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Weltfremder Gerichtsbeschluss zu Mahnwachen in Frankfurt

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Von: Georg Leppert

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Mahnwache vor Pro Familia im Westend.
Mahnwache vor Pro Familia im Westend. © christoph boeckheler*

„Lebensschützer“ dürfen direkt vor Pro Familia demonstrieren. Offenbar verwechselt das Gericht eine Schwangerenberatung mit einem AfD-Parteitag. Ein Kommentar.

Frankfurt – Es sind Sätze, die weh tun. Das Persönlichkeitsrecht von schwangeren Frauen gewährleiste keinen Konfrontationsschutz vor anderen Ansichten. So steht es in der Pressemitteilung zum Beschluss des Verwaltungsgerichts, der selbsternannten Lebensschützer:innen die Mahnwachen vor der Beratungsstelle von Pro Familia erlaubt.

Und weiter: Die Frauen beklagten sich ja nur über gefühlte Beeinträchtigungen. Was für eine deplatzierte Aussage in Bezug auf Frauen in einer Extremsituation! Zynisch möchte man entgegnen: Sollen sie dankbar dafür sein, dass sie nicht verprügelt werden?

Der Beschluss des Verwaltungsgerichts ist vor allem weltfremd. Offenbar verwechselt das Gericht eine Schwangerenberatung mit einem Parteitag der AfD. Dorthin gehen die Leute freiwillig, um Politik zu machen. Deshalb müssen sie Protest auf dem Weg zum Tagungsort aushalten.

Gerichtsbeschluss zu Mahnwachen in Frankfurt: Menschen protestieren vor Beratungsstelle

Hier aber geht es um Frauen, die eine vom Gesetz vorgeschriebene Beratung vor einer Abtreibung wahrnehmen. Niemand tut das gerne. Warum sollen sich die Betroffenen auch noch belästigen – Verzeihung: gefühlt beeinträchtigen – lassen.

Den selbstgerechten Menschen auf ihrer Mahnwache scheint es Freude zu bereiten, Frauen unter Druck zu setzen. Niemand hat ihnen verboten zu demonstrieren. Das dürfen sie rund um die Uhr. Aber nicht direkt vor der Beratungsstelle, sondern an der Bockenheimer Landstraße, wo die Gruppe übrigens viel mehr Aufmerksamkeit erfährt als in der kleinen Palmengartenstraße.

Es bleibt zu hoffen, dass der Verwaltungsgerichtshof die irritierende Entscheidung aus Frankfurt aufhebt. (Georg Leppert)

Dieser Kommentar basiert auf einem seit Jahren andauernden Konflikt. Abtreibungsgegner sangen kürzlich vor der Beratungsstelle pro familia in Frankfurt.

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