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Das Drachenfestival auf dem Frankfurter Heiligenstock.

Drachenfestival

Wenig Wind für Drachen-Dompteure

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Trotz Flaute kommen rund 2000 Besucher zum Fest auf den Heiligenstock - und der Verein „Umweltlernen“ preist auch den Grüngürtel

Es herrscht Flaute am Sonntagnachmittag auf den Streuobstwiesen des Heiligenstocks. Die grünen Windfahnen mit dem Grüngürtel-Tier, die den Weg über den Eselsweg zum „Windfest“ des Vereins „Umweltlernen“ weisen, wehen kaum. „Ich will Drachen fliegen“, sagt ein Junge. Sein Vater antwortet: „Geht heute nicht, ist doch kein Wind da“.

Bei wolkenlosem Himmel, strahlendem Sonnenschein und relativ milden Temperaturen sind dafür umso mehr Besucher zu der Wiese im Grüngürtel, unweit der Friedberger Landstraße im Norden Frankfurts, gekommen. Auf mindestens 2000 Menschen, schätzt Barbara Clemenz vom Veranstalter die Zahl. Sie rechne aber mit noch weiteren Besuchern bis zum Ende.
In jedem Falle seien es bei der 15. Ausgabe des Festes deutlich mehr als im Vorjahr. Eine „leichte Brise“ hat Clemenz im Verlauf des Nachmittages ausgemacht. Zu Beginn des Festes hätten bei gutem Wind zunächst viele farbenfrohe Drachen am Himmel geflattert.

An zahlreichen Ständen basteln Kinder und Erwachsene neben Mobiles aus Kastanien und Tannenzapfen Drachen, kleine Fallschirme, Windspiele und -räder aus Recycling-Materialien. Viele versuchen, ihre Fluggeräte danach trotz ungünstiger Bedingungen durch die Luft zu befördern. Daneben können sich Besucher an den Schaltkreisen der Station „Smart Grit“ (Intelligentes Netz) mit Stromversorgung sowie Energiesparen durch Wind- und Solarenergie beschäftigen. Clemenz sagt: „Wir brauchen smarte Energiekonzepte und eine Umverteilung von Energieflüssen.“ Verbraucher könnten sich beispielsweise überlegen, ihre Waschmaschine, durch eine Zeitschaltuhr gesteuert, nachts laufen zu lassen.

Denkprozesse im Sinne der Nachhaltigkeit anstoßen

Ziel des Festes sei es zum einen, „Denkprozesse im Sinne der Nachhaltigkeit anzustoßen und Handlungsmöglichkeiten“ aufzuzeigen. Der Spaß solle dabei jedoch nicht zu kurz kommen. Wichtig ist Clemenz auch, Familien den Grüngürtel, der sich rund 70 Kilometer um die Kernstadt schlängelt, als „Freizeit- und Erholungsraum vor der Haustür“ schmackhaft zu machen. „Der Bildungsraum hat 365 Tage geöffnet“, sagt die 46-Jährige. Alljährlich organisiert der Verein Bildungsveranstaltungen an verschiedenen Orten im Grüngürtel für Kinder und Erwachsene, darunter eine „Fledermausnacht“, ein „Krabbeltierfest“ und eine „Waldküche für Familien“.

Levent Tunca sitzt im vom Hitzesommer gezeichneten beige-hellgrünen Gras. Der Bornheimer ist zum ersten Mal am Heiligenstock und findet das Fest „sehr schön, lauschig und unkommerziell“. Er sagt: „Ich kannte die Gegend hier gar nicht.“ Den Lohrberg, nicht weit entfernt, kenne jeder, aber diese Ecke sei ihm „eher unbekannt“. Tochter Lara ruht sich neben ihm aus. Die 13-Jährige hatte ihren aus Mülltüten und rot-weißem Flatterband gebastelten Drachen mit einiger Mühe steigen lassen, indem sie zwischen den zahlreichen anderen Drachen-Dompteuren über die Wiese gesprintet war. „Es könnte dollerer Wind sein“, sagt sie nüchtern. Eine Frau aus dem Westend sitzt samt Sohn unter einem Baum, vor ihnen ein aus einer Klopapier-Rolle gebasteltes Windlicht. Sie sagt: „Für Kinder ist das ein richtig schönes Event“. Und die Eltern könnten auf der weiträumigen Fläche entspannen.

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