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Und wenn die Schuhe durchgelaufen sind auf dem Straßenfest, kein Problem: Es gibt neue zu kaufen.

Fest Berger Straße

Weniger Geld, weniger los

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Nur zeitweilig herrscht Gedränge beim Berger Straßenfest. Das wechselhafte Wetter hält so manchen vom Besuch ab. Auch spiele eine Rolle, dass nicht jeder viel Geld in der Tasche habe.

Am späten Samstagnachmittag geht es vergleichsweise ruhig zu auf dem Berger Straßenfest. Zur 30. Ausgabe sind zwar wie gewohnt schon viele Besucher zur „Unteren Bergerstraße“ gepilgert. Doch der Ansturm hält sich in Grenzen.

Besucher verteilen sich gut auf Sitzgelegenheiten und der schlendernde Pulk auf der gesperrten Straße kommt noch ohne Gedrängel voran. Die ersten Bands präsentieren auf kleineren und größeren Bühnen verschiedene musikalische Stile.

An den zahllosen Getränke- und Essensständen auf der rund einen Kilometer langen Festmeile zwischen Bethmannpark und U-Bahnstation Höhenstraße herrscht ebenfalls wenig Andrang und Bestellungen werden schnell erledigt. Das hat auch eine Gruppe von Sachsenhäuser Freunden motiviert, gleich zu Beginn ihres Besuchs beim Sangria-Stand einen Stopp einzulegen.

Weil sie das Fußball-Pokalfinale am Abend schauen wollten, seien sie schon früher als sonst gekommen. Außerdem sei es abends zu voll. An dem Fest gefalle ihnen die „nette Atmosphäre“ und das „Multikulti-Essen“, wie einer von ihnen sagt. Daneben könne man „alte Gesichter wiedertreffen“, ergänzt seine Freundin.

Am Bethmannpark, an der Ecke Mauerweg, haben Jakob und Maja ausrangierte Bücher, Kassetten und Kleinkram auf Decken verteilt. Die beiden achtjährigen Klassenkameraden wollen die Beliebtheit des Festes nutzen, um ihr Taschengeld aufzubessern und Ausgedientes zu verkaufen. „Ein Buch: 50 Cent“, ruft Jakob, der etwas mürrisch guckt, weil die Geschäfte nicht so recht laufen wollen und das trotz der Dumpingpreise.

Für Jakobs Vater Matthias Malisch prägten die „Kinderecken“, in denen sich der Nachwuchs im „Flohmarkt-Provisorium“ probiert, seit mehreren Jahren das Bild des Straßenfestes mit. Die Malischs wohnen seit 15 Jahren in einer Nebenstraße der Berger und besuchten seither das Fest.

„Nachdem es zwischenzeitlich zu kommerziell wurde, kehren die Geschäfte wieder mehr zu den Wurzeln zurück, habe ich den Eindruck“, berichtet Matthias Malisch. Nun würden sich wieder mehr und mehr Geschäftsinhaber sowie Anwohner an den Getränke- und Essensständen beteiligen.

Für Joshua Acht, Geschäftsführer eines Surf- und Skateladens, der während des Straßenfestes an beiden Wochenendtagen geöffnet hat, ist das Fest kein großer Gewinn. „Im Vergleich zu sonst ist es ruhiger“, sagt er. Beim Blick durch den Laden ist eine dreiköpfige Gruppe mit Caipirinha-Cocktails in den Händen zu sehen, die nur kurz an den Kleiderständern vorbeischlendert, um dann wieder zielstrebig auf die Straße zu enteilen.

Die ursprüngliche Idee, durch das Fest mehr Menschen auf die Einkaufsmeile zu locken, ist für Joshua Acht nicht spürbar. Das Programm sei wenig abwechslungsreich. „Die Essstände sind leider in jedem Jahr die gleichen“, beklagt Acht. Der Sonntag sei noch der bessere Tag, weil dann weniger Auswärtige kämen und Leute aus der Umgebung „entspannt alles näher anschauen“ würden.

Wunsch nach anderem Termin

Im Schaufenster einer Damenboutique einige Häuser weiter hängen Rabattschilder. Reduzierungen bis zu 20 Prozent sollen Kunden anlocken. Die Besitzerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, ist mit dem Zulauf des Berger Straßenfestes in diesem Jahr nicht zufrieden. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr habe sie bereits mehr Umsatz gemacht.

Den Rückgang erklärt sie sich damit, dass „die Leute weniger Geld haben“. Daneben sei das wechselhafte Wetter mit verantwortlich. Auch im Schaufenster eines Taschengeschäfts am Merianplatz hängen viele Hinweisschilder mit „Ausverkauf“. Für Geschäftsführerin Patricia Licher ist das Bergerstraßenfest jedoch eine Bereicherung. „Das tut der Straße und dem Einzelhandel gut“, sagt sie.

Seit einigen Jahren biete das Geschäft an einem Stand auch Getränke an, um das Straßenfest mitzutragen. Den Laden werde sie heute erst gegen 21 Uhr schließen. Prinzipiell wünscht sich Licher, dass das Fest wieder später im Jahr stattfindet. Ideal sei es, wie bereits einmal vor einigen Jahren, im August, da dann das Wetter stabiler sei und damit auch die Besucherzahlen stiegen, meint sie.

Am Stand der Frankfurter Rundschau auf der gegenüberliegenden Straßenseite bekommt man von diesen organisatorischen Überlegungen nichts mit. Elena, Linus und Josefa, die ihre Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchten, haben Spaß an der „T-Wall-Reaktionswand“. Sie feuern sich gegenseitig an, während sie abwechselnd auf unterschiedlichen Tasten aufleuchtende Signale ausdrücken müssen. Ihnen gefällt das Fest. Nur elektronische Musik fehle. „Aber das kann ja später noch kommen“, meint Josefa.

Währenddessen füllt sich die Straße. Über Treppen und Rolltreppen an der U-Bahnstation Merianplatz strömen immer mehr Menschen aus dem Untergrund zum Fest. Andere warten dort auf ihre Freunde, um gemeinsam den Abend auf der Berger zu beginnen.

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