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Duane Hollow Horn Bear (r.) mit Ehefrau Elsie bei ihrem Besuch im Weltkulturenmuseum im Juni 2019.
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Duane Hollow Horn Bear (r.) mit Ehefrau Elsie bei ihrem Besuch im Weltkulturenmuseum im Juni 2019.

Frankfurter Museen

Weltkulturenmuseum gibt Hemd von Lakota-Chief zurück

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Der Urenkel des politischen Anführers Chief Daniel Hollow Horn Bear suchte jahrelange nach dem Familienstück. 1908 hatte das Weltkulturenmuseum Frankfurt das Hemd erworben.

Chief Duane Hollow Horn Bear hält die Ärmel des Lederhemds seines Urgroßvaters, der ein bekannter politischer Anführer der Teton Lakota war, liebevoll fest und sagt: „Ich bin ehrfürchtig und zutiefst gerührt.“ Dieser Moment ist auf Film festgehalten. Im Juni 2019 war Chief Duane Hollow Horn Bear im Weltkulturenmuseum und bat dort um die Rückführung dieses Familienstückes, nach dem er zuvor jahrelang gesucht hatte. Jetzt, zwei Jahre später, hat das Weltkulturenmuseum das historische Lederhemd von Chief Daniel Hollow Horn Bear, der 1913 starb, zurückgegeben.

Pandemiebedingt passierte dies nicht persönlich in Frankfurt, sondern das Hemd wurde per Kunsttransport im Juni zurück zur Rosebud Reservation im US-Bundesstaat South Dakota geschickt. „Die Rückkehr des Hemdes ist für Chief Duane Hollow Horn Bear und seine Familie wie die Rückkehr des Urgroßvaters selbst“, sagte Eva Raabe, Leiterin des städtischen Museums am Donnerstag. Das Hemd sei für die indigene Gemeinschaft der Teton Lakota ein identitätsstiftendes Objekt mit religiöser Bedeutung.

Die Rückgabe steht im Mittelpunkt der Debatte um Dekolonialisierung und die Restitution von Kulturgütern. Das Museum spricht in diesem Fall von Repatriierung: Das Hemd sei rechtmäßig erworben worden. Das Museum hatte es 1908 im Tausch mit dem American Museum of Natural History in New York erworben. Dieses hatte es 1906 als Teil einer großen Sammlung des Millionärs, Sozialisten und Philantropen James Graham Phelps Stokes erhalten. Wie das Hemd aus dem persönlichen Besitz des Chiefs in die Sammlung Phelps gelangte, lasse sich nicht mehr rekonstruieren. „Vielleicht war es ein Notverkauf, weil der Chief Geld brauchte“, sagte Mona Suhrbier, Kustodin der Amerikasammlung. Dass das Hemd ihm gewaltsam entrissen worden sei, sei eher unwahrscheinlich. Denn Chief Daniel Hollow Horn Bear sei ein sehr angesehener Mann gewesen. Er hatte während der „Indianerkriege“ in der Schlacht am Little Bighorn gekämpft. Später kämpfte er als Diplomat mit der US-Regierung um die Rechte der indigenen Völker und war auch Sheriff in der Rosebud Reservation. Kuratorin Suhrbier verwies bei einem Foto des bestickten Hirschlederhemdes auf die roten und grünen Rauten. „Dieses Federmuster manifestiert den Familienbesitz.“ Die fünf Zacken des Sterns erinnerten an einen Sheriff- stern. 30 Jahre lang war das Hemd in Dauerleihgabe im Ledermuseum Offenbach. Dort hatte es Chief Duane Hollow Horn Bear entdeckt. Er hatte der Kuratorin Fotos seines Urgroßvaters im besagten Hemd gezeigt. Die Familienähnlichkeit sei zudem kaum zu leugnen. Das Kulturdezernat musste aber zunächst der Rückgabe zustimmen, weil das Hemd, das im Jahr 2009 auf einen Wert von 15 000 Euro geschätzt wurde, bislang der Stadt gehörte. Ethisch-moralische Gründe hätten für die Rückgabe den Ausschlag gegeben, teilte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) mit.

Und was passiert jetzt mit dem Hemd? „Chief Duane Hollow Horn Bear hatte überlegt, es im Museum der Reservation auszustellen, aber er will es für Rituale wie den Sonnentanz immer wieder rausholen“, so Raabe.

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