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Wildpinkler und Hunde erleichtern sich gern im schicken Ambiente der neuen Altstadt.

Bedürfnis

Wildpinkler in der neuen Altstadt in Frankfurt

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„Wildpinkler“ werden in der neuen Altstadt zum Problem.

Es ist eine Geschichte, bei der dem Team von der städtischen Dom Römer GmbH gar nicht zum Lachen zumute ist. Die neue Altstadt zwischen Dom und Römer, Ziel von Hunderttausenden von Besuchern, leidet zunehmend unter einem Phänomen, das mit dem schönen Wort „Wildpinkeln“ umschrieben wird.

Es handelt sich dabei um Männer, die am helllichten Tag jede Contenance verlieren. Regina Fehler dagegen, erfahrene Juristin und seit Jahrzehnten bei der Stadt in Führungspositionen, ist eine Frau von vornehmer Zurückhaltung. Und deshalb spricht die 62-jährige Geschäftsführerin der Dom Römer Gesellschaft auch nur indirekt von … „Ja, wir haben solche Spuren“, bestätigt die frühere langjährige Leiterin des städtischen Hauptamtes.

Und zwar jede Menge und an etlichen Häusern der Altstadt. Seltsamerweise sind es „vor allem Ecksteine“, die betroffen sind, also etwa am Hühnermarkt im Zentrum des neuen Viertels. Fehler seufzt, was nicht allein der Hitze geschuldet sein mag. Nicht nur Männer seien die Verursacher, fügt sie dann noch hinzu, „auch Hunde“. Nun, das ist ja häufig so, dass das Verhalten der neurotischen Herrchen auf die unschuldigen Vierbeiner abfärbt.

Die Stadt Mainz ist längst einen Schritt weiter. Sie hat bereits 2018 damit begonnen, ihre historischen Gebäude mit einem Speziallack zu überziehen. Der ist „dermaßen wasserabweisend, dass der Urin regelrecht zurückspritzt“, wie die Frankfurter Rundschau in gewohnter Direktheit berichtet.

Nach Mainzer Vorbild

Die Fraktion der Frankfurter im Römer schlägt jetzt Alarm. Sie hat Ungeheuerliches beobachtet: „Im Säulengang an der Kunsthalle Schirn zerfällt durch das Wildurinieren bereits der Sandstein“. Das kann, das darf nicht sein.

Prompt beantragen die Frankfurter, auch hier in der heimischen Altstadt endlich zurückzuschlagen – mit Hilfe des Mainzer Speziallacks.

Regina Fehler wiederum ist keine städtische Beamtin, die zu übereilten Beschlüssen neigen würde. Sie will jetzt die betroffenen Häuser der Frankfurter Altstadt erst einmal einer gründlichen Reinigung unterziehen lassen.

Was natürlich, wir ahnen es, nichts bringt als ein wenig Zeitgewinn. Schon nähern sich die nächsten Männer – und einige führen ihre Hunde mit sich.

Die Fraktion der Frankfurter wirbt auch mit den vergleichsweise niedrigen Kosten für ihr Anliegen. Für lediglich 25 Euro pro Quadratmeter sei bereits ein Erfolg garantiert. Wobei die Mainzer als findige Landeshauptstädter noch ein Bußgeld obendrauf setzen – wer sich erwischen lässt, ob Mann oder Hund, muss mit 75 Euro Ordnungsgeld rechnen.

Ein so entschlossenes Vorgehen ist für das liberale Frankfurt vermutlich einfach zu hart. Ein erster Vorstoß der Fraktion der Frankfurter wurde von der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen im Januar 2019 abgelehnt. Typisch für Regierende: Sie haben keine Ahnung, wie es wirklich in der (Alt-)Stadt zugeht.

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