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Weltrekord im Stadtwald

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Von: Oliver Teutsch

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Im Waldstadion läuft der Aufbau zum ersten Tag des Handballs in Frankfurt.
Im Waldstadion läuft der Aufbau zum ersten Tag des Handballs in Frankfurt. © Peter Jülich

Zum ersten Tag des Handballs in Frankfurt kommen mehr als 40.000 Besucher. Die Freude über diese Großveranstaltung ist groß. Doch der Sportart in Frankfurt hilft das wenig.

Die Idee zum Tag des Handballs entstand irgendwo auf der A3 in Richtung Frankfurt. Patrik Meyer und einige Kollegen von der Frankfurter Stadion GmbH hatten sich in Nürnberg die „Winter Games“ angeschaut, ein Eishockeyspiel im Nürnberger Stadion vor 50.000 Zuschauern. Das Wetter an jenem 5. Januar 2013 war nicht wirklich einladend gewesen. „Also haben wir uns gedacht, viel schöner wären doch Summer Games“, erinnert sich Geschäftsführer Meyer. Schnell waren sich die Stadionbetreiber einig, ein Handball-Spiel sollte es sein. Meyer ließ seine Kontakte zu den Rhein-Neckar-Löwen spielen. Manager Thorsten Storm musste ihn erstmal bremsen. „Patrik wollte das Spiel schon ein paar Monate später aufziehen, er ist da vom Fußball wohl etwas verwöhnt. Bei Eintracht Frankfurt sind die Spiele ja teilweise schon ausverkauft, bevor der Gegner feststeht.“ Die Zeit bis zum September 2014 nutzten die Initiatoren dann, um über die Ausrichtung eines normalen Bundesligaspiels hinaus ein Handball-Festival ins Leben zu rufen.

Zunächst mal sollten die Landesverbände eingebunden werden. Von den Vereinsvertretern kam der Vorschlag, unbedingt den Nachwuchs einzubeziehen. Ein Jugendturnier sollte es sein. Die Begeisterung war groß, der Andrang riesig. Vom Zeitplan her war Platz für 80 Mannschaften, beworben haben sich über 300 aus 13 Landesverbänden. Das Los musste entscheiden, welche C- und D-Jugendlichen an diesem Tag auf dem Vorfeld des Stadions auflaufen dürfen. Die Finalisten dürfen ihre Endspiele dann in der Arena selbst austragen. „Die rund 1500 Kinder müssen alle zwei Paar Schuhe mitbringen, denn vor der Arena wird Feldhandball gespielt, innendrin dann Hallenhandball“, verdeutlicht Geschäftsführer Meyer.

Bereits vor einem Jahr gingen die Veranstalter mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit. Die Initiatoren waren sich etwas unsicher über die Resonanz und wollten genug Zeit haben, die Werbetrommel zu rühren. „Am Anfang wollten wir das Wort Weltrekord nicht in den Mund nehmen“, gesteht Meyer. Doch schnell waren fast 20.000 Tickets verkauft. Die ganzen Handballvereine der Region wollen bei diesem Spektakel dabei sein und die Fans der Rhein-Neckar-Löwen wollen natürlich auch im Frankfurter Stadtwald für eine Heimspielatmosphäre ihres Teams sorgen. Der Sponsor der Veranstaltung schenkte zudem den Jugendmannschaften Freikarten, die bei der Verlosung der Startplätze für das Jugendturnier leer ausgegangen waren.

Den bisherigen Weltrekord in Sachen Zuschauerzuspruch bei einem Handball-Spiel hält das dänische Meisterschaftsfinale zwischen AG Kopenhagen und BSV Bjerringbro-Silkeborg im Mai 2011, als 36.651 Zuschauer zugegen waren. Dieser Rekord wird morgen im Stadtwald definitiv fallen. Verkauft sind bislang rund 40.000 Tickets, ein paar mehr dürften es noch werden, hoffen die Veranstalter. Unter den Besuchern werden auch viele neutrale Zuschauer sein, die sonst nicht zum Handball gehen. Als vor zehn Jahren in Gelsenkirchen die Partie zwischen Lemgo und Kiel ausgetragen wurde, erschienen viele der knapp 30.000 Zuschauer im Schalke-Trikot.

Prominente spielen

Etwaige Eintracht-Fans müssen denn auch nicht ganz auf bekanntes Personal verzichten. Denn vor dem Anwurf der hochklassigen Bundesligapartie zwischen den Rhein-Neckar-Löwen und dem HSV Hamburg wird es noch ein Prominentenspiel geben. Gegenüber stehen sich die Teams von Allzweckmoderator Frank Buschmann und Handball-Ikone Stefan Kretzschmar. Beide sind nicht unbedingt als Leisetreter bekannt und geben heute in einem Möbelgeschäft im Frankfurter Ostend sogar noch eine eigene Pressekonferenz, was vielleicht sogar ein bisschen zu viel des Guten für ein Einlagespiel ist.

Aber die Teams der beiden Protagonisten sind immerhin recht illuster besetzt. Der ein oder andere Eintracht-Fan wird mit Schrecken registrieren, dass Friedhelm Funkel an die Seitenlinie im Waldstadion zurückkehrt.

Der ehemalige Eintracht-Trainer wird das „Team Buschi“ coachen und dabei auch seinen ehemaligen Recken Alexander Schur coachen, der sich als Rechtsaußen versuchen wird. Auch Ansgar Brinkmann soll den Anweisungen von Funkel folgen. Im „Team Kretzsche“, versuchen sich Uli Borowka, Oliver Pocher, Elton und im Tor Rammstein-Schlagzeuger Christoph Schneider. Damit für die vielen Zuschauer trotzdem ein ansehnliches Handballspiel zustande kommt, werden aber auch Altinternationale wie Welthandballer Daniel Stephan, Christian Schwarzer, Florian Kehrmann, Marcus Baur oder Stefan Lövgren ins Spielgeschehen eingreifen.

Mancher Eintracht-Fan könnte trotzdem grummeln, weil in der Länderspielpause schon wieder der Rasen ramponiert wird. Doch Stadionmanager Meyer gibt Entwarnung: „Im Budget von 600.000 Euro sind auch 80.000 Euro für das Verlegen eines neuen Rasens eingeplant, das wollen wir Thomas Schaaf nicht zumuten.“

Trotz des großen Aufwands und der beachtlichen Kosten denken die Verantwortlichen schon an eine Wiederholung des Spektakels. Der Präsident des Deutschen Handball-Bundes, Bernhard Bauer, will den Tag des Handballs zu einem wiederkehrenden Handball-Fest ausbauen und „mit in die Agenda 2020 aufnehmen“. Dann könnte der Tag des Handballs in Frankfurt zu einer festen Institution werden, wie die Winter Games in Nürnberg.

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