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Die „Kidical-Mass-Fahrradtour“ startet am Willy-Brandt-Platz.
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Die „Kidical-Mass-Fahrradtour“ startet am Willy-Brandt-Platz.

Frankfurt

„Park(ing) Day“ in Frankfurt: Wenn die Straße nicht allein Autos gehört

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Beim „Park(ing) Day“ in der Töngesgasse wird zum sechsten Mal demonstriert, dass ein Parkplatz auch für Kunst und Kultur genutzt werden kann

Frankfurt am Main - Als einige Paare am Samstag die Fahrbahn der Töngesgasse zur Tanzfläche machen, wird dann doch schnell gehupt. Beim „Park(ing) Day“ ist zum sechsten Mal zu sehen, wie für einen Tag ein kurzer Abschnitt links und rechts der Fahrbahn umgenutzt wird. Am Straßenrand, wo sonst Autos parken, hat Greenpeace grün-weiße Liegestühle aufgestellt. Vor dem Lastenrad der Stadtbücherei werden Schmetterlinge gebastelt. Am Tisch des Vereins Spielkultur sitzen Leute zusammen und spielen Karten und gegenüber beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) wird an Rädern geschraubt.

Währenddessen sind von der Band „Park-Jammer“ Swingrhythmen zu hören, zu denen vom ersten Takt an getanzt wird. Manche Autofahrende können sich an dieser Stelle ein Lächeln beim Durchfädeln durch die volle Innenstadt nicht verkneifen. So wie ein Paar im schwarzen BMW mit französischem Kennzeichen. Andere drücken sofort auf die Hupe und schauen grimmig aus ihren Karossen.

„Park(ing) Day“ in Frankfurt: Für ein „friedliches Nebeneinander auf der Straße“

„Dieses Mal ist es schon viel friedlicher als letztes Jahr, da gab es etwas mehr Gehupe“, sagt Christine Nickel von der Aktion „12 qm Kultur“ vom Verkehrsclub Deutschland. Zwölf Quadratmeter würden für eine Parklücke benötigt und die könne man auch anders nutzen, etwa „für Kultur und Begegnung“. „Mal was anderes im Vergleich zur Hektik in der Innenstadt“, sagt die 25-jährige Lene Stauß, die mit ihrer Schwester Lotta und vollen Einkaufstüten in den Händen stehengeblieben ist und dem Konzert zuhört.

Nickel, die für ein „friedliches Nebeneinander auf der Straße“ plädiert, hat für diesen Tag drei Bands organisiert, die auf grünem Teppich am Fahrbahnrand spielen. Christian Tack, Sänger der „Park-Jammer“, sagt, „im Standgas ist manch eine Karre lauter als die Band, die gerade spielt, aber ich finde es ganz reizvoll dagegen anzuspielen“. Der 40-jährige Höchster wünscht sich „ein bisschen weniger Autoverkehr und ein bisschen mehr Nutzung des öffentlichen Raums“.

„Park(ing) Day“ in Frankfurt: Applaus den Teilnehmenden der Fahrraddemonstration

Jonathan Rammé vom Spielkultur-Verein Frankfurt würde am liebsten „stehende Autos aus dem Stadtbild verbannen“. Patricia Fritzen, ebenfalls Mitglied des Vereins, sagt, es brauche „mehr Begegnungsräume für Ältere und Jüngere“ und dazu seien wiederum Brettspiele sehr gut geeignet.

Für mehr Raum und damit mehr Sicherheit demonstriert am Samstag auch wieder die „Kidical Mass“, die schon mehrere Male durch Frankfurt gerollt ist. Spontanen Applaus bekommen die rund 250 Teilnehmenden der Fahrraddemonstration, als sie beim „Park(ing) Day“ in der Töngesgasse vorbeistrampeln. Die Jüngsten, die selbst mitradeln, sind vier bis fünf Jahre alt. Noch Jüngere sitzen bei Mama und Papa im Fahrradsitz oder Lastenrad.

In der Töngesgasse findet der „Park(ing) Day“ von 10 bis 17 Uhr statt.

Vom Start am Willy-Brandt-Platz dabei sind die Geschwister Karla und Edgar. „Ich finde es gut, wenn es mehr Fahrräder als Autos mit vielen Abgasen gibt“, sagt die Achtjährige. „Die Luft in der Stadt wird immer schlechter“, sagt ihr elfjähriger Bruder. Während sich der Tross zwischen den Hochhausschluchten der Neuen Mainzer Straße hindurchschlängelt, fügt Vater Jonathan Joerdens hinzu, „ich will, dass die Innenstadt mehr Platz für Fahrräder bietet“.

Weiter über die Bockenheimer Landstraße nähert sich der Tross dem Ziel an der Kiesstraße. In dem an diesem Tag zwischen Jordan- und Robert-Mayer-Straße gesperrten Abschnitt herrscht Straßenfestatmosphäre. Seifenblasen steigen in die Luft. Holzmöbel werden gelb gestrichen. Es gibt eine Art Flohmarkt. Mit Kreide wird auf Asphalt gemalt und durch einen Parcours aus Slalomhütchen kann mit Lauf- und Fahrrad hindurchbalanciert werden. „Spiel- und Nachbarschaftsstraße“ nennt das Anna Erdelmann. Die 62-Jährige von der Initiative „Bockenheim außer Haus“, die sich für eine Sperrung der Straße an Samstagen zwischen Mai und September starkgemacht hat und vor dem städtischen Magistrat gescheitert ist, steht an der „Nachbar“ und lässt sich ein Getränk mixen. (Clemens Dörrenberg)

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