berichtet von seinen Erfahrungen mit Rassismus. Wie er angekommen ist und kein Deutsch konnte und nicht mitspielen durfte, weil er die Regeln nicht kannte. Wie er sich herangekämpft hat und gelernt hat, die Regeln, die Sprache, sogar Grammatik, aber immer noch ausgelacht wurde. Wie er nicht aufgegeben, sondern die Schule gewechselt hat.

Die Pointe der Geschichte, ihr stärkster Moment, ist nonverbal. Idris trottet zufrieden von dannen, seine Mitschüler klatschen ihn ab. Ein Geste aus dem Sport, die den Teamgedanken symbolisiert. Die auch zeigt, dass Diskriminierung und Rassismus keinen Platz am Lessing-Gymnasium haben. Immerhin ist das seit gestern offiziell Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“.

Namensgeber Gotthold Ephraim Lessing wäre sicher stolz. Der habe in seinen Schriften und Theaterstücken grundsätzliche Gedanken für das Miteinander formuliert, sagt Schulleiter Bernhard Mieles. Etwa, dass man sich seinen Mitmenschen gegenüber tolerant und respektvoll verhalten sollte, egal wie sie aussehen, was sie denken oder glauben. 88,4 Prozent der Schulgemeinde haben sich für den Beitritt ins Netzwerk ausgesprochen, ein starkes Signal. Und durchaus passend als offizieller Auftakt ins Jubiläumsjahr. Das Lessing feiert dieser Tage 500. Geburtstag.

Zurück zum Sport: Mieles erinnert sich an 1991/92, als Übergriffe gegen fremdländisch wirkende Menschen in der BRD sprunghaft zugenommen hätten. Fans der Frankfurter Eintracht riefen die Aktion „United Colors of Bembeltown“ ins Leben. Der Kern ist ein lustiges Bild mit Adler, der rosa-, dunkelhäutige und schnauzbärtige Figuren umarmt.

Mieles hat es sich verkniffen, sein altes, ausgewaschenes T-Shirt zum Festakt zu tragen, aber im Herzen führt er es immer bei sich. Das tut auch Peter Fischer, der Eintracht-Präsident. Der hat sofort zugesagt, Pate der Schule im Netzwerk zu werden.

Fischer sieht eine gewisse Tradition im Haus. Lessingschüler waren beim Attentat gegen Hitler beteiligt, Lessingschüler haben ihre Mitschüler gegen Nazis verteidigt. „Mit Friede, Freude, Eierkuchen alleine ist es nicht getan“, sagt der Präses. Wer sich engagieren möchte, brauche breite Schultern. Dafür stelle er sine Prominenz gerne zur Verfügung. Er wolle Teil sein der Anstrengungen der Schule, sie soll ihn für Projekte und Aktionen einplanen. „Egal ob wir dabei Steine werfen oder ein Bild malen“, feixt er provokant.

Die Fünftklässler in der zweiten und dritten Sitzreihe sind zu allem entschlossen, wild geschminkt noch dazu. Gleich werden sie Fabeln von Lessing auf der Bühne aufführen. „Wir wollen uns gegen alle Formen der Diskriminierung einsetzten“, sagt ein Mädchen treuherzig.

Passend dazu tragen sie Kostüme aus Plastiktüten und nutzen ein Bühnenbild aus Plastik. Denn auch dazu gehört inzwischen Courage, sich gegen den Klimawandel einzusetzen. Seit 1824 ist bekannt, dass der menschengemacht sei, führt eine Dichterin aus der achten Klasse im Bühnenprogramm aus. „Was hätten wir für einen Vorsprung herausarbeiten können in der Zeit!“

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