Die Bombe nach der Entschärfung.
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Die Bombe nach der Entschärfung.   

Entschärfung

Weltkriegsbombe in Frankfurt: Zünder ließ sich leicht entfernen

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Nach gut einer Stunde ist die Weltkriegsbombe auf dem Messegelände entschärft und die Anwohner können zurück in ihre Wohnungen.

Um 13.25 Uhr war die Gefahr gebannt. Nach gut einer Stunde hatten die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes am Freitag eine 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe, die bei Bauarbeiten auf dem Frankfurter Messegelände gefunden worden war, entschärft.

„Das Gewinde war nicht verrostet oder deformiert, wir konnten den Zünder leicht entfernen“, sagte Thomas Rech, der Leiter des Dezernats öffentliche Sicherheit und Ordnung beim Regierungspräsidium Darmstadt und damit oberster Sprengmeister des Landes.

Die Weltkriegsbombe amerikanischer Bauart habe einen Heckzünder gehabt. „Der Zünder war in die Bombe eingelassen, man sah ihn nicht“, beschrieb Rech die Herausforderung. Mit den Händen hätten die Mitarbeiter, die keine Schutzkleidung trugen, den Zünder entfernt. Wenn eine Bombe dieses Ausmaßes explodiere, „dann bringt auch Schutzkleidung nichts mehr“, sagte er.

Die Bombe sei so konstruiert gewesen, dass sie zunächst tief in ein Gebäude einschlagen sollte, bevor sie detoniere. Seit dem Zweiten Weltkrieg lag der Blindgänger auf dem Messegelände. Er kam auch beim Bau der Messehalle 5 in den Jahren 1971 bis 1972 nicht zutage. Erst beim Neubau der Halle 5, der gerade läuft, wurde die Bombe entdeckt.

Die Fundstelle der Bombe.

Wäre sie detoniert, hätte sie eine gewaltige Sprengkraft erzeugt. „Wir hätten eigentlich ein Areal, in dem 27 000 Menschen leben, evakuieren müssen“, sagte Matthias Heinrich, der Leiter der Frankfurter Stadtpolizei. Da die Hochhäuser am Messegelände aber eine Dämmungswirkung erzeugt hätten, sei das Sperrgebiet eingegrenzt worden. 2700 Menschen mussten ihre Wohnungen ab 9 Uhr morgens verlassen.

Die Bürgerinnen und Bürger hätten sich vorbildlich verhalten, sagte Erik Hessenmüller, der Leiter der Verkehrssicherheit im Frankfurter Polizeipräsidium. Es habe nur einen Platzverweis gegeben, weil ein Bürger sich geweigert habe, die Sperrzone zu verlassen. Der Mann sei vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Von 9 bis 12 Uhr kontrollierte die Polizei unter anderem mit Wärmebildkameras, ob sich noch Menschen in den Gebäuden 500 Meter rund um die Messe befanden.

Nur wenige kommen zur Betreuungsstelle

Wesentlich weniger Bürgerinnen und Bürger als erwartet hätten das Angebot wahrgenommen, während der Bombenentschärfung in der Betreuungsstelle in der Messehalle 11 unterzukommen, sagte Rainer Heisterkamp, Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Das Deutsche Rote Kreuz habe Tische und Stühle für 270 Menschen, also zehn Prozent der Betroffenen, aufgestellt. Gekommen seien nur 24 Menschen. Sechs Hilfsbedürftige hätten die Rettungskräfte abgeholt.

Für die Menschen in der Betreuungsstelle war ein Imbiss mit Kartoffelsuppe und Wurst vorbereitet. Zum Dank gab es Gutscheine über freien Eintritt in Frankfurter Museen und den Palmengarten. Die Gutscheine verteilte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in der Messehalle persönlich. „Ich möchte mich bei den Bürgerinnen und Bürgern bedanken, die sich vorbildlich verhalten haben“, sagte er. Weitere Gutscheine für die von der Evakuierung Betroffenen würden in der kommenden Woche an die Haushalte verteilt. Der Gutschein gilt für einen Eintritt mit zwei Personen und eigenen Kindern.

Die Frankfurter Feuerwehr verkündete die Bombenentschärfung um 1.44 Uhr auf Twitter. Danach hob die Polizei die Sperrungen der Straßen um die Evakuierungszone auf. Die Sperrung habe keine starke Auswirkung auf den Straßenverkehr gehabt, sagte Polizeidirektor Hessenmüller. Auch die U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen und Busse fuhren in der Folge wieder regulär. Für Oberbürgermeister Feldmann steht fest: „Der Bombenfund zeigt wieder einmal, welches Unheil das Naziregime über Deutschland und die Welt gebracht hat.“ Dies müsse als Warnung vor jeglichem Krieg gelten.

Die Bombe wurde per Lastwagen abtransportiert und wird von einer Spezialfirma entsorgt.

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