Mit Plakaten wird für die Demo in Frankfurt geworben.
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Mit Plakaten wird für die Demo in Frankfurt geworben.

Demo in Frankfurt

Werben für das Konzept Antifa

  • Danijel Majic
    vonDanijel Majic
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Mehr als 500 Autonome wollen am Samstag in Frankfurt protestieren. Die Polizei hofft auf einen friedlichen Verlauf der Demonstration.

Die drei jungen Männer legen Wert darauf, in erster Linie für sich selbst zu sprechen oder bestenfalls für eine kleinere Gruppe, keinesfalls für die ganze Plattform. „Wir sind kein Antifa-ZK“, betont Stefan. Malik und Andreas nicken zustimmend. Keiner der drei benutzt im Gespräch mit der FR seinen richtigen Namen – ein übliches Vorgehen, wenn sich Mitglieder der linken Szene in den Medien äußern. Die Namen sind nicht wichtig. Wichtig ist die Botschaft und der Zusammenhang für den sie sprechen: Antifa United.

Der Name legt ein Bündnis verschiedener linker bis linksradikaler Gruppen nahe. Die Organisatoren aber sprechen lieber von einer Aktionsplattform. Einer losen Struktur, die dazu genutzt werden soll, antifaschistischen Protest zu organisieren. Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie das aussehen könnte, soll der heutige Samstag liefern. Dann wollen mehrere Hundert Autonome unter dem Motto „Make Racists Afraid Again“ ab 16 Uhr durch Sachsenhausen und die Innenstadt demonstrieren.

Das Demo-Motto ist zum Fürchten, zumindest für diejenigen, die sich nach Ansicht von Teilnehmern und Organisatoren angesprochen fühlen sollten: „Macht, dass Rassisten wieder Angst haben!“ Stefan spricht davon, „das Konzept Antifa“ zu fördern: Rassistische Akteure benennen, wo nötig aus der Deckung holen und markieren. Und im Zweifel auch gegen sie vorgehen. In einem der Demoaufrufe ist von Angriffen die Rede. Ob damit physische Gewalt gemeint ist, lässt der Text offen.

Den militanten Widerstand gegen Rechtsextremisten hat die radikale Linke in Frankfurt immer wieder geprobt. Bei größeren Nazi-Aufmärschen, wie zuletzt beim Widerstand Ost-West Juni 2015. Bei den Protesten gegen die diversen Pegida-Ableger, die monatelang die Hauptwache in Beschlag nahmen. Und auch bei Aktionen gegen Veranstaltungen der Alternative für Deutschland (AfD) in Frankfurt. Jahrelang schien Frankfurt für rechte Gruppen aller Art ein schlechtes Pflaster zu sein. „Doch die Einschläge kommen näher“, sagt Stefan vielsagend.

Die drei jungen Männer der Antifa-United haben zum Gespräch ins Flüchtlingscafé von Project Shelter geladen. Schwarze Schlieren überziehen die mit Postern verzierte Wand. Im Dezember war das selbstverwaltete Café Zielscheibe eines Angriffs. Eine Scheibe wurde eingeschlagen und im ganzen Raum Bitumen, eine zähflüssige, pechartige Flüssigkeit verteilt. Bekannt hat sich eine „Fragida Armee Fraktion“, von der weiterhin unklar ist, ob sie als Gruppe wirklich existiert.

Doch in der Frankfurter Linken wächst nicht erst seit diesem Anschlag das Gefühl, dass sich Rechtsextremisten im Rhein-Main-Gebiet wieder mehr trauen. Vom Rest des Landes ganz zu schweigen. „Es gibt eine Zeitrechnung vor und nach Heidenau und Bautzen“, sagt Malik in Anspielung auf die flüchtlingsfeindlichen Ausschreitungen in beiden Städten.
Nach Heidenau und Bautzen, müsste die Autonome Szene aus ihrer Komfort-Zone kommen, glaubt Andreas. „Außerdem gibt es nun eine andere Generation an Antifaschistinnen, die sich bislang nicht mit diesem Phänomen auseinandersetzen musste.“

Was Antifa United unter Auseinandersetzung versteht, bekam der politische Gegner im letzten Monat bereits zu spüren. In Wiesbaden wurden Wohnhäuser führender AfD-Lokalpolitiker mit Graffitis markiert. In Frankfurt wurden zwei Stadtverordnete der Bürger für Frankfurt durch Flugblätter in ihrem Wohnumfeld geoutet. Ebenso klassische wie umstrittene Aktionsformen der Antifa. In den verschiedenen Demoaufrufen ist derweil auch von Angriffen auf rechte Institutionen die Rede.

Möglicherweise wird die heutige Demonstration darüber Auskunft geben. Die Demonstrationsroute führt unter anderem am Büro der AfD im Wasserweg vorbei. „Es geht bei der Demo nicht darum, Randale vom Zaun zu brechen“, erklärt Stefan. Allerdings würden die Teilnehmer auch nicht akzeptieren, dass ihr Protest durch polizeiliche Maßnahmen unsichtbar gemacht werde – etwa durch eine enge Begleitung im Spalier. „Was wir nicht wollen“, betont Andreas, „dass wir von der Polizei von Anfang an kriminalisiert werden.“

Im Frankfurter Polizeipräsidium gibt man sich derzeit betont sachlich. „Wir hoffen auf einen friedlichen Verlauf“, sagt Pressesprecher Andrew McCormack. Man stelle sich aber auf „versammlungstypische Straftaten“ ein wie Verstöße gegen das Vermummungsverbot, Abbrennen von Pyrotechnik und ähnliches. „Unsere Strategie ist eine kommunikative“, sagt McCormack weiter. Ob die vermutlich mehr als 500 Demonstranten darauf eingehen, wird sich zeigen. Begleitet werden sie von einer ebenfalls dreistelligen Anzahl an Beamten.

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