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Weniger Spenden für Frankfurter Tafel seit Krieg in der Ukraine

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Von: Sandra Busch

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Bei der Essensausgabe der Frankfurter Tafel reichen die Lebensmittel nicht mehr für alle.
Bei der Essensausgabe der Frankfurter Tafel reichen die Lebensmittel nicht mehr für alle. © Renate Hoyer

Seit dem Krieg in der Ukraine sind die Lebensmittelspenden für die Frankfurter Tafel um 80 Prozent eingebrochen. Das Lager der Tafel ist fast leer.

Im Lager der Frankfurter Tafel hat Disponent Norbert Nickel einen Bereich, in dem er für Krisenzeiten vorsorgt, etwa Dosen mit Lebensmitteln lagert, deren Ablauf des Haltbarkeitsdatums noch weit entfernt liegt, und die nicht sofort herausgegeben werden müssen. Doch der Vorrat schrumpft. Es ist Krisenzeit, seit der Krieg in der Ukraine begonnen hat. Die Lebensmittelspenden seien um 80 Prozent zurückgegangen, sagt er. Nickel muss die Vorräte anbrechen. „Wenn nichts passiert, dann haben wir Ostern nur noch leere Paletten.“

Zu einer Spendenaktion für Lebensmittel ruft die Tafel daher für die nächsten beiden Samstage auf. Es kommt ansonsten nicht genug herein, um bedürftige Menschen über die Tafel versorgen zu können. Ein Wagen, der bei seiner Tour zu rund 20 Supermärkten Spenden einsammelt, kommt derzeit mit höchstens 40 Kästen zurück. 100 passen hinein. „Die Lebensmittelkonzerne spenden für die Ukraine“, sagt Nickel. „Diese Spendenbereitschaft ist toll, aber es wird die Armut vor der Haustür vergessen.“

Mehr Leute bei Ausgabe

Schon vor dem Krieg ist die Menge an Lebensmitteln, die Händler:innen abgegeben haben, immer weiter zurückgegangen. Die Märkte würden immer besser planen, sagt Nickel. Zum Abgeben bleibe dann aber immer weniger übrig. Und es werde zudem viel zu viel weggeworfen. „Weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, dürfen wir es nicht bekommen“, sagt Nickel.

Spendenaktion

Zu einer Lebensmittelsammelaktion ruft die Frankfurter Tafel an den Samstagen 12. und 19. März auf. Jeweils zwischen 9 und 14 Uhr können Lebensmittel in der Vilbeler Landstraße 15 in Fechenheim abgegeben werden.

Gebraucht werden vor allem haltbare Lebensmittel wie Mehl, Nudeln, Zucker, Öl, Tütensuppen, Gemüse-, Obst- und Fischkonserven. Alles, was ein Vorratsschrank hergibt. sabu

Die Mülltonnen der Supermärkte würden überquellen, dabei seien die Sachen ja oft noch gut. „Das wird immer schlimmer, da muss grundsätzlich etwas passieren, damit nicht mehr so viel weggeschmissen wird.“

Aber zu diesen Problemen kommt jetzt noch der Krieg in der Ukraine. Der macht sich auch bei der Tafel in Rödelheim bemerkbar.

„Wir haben zum Beispiel sehr viel weniger Molkereiprodukte als vorher“, sagt Dieter Busch von der Rödelheimer Ausgabestelle. In der Regel böten die Märkte Produkte, deren Ablaufdatum sich nähert, in einer Ecke vergünstigt an. Ganz kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums bekomme sie die Tafel.

„Doch die Lebensmittel werden teurer, die Leute greifen im Supermarkt zu den günstigeren Produkten“, sagt Busch. So bleibt nichts mehr übrig für die Tafel. Und die Krux an der Sache: „Wir haben deutlich mehr Leute, die derzeit zur Tafel kommen.“

Seit Tagen telefoniert Nickel herum, versucht Spenden aufzutreiben. „Zehn Stunden am Tag“, sagt er. Aber das Lager lässt sich einfach nicht füllen. Nun kommt die Spendenaktion für Lebensmittel. „Wir wissen wirklich nicht mehr weiter“, sagt Nickel. Es gehe darum, dass Bedürftige etwas zu essen haben. „Wenn die Bevölkerung uns nicht hilft, dann weiß ich nicht, wie es gehen soll.“

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