Kommentar

Werdet wieder zu Kaffeegenießern

Ein klares Statement von der Klasse 8d an der Carl-Schurz-Schule zu unserer schnelllebigen Gesellschaft.

Ja, es gab sie mal – eine Zeit ohne Kaffeewegwerfbecher. Alles begann in den großen Kaffeehäusern Europas. Bis heute gelten sie als Innovationslabor der Aufklärung. Der gemeinsame Kaffeegenuss führte die Menschen zusammen, regte zum Austausch an, und auf diese Weise entwickelte sich die eine oder andere bahnbrechende Erkenntnis in Wissenschaft und Kultur.

Cafés gibt es heute immer noch – viel zahlreicher als damals. Doch eines hat sich entscheidend verändert: Der Kaffee wird nicht mehr da getrunken, wo er auch gebrüht wird. Er wird aus seinem Zubereitungsort entführt und hat einen neuen Begleiter: den Einwegbecher.

In unserer schnelllebigen Gesellschaft hat sich dieser zu einem Alltagsprodukt entwickelt, und das bei einer durchschnittlichen Halbwertszeit von gerade mal elf Minuten. Einwegbecher großer Kaffeekonzerne gelten längst als Lifestyleprodukt und zieren Instagramprofile vieler Celebrities. Beim Bummeln in der Stadt, auf die Schnelle in der knappen Mittagspause – er gehört einfach dazu. Zwar findet sich im Becher zunehmend mehr Fair-trade-Kaffee, doch wen juckt da schon die Verpackung mit Plastikbeschichtung?

In Frankfurt geht man das Problem nun mächtig an. Durch Initiativen der Stadt und der FES sowie cup2gether will man ein stadtweites Pfandsystem auf die Beine stellen, um zum einen den Verpackungsmüll, zum anderen aber auch die Umweltschäden durch das Littering zu reduzieren. Jetzt liegt es an den Bürgerinnen und Bürgern, dieses Angebot auch anzunehmen.

Auch in anderen europäischen Großstädten werden die Kaffeewegwerfbecher angeboten – nur die Nachfrage fehlt. Vielleicht ist es kulturell bedingt, dass sich viele Menschen in Frankreich oder Italien noch wirklich Zeit für den Kaffee nehmen und diesen wirklich als Genussmittel betrachten. In Paris gilt der coffee-to-go als verpönt, in Rom boykottieren zahlreiche Baristi das Füllen in einen Becher. Gerade im Ursprungsland des Espresso folgt das Kaffeetrinken einem festen Regelwerk: Das Tässchen muss auf 40 Grad vorgewärmt sein, und ein Glas Wasser gibt es gratis dazu.

Das Parlament der Europäischen Union hat kürzlich beschlossen, einige Wegwerfprodukte aus Plastik zu verbieten. Ein wichtiger Schritt, doch der herkömmliche Kaffeebecher geriet im Gegensatz zu anderen Einwegverpackungen nicht ins Visier der EU, lediglich Becher aus geschäumtem Kunststoff, die in Deutschland ohnehin viel seltener verwendet werden. Am Ende entscheidet der Konsument ganz alleine. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass wir wieder miteinander sprechen und uns Zeit nehmen zu verweilen. Warum nicht bei einer Tasse Kaffee?

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