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Früh übt sich: Szene aus der Kinder-Uni.

Kinder-Uni

Wenn Professoren in Frankfurt ein Molekül tanzen ...

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... dann ist wieder Kinder-Uni. Kommende Woche stürmen Tausende Schülerinnen und Schüler den Campus. Gut möglich, dass sie ein Fabeltier treffen.

Liebe Kinder, hier schon mal ein Überblick, was man alles in der Goethe-Universität erleben kann: eine Riesenassel, fast einen halben Meter lang, ein Einhorn im Museum, Wissenschaftler, die ein Molekül tanzen. Zu lernen gibt’s aber sicher auch wieder jede Menge bei der 17. Ausgabe der Frankfurter Kinder-Uni in der kommenden Woche.

„Ein Studium denkbarer machen“: Mit dieser schönen Formulierung erklärt Anke Sauter, gemeinsam mit Anne Hardy an der Organisationsspitze, das Anliegen hinter der 2002 gegründeten Uniwoche für Kinder. Eine Gelegenheit, sich mal unter die Studierenden zu mischen, die Atmosphäre zu schnuppern. „Kinder haben großen Wissensdurst und wenig Angst, sich zu blamieren – das greifen wir mit dem Angebot bewusst auf.“

Uni-Kinderwoche
Den Klimastreik am 20. September begleitet die Kinder-Uni mit einem Infostand. Die Woche thematisch:

Dienstag, 17. September: Abgetaucht: Gibt es Leben auf dem Meeresboden?

Mittwoch: Als die Bilder laufen lernten: Von den Anfängen des Kinos.

Donnerstag: Was macht ein Einhorn im Museum? Jüdische Geschichte in Frankfurt. Freitag: Wer stellt eigentlich Antibiotika her? Bakterien haben die kleinsten Fabriken der Welt.

Die Vormittage sind ausgebucht, nachmittags (16 Uhr) sind Acht- bis Zwölfjährige in Begleitung Erwachsener eingeladen. Die FR begleitet die Vorlesungen täglich mit einem Quiz.

www.kinderuni.uni-frankfurt.de.

Riesiges Interesse gibt es diesmal an der Auftaktvorlesung der Senckenberg-Meeresforscherin Angelika Brandt. Vom Leben auf dem Meeresboden, von seltsamen Geschöpfen in der Tiefsee wird sie am Dienstag, 17. September, erzählen. Um zu verdeutlichen, was da so zu erwarten ist, hat sie zum Pressegespräch vorab eine monströse Riesentiefseeassel mitgebracht – als Kuscheltier. „Wir wissen weniger über die Tiefsee als über den Mond“, sagt sie und hat ein Ziel für die Kinder-Uni: „Ganz viele Tiefseebiologen rekrutieren.“ Kollegin Mirjam Wenzel, die Direktorin des Jüdischen Museums, reist zwei Tage später für ihr junges Auditorium in der Zeit: durch die jüdische Geschichte Frankfurts. Ein Thema wird das Essen sein – koscher, aber auch halal –, ein anderes, was ein Einhorn im Museum macht. Kein Thema wird die Shoah sein, der Völkermord an den Juden im Nationalsozialismus. „Wir haben 800 Jahre jüdische Geschichte in Frankfurt“, sagt Mirjam Wenzel, „es ist nicht nötig, sie immer auf diese Zeit zu reduzieren.“ Biologie und Chemie sind zum Abschluss der Uni-Woche an der Reihe. Dann werden Martin Grininger und Helge Bode erörtern, wer Antibiotika erfunden hat (Spolier: Mikroorganismen), und zumindest versuchen, in einer Art Tanz ein Molekül herzustellen, so ähnlich wie in einer Produktionsstraße der Autofabriken. Zwischendurch gibt es noch einen Ausflug zurück zu den Anfängen des Kinos. Für die Professoren sei die Kinder-Uni eine besondere Herausforderung, sagt Uni-Vizepräsident Manfred Schubert-Zsilavecz. Für die Kinder aber auch. Sie erlebten „einen Ort, an dem Menschen sich der Forschung verschrieben haben, das geht über in Fleisch und Blut“. Victoria Dintelmann hat es vor zehn Jahren erlebt. Da kam sie als Viertklässlerin in die Kinder-Uni (Vorlesung „Macht Sport schlau?“). Sie war so beeindruckt, dass sie darüber sechs Seiten für die Schülerzeitung schrieb – und inzwischen studiert sie Jura. Gute Nachbereitung des Termins in der Schulklasse sei das A und O, rät sie den Lehrenden.

Wie in jedem Jahr schaffen es nicht alle Bewerber in den Audimax – 260 Klassen erhielten diesmal eine Absage. Die Zahl der Vorlesungen auszuweiten, sei aber personell nicht zu leisten, sagt Anne Hardy. Sie rät, die Übertragungen im Internet zu nutzen, die es von jeder Vorlesung gibt. Oder nachmittags zu kommen, da sei oft noch genug Platz.

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