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Die Kalbacher Grundschule. (Archivbild)

Schulen in Frankfurt

Zu wenig Plätze

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2019 soll der erste Grundschuljahrgang an der Grundschule im Frankfurter Stadtteil Kalbach vier- statt dreigleisig geführt werden. In der Nachmittagsbetreuung wird es dann Engpässe geben.

Ab nächstem Schuljahr, also ab August, wird es eng in der Kalbacher Grundschule. Die erste Klassenstufe soll erstmals vier- statt dreigleisig geführt werden. Vor allem an Plätzen in der Nachmittagsbetreuung wird es dann mangeln, befürchtet der zuständige Ortsbeirat 12. Das Stadtteilgremium bittet den Magistrat nun darum, die Zahl der Plätze rechtzeitig zu erhöhen.

„Wir gehen von 30 bis 40 Schülern aus, für die es ab nächstem Sommer keinen Platz geben wird“, sagt Ulrike Neißner von der Grünen-Fraktion. Sie leitet auch die Erweiterte Schulische Betreuung (ESB) an der Kalbacher Grundschule. Die steigenden Schülerzahlen erklären sich durch den hohen Zuzug von Familien mit Kindern. Kein neues Phänomen: „Kalbach ist in punkto Nachmittagsbetreuung schon länger unterdurchschnittlich versorgt“, sagt Neißner. Im vergangenen Jahr etwa mussten 14 zusätzliche Plätze beantragt werden. Die wurden vom Stadtschulamt bewilligt – und man hofft auch dieses Mal auf Unterstützung.

„Uns ist das Problem bekannt“, sagt Jetta Lüdecke, Büroleiterin der Bildungsdezernentin Sylvia Weber. Gemeinsam mit dem Stadtschulamt sichte man zurzeit, wie und wo zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden könnten. „Auch gilt es, die Zahl der suchenden Kinder zu verifizieren, da oft Doppelmeldungen vorliegen“, erklärt Lüdecke. Der Wert korrigiere sich in der Regel wieder nach unten. 

„Aber dass wir ab kommendem Sommer mehr Plätze brauchen, steht außer Frage. Wir sind dabei, verschiedene Lösungsszenarien zu prüfen.“ Noch sei Zeit und die aktuelle Versorgungssituation gut. 

Ulrike Neißner sieht das anders. Zurzeit seien 96 Kinder in ihrer ESB untergebracht, weitere 25 nutzen das Ganztagsangebot. „Das ergibt 121 Kinder, die verteilt auf dreieinhalb Räume betreut werden müssen – das ist einfach zu wenig Platz“, kritisiert sie. Es bräuchte schon jetzt mindestens einen weiteren Raum, zumal ein Teil der ESB in die Kalbacher Schulbücherei ausgelagert ist.

„Einige Familien wandern schon zu Privatschulen ab“, sagt die ESB-Leiterin. Doch das könne sich nur ein kleiner Prozentsatz leisten. Im kommenden Schuljahr werden rund 85 Erstklässler an der Kalbacher Grundschule erwartet – eine Klasse mehr als im Vorjahr. Zudem blieben viele Viertklässler, die nach dem Sommer in den fünften Jahrgang wechseln, in der ESB. Es sei daher notwendig, auch an anderer Stelle Plätze zu schaffen, so Neißner.

Besorgt zeigt sich auch der zweifache Vater Christoph Schneider. Einer seiner Söhne soll im Sommer eingeschult werden. Als seine Familie vor zwei Jahren nach Kalbach zog, sei sie als erstes vorgewarnt worden, „dass es hier nicht genügend Betreuungsplätze gibt – auch in den Kitas nicht“, erzählt er. Mit den zusätzlichen Plätzen hätte es dann kurzfristig geklappt. „Die sind vereinzelt hier und dort geschaffen worden.“ Spätestens zum nächsten Schuljahr müsse sich seiner Meinung nach in größerem Rahmen etwas tun. „2013 war ein besonders geburtenstarker Jahrgang.“

Schneider berichtet von Eltern, „die schlaflose Nächte erleben, weil sie um ihre Jobs fürchten müssen, wenn sie keinen Betreuungsplatz bekommen.“ Maximal 60 Prozent der Grundschulkinder hätten in Frankfurt Anspruch auf einen Platz. „Der Wert entspricht nicht der Realität“, moniert Schneider. Die Lebenshaltungskosten in der Stadt seien hoch. „Heute müssen oftmals beide Elternteile ganztags arbeiten.“ 

Gemeinsam mit anderen Eltern will Schneider einen Arbeitskreis bilden und sich aktiv für eine bessere Versorgungssituation im Stadtteil einsetzen. Bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats im November sei er „offene Türen eingerannt“. Ein interfraktioneller Antrag wurde sogleich auf den Weg gebracht. „Das Thema kam dem Gremium wichtig vor.“ Eben auch, weil es die Kalbacher schon länger beschäftigt. Als nächstes seien Gespräche mit dem Bildungsdezernat geplant. Schritt für Schritt sollen Lösungen erarbeitet werden. „Es ist ja noch ein Dreivierteljahr Zeit“, beschwichtigt Jetta Lüdecke.

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