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Zumindest mehr Schnee als auf der dunklen Seite des Mondes. Der Große Feldberg am Dienstag mit teils astronautenähnlich gekleideten Wintersportlern.

Winter

Wenn der Biomüll in der Tonne festfriert

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Immer wieder erstaunlich, was ein richtiger Winter so mit sich bringt – und es bleibt noch eine ganze Weile kalt.

Wir müssen jetzt stark sein: Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Winter. Mit Kälte! Und Schnee! Nicht nur in Bayern! Das ist hart, aber es gibt auch positive Seiten des Frosts, wie sich im Verlaufe dieses Zeitungsberichts herausstellen wird.

Minus 13,6 Grad, die Zahl nennt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst als hessische Tiefsttemperatur, gemessen nachts in Burgwald-Bottendorf, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Darmstadt: minus 11,1. Offenbach: minus 10,4. Flughafen Frankfurt: minus 10,3. Und der wärmste hessische Ort der Nacht war wieder einmal das Frankfurter Westend, Deutschlands Hitzezentrum des vorigen Sommers, diesmal mit minus 6,1 Grad.

Winter. Wir stehen auf Brücken und hypnotisieren die Nidda, sie möge bitte sensationellerweise zufrieren, wie damals, als Onkel Claus draufspazierte und die Nidda plötzlich so: zoing! Da ist er aber gerannt, der Onkel Claus. 1975, oder wann das war. Radfahrer werden zu Superhelden, weil sie bei dieser Kälte und auf glattem Grund noch radeln. Für Autofahrer spitzt sich die Winterreifenfrage dramatisch zu, Windschutzscheiben vereisen von innen. Und gibt es das eigentlich sonstwo noch auf der Welt, wie wir im Sommer brutzeln und im Winter schlottern? Ja, gibt es. In Russland und China wird es schon mal stellenweise im Sommer 40 Grad warm und im Winter 60 Grad kalt. So krass ist es in Island nicht, weswegen man dort in der warmen Jahreszeit durchgängig Flipflops trägt, ob es nun vier Grad hat oder üppige zwölf.

Zurück zu uns. Wir schützen nun unsere Wasserleitungen, sorgen uns um Pflanzen und Tiere. Lumpi geht mit Mäntelchen Gassi, Vögel haben Imbissbuden auf dem Balkon. Passt der Zoo auch gut auf seine Schützlinge auf? Ja, passt er, sagt Sprecherin Christine Kurrle. Der große Weiher ist fast ganz zugefroren, der Wassergraben bei den Löwen nicht, denn der wird wie schon im vorigen Winter mit einer Pumpe eisfrei gehalten. Flitzen die frechen Löwendrillinge sonst übers Eis und aus dem Zoo in die Innenstadt, um dort Angst und Schrecken zu verbreiten oder sich einen Pelzmantel auf der Zeil auszusuchen? „Das weiß ja keiner, ob die überhaupt abhauen wollten, die Löwen“, sagt Christine Kurrle. „Aber wir wollen zumindest die Voraussetzungen schaffen, dass sie es gar nicht können.“

Andere Zootiere, die sonst nachts in ihre Außenanlagen dürfen, müssen nun drinnenbleiben. Den Säbelschnäbler haben die Tierpfleger „eingewintert“, hinter die Kulissen gebracht. Der Vogel aus der Ordnung „Regenpfeiferartige“ sei zwar robust, sagt Sprecherin Kurrle, aber sicher sei sicher. Verständlich. Der Schnäbler ist ja kein Schneepfeiferartiger.

Sicher ist sicher, denken auch die Fachleute im Palmengarten und haben längst die sensiblen Pflanzen eingepackt, allerdings ganz entspannt. „Es ist jetzt halt mal ein bisschen kälter“, sagt Sebastian Klimek von der Palmengarten-Pressestelle, „aber für uns ist das nicht ungewöhnlich. Wir fangen schon am Ende des Herbstes mit dem Einpacken an.“

Warm einpacken heißt es auch für Bauarbeiter. Stellvertretend sei die IG Bau zitiert, die sich um die Kollegen nördlich von Frankfurt sorgt: „Die 3060 Bauarbeiter im Wetteraukreis haben derzeit einen frostigen Job.“ Die Gewerkschaft rät Maurern und Dachdeckern, sich „warm anzuziehen und den Arbeitsschutz im Winter ernstzunehmen“.

Vor einer Herausforderung steht der Frankfurter Müllentsorger: „Besonders die braunen Biotonnen lassen sich nur schwer vollständig entleeren, weil Bioabfälle am Tonnenboden oder am Tonnenrand festgefroren sind.“ Die FES bittet daher um Mithilfe: „Ideal wäre es, die Tonnen an einem frostsicheren Ort wie Garage oder Keller abzustellen und erst kurz vor der Leerung bereitzustellen.“ Es hilft auch, wenn der Tonnenboden mit Pappe ausgelegt, Speisereste in Zeitungspapier gewickelt werden. Kaffeefilter und Teebeutel gut abtropfen lassen, Abfall locker schichten, nicht zusammendrücken. Dann klappt’s auch mit der Biomüllabfuhr.

Aber wird’s auch mal wieder warm? Nein, sagt Wettermann Friedrich, jedenfalls nicht so bald. Er war es, der am Freitag eine vierwöchige Kälteperiode ankündigte, worauf gewisse Medien, die gern ein Riesending aus allem machen, sofort ein Riesending daraus machten. Stichwort „Russenpeitsche“. Das hält Friedrich für klar überinterpretiert, aber im Prinzip bleibt er bei seiner Prognose, dass es noch eine Weile ziemlich kalt sein wird, unterbrochen nur am kommenden Wochenende von einer Phase mit Niederschlag und etwas milderer Luft.

„Normalerweise lehne ich mich nicht so weit aus dem Fenster“, sagt der Meteorologe, denn: „Vorhersagen von gestern sind ja oft auch Schnee von gestern.“ Und: „Wenn Sie Belege dafür suchen, dass es am Mittwoch in drei Wochen schneit, können Sie auch würfeln.“ Aber diesmal gab es eine Ansage des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage, das so eindeutig wie selten weissagte, dass es in den nächsten vier Wochen überdurchschnittlich kalt wird.

Was im Übrigen kein Beinbruch sein muss, jedenfalls wenn es einem gutgeht und man ein warmes Zuhause hat. „Ich habe es persönlich lieber so – besser trocken-kalt als nass und Matsch“, sagt Andreas Friedrich. Beruflich auch. „Momentan ist es für mich interessant, auch mal Schnee und Kälte in Hessen zu melden. Und nicht immer nur in Bayern.“

Noch einmal zurück in den Zoo: Ruht wegen der Kälte die Baustelle fürs ohnehin verspätete neue Pinguin-Revier? Nur teilweise. Kunstfelsen können die Fachleute zurzeit nicht modellieren. „Aber einige Gewerke sind an der Arbeit“, sagt Kurrle: „Zum Beispiel die Heizungsbauer.“

Zum Schluss der praktische Haushaltstipp: Wer mal sein Gefrierfach abtauen muss, hat jetzt optimale Bedingungen dafür.

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