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Kein Motiv, das es nicht gibt: Auf der „Kreativ Welt“ gibt es Stoffe in Hülle und Fülle. 

Kreativ Welt

In der Welt der Selbermacher auf der Messe „Kreativ Welt“

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Beton kneten, Kekse dekorieren, Stoffe vernähen – die Messe „Kreativ Welt“ist ein Paradis für Selbermacher. Auch mit alten Zeitungen wird gebastelt.

Ulrike Markard probiert immer etwas Neues aus. Mal näht sie, dann flicht sie, mal modelliert sie mit Fimo. „Aber ich komme immer wieder aufs Papierbasteln zurück“, sagt die Besucherin der Messe „Kreativ Welt“ in Frankfurt. Darin steckt einfach ihre ganze Leidenschaft. Ihre Do-it-yourself-Leidenschaft. Besonders gerne erstellt Markard Miniaturbücher. Zwei Zentimeter groß, handgebunden. Und natürlich mit Text. „Das kann man tatsächlich lesen in der Größe“, versichert sie. Märchen, Kurzgeschichten, ihre Lieblingsrezepte finden sich darin. Eine ganze Bibliothek hat sie inzwischen zu Hause in Würzburg stehen. Vorteil der Miniaturbücher: Platzprobleme bekommt man bei einer stetig wachsenden Bibliothek kaum.

Auf die „Kreativ Welt“ ist Markard gekommen, weil es doch öfter „sehr speziell ist, was ich suche“. Und die Sortimente der Geschäfte in Würzburg können die Bedürfnisse einer echten Selbermacherin kaum befriedigen. Die „Kreativ Welt“ schon. Da glitzern auf der einen Seite Perlen in allen Größen und Schattierungen, auf der anderen wird vor Bergen aus Wolle über die Dichte von Baumwollstoffen beim Sticken diskutiert. Rund 300 Ausstellerinnen und Aussteller zeigen, was sie zum Nähen, Basteln, Stricken, Malen, Backen, fürs Upcycling, fürs Stempeln und für Schmuckdesign so im Angebot haben. Und gekauft werden kann das alles auch.

Das kann aus Ihrer FR gebastelt werden: Bäumchen für die Weihnachtsdeko.

Deswegen sind Hanna Kopp und Ilse Krebs da. Sie sind aus Schweighofen an der französischen Grenze angereist und schauen sich nach Stoffen um. Denn Patchwork ist ihre Passion. Kissen, Decken, Wandbilder – es wird genäht, als gäbe es kein Morgen. „Ich hab zwar schon für 300 Jahre Stoffe, aber auch für 500 Jahre Ideen“, sagt Kopp. Da muss man schon mal nach Nachschub Ausschau halten. Gibt ja genügend auf der Messe. Patchworkstoffe mit Totenköpfen, Schiffen und Blumen. Mit Kaffeetassen, Eulen und grafischen Mustern. „Man ist ja bei Patchwork auf die Vielfalt angewiesen“, sagt Krebs. „Und ein Stück fehlt doch irgendwie immer.“ Im Gegensatz zu Markard mit ihren Miniaturbüchern kommt es beim Horten von Stoffen natürlich zu Platzproblemen. „Mein Mann wollte schon ausziehen“, scherzt Kopp.

Inspirationen wollen sich die beiden auch auf den zwei Stockwerken in Halle 1 holen – und Schnäppchen machen. So wie Tanja Rein mit ihrer zehnjährigen Tochter Frauke, die natürlich nicht die Schule schwänzt an diesem Donnerstagvormittag, sondern aus Bayern kommt. Da sind Herbstferien. Beide nähen, die Mutter hat daraus ein Kleingewerbe gemacht. Alles fing an, als ihr Sohn geboren wurden. „Er war so dünn, und ich musste ihn immer wiegen“, erzählt sie. Also nähte sie ein Wiegetuch, in das sie das Kind gefahrlos legen und mit einer Kofferwaage wiegen konnte. Inzwischen näht sie Babyschuhe, kleine Taschen, Lesekissen, stempelt und stanzt Karten und Geschenkverpackungen. Das verkauft sie auf Facebook – und zieht mit einem braunen Rollkoffer über die Messe, um Nachschub für die Produktion daheim zu besorgen.

Aber auf der Messe kann nicht nur gekauft, sondern auch bei rund 170 Workshops mitgemacht werden. Bei Opitec liegen Holzkugeln, Heißklebepistolen und Scheren auf Tischen bereit, um Schüsselanhänger zu basteln. Am Stand von Özlem Aygün können Kekse verziert werden. Passend zu Halloween dekoriert die 13-jährige Charlotta einen Schoko-Doppelkeks. Orangefarbener Fondant wird gestrafft und gezogen, ein Kreis ausgeschnitten. Augen und Mund aus schwarzem Fondant geformt. „Man muss schon feinfühlig sein“, sagt Charlotta und zupft die Augen zurecht. Damit es dann nach Halloween-Kürbis aussieht.

Showbühne: Patrick Dörner verziert Torten.

Geknetet wird auch bei Miled Ben Dhiaf. Und zwar mit Knetbeton. Der Opa als Büste, Sterne für den Weihnachtsbaum – eigentlich kann aus der Masse alles modelliert werden. Und es härtet ganz ohne Brennofen aus. Heidi Kress und Brigitte Philipps schauen zu, wie der Knetbetonexperte gerade einen Vogel herstellt. Dabei sind die beiden bereits echte Knetbetonprofis. Vogeltränken, Vasen, Blumentöpfe haben sie schon hergestellt. Philipps zückt ihr Handy und zeigt Fotos von den Kunstwerken: Tücher hat sie in Beton getränkt und auf einem Ständer aushärten lassen. Als Blumentöpfe stehen die Werke nun im Garten. „Ich hab in diesem Jahr schon 25 Kilo Knetbeton verarbeitet“, sagt Kress. Und sie bekommt nicht genug davon. Noch nicht. „Alle zwei Jahre mache ich dann was anderes.“

Um neue Hobbyideen zu bekommen, geht es über die Messe. Schnittmuster hier, Keksausstecher in Tauben-, Kraken-, Fischform dort. Pinsel für Handlettering und Zuckerbäcker, zum Aquarellieren und Retuschieren warten auf die Selbermacherinnen und -macher. Einige laufen mit ganzen Einkaufslisten durch die Halle. „Acrylfarben, Leinwände und Filzstifte“, liest eine Frau ihrer Begleiterin laut vor. „Und los.“ Rund 40 000 Besucherinnen und Besucher werden sich bis zum Ende der Messe am Sonntagabend voraussichtlich an den Ständen vorbeigeschoben haben. Vor allem Besucherinnen. Männer sind wenige zwischen den Stoffen und Stempeln zu erblicken.

Auch um Upcycling geht es. Bei Yvonne Schneider vom Frickel-Club zum Beispiel. Joghurtbecher werden zu Engeln. Eierkartons zu Baumschmuck. „Ich hab ein großes Mülllager und ein ganzes Team, das für mich Müll sammelt“, erzählt sie. Damit aus Abfall neue Sachen gebastelt werden können.

Und wenn dieser Text nun gelesen und die Zeitung beiseitegelegt ist, muss sie nicht im Altpapier landen. Auch Zeitungen taugen fürs Upcycling. Kann man auf der Messe ausprobieren. Halbe Seiten über Schaschlikstäben zusammenrollen, fünf auf ein Stück Karton kleben und im Quadrat klappen. „Eine Hexenleiter falten, so dass eine Spirale entsteht“, erklärt Schneider. Und ein Zeitungsbäumchen entsteht, das üppig weihnachtlich dekoriert oder schlicht lackiert werden kann. Es können auch ganze Körbe aus Zeitungspapier geflochten werden. Ist mal was anderes, als Fisch in die alte Zeitung zu wickeln.

Die Messe

Die „Kreativ Welt“ wird bis Sonntag, 3. November, auf dem Messegelände, Halle 1, veranstaltet. Der Eingang City liegt an der Ludwig-Erhard-Anlage 1.
Geöffnet ist die Messe am Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
Die Tageskarte kostet 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, Kinder unter 6 Jahren zahlen keinen Eintritt, die Zwei-Tages-Kombikarte gibt es für 16 Euro, ein Nachmittagsticket (Freitag ab 15 Uhr) kostet 8 Euro.
Die Veranstaltung wird ausgerichtet von der Mediengruppe Frankfurt, zu  der auch die Frankfurter Rundschau
gehört. Die FR ist Medienpartner.
Eintauchen in die Welt der Makramee-Kunst, Dhavi Designs, Halle 1.2, B07A, täglich 12.30 Uhr, 19 Euro
Cake Lace , Der Kuchenbäcker, Halle 1.2, B06A, täglich 15.30 Uhr, 10 Euro. Anmelden: workshops@kuchenbaecker.com
Kekse Dekorieren mit Fondant und Co., Cook & Bake by Özlem Aygün, Halle 1.2, B04B, täglich 11, 14 und 16 Uhr, 10 Euro, Anmeldung am Stand
Schmuck aus Silberbesteck gestalten,
Cutlery Art, Halle 1.1, B09B, täglich durchgehend, 10 bis 40 Euro, Anmeldung unter cutleryart@t-online.de
Abschminkpads nähen , Tante Poppins – Zauberhafte Stoffe, Halle 1.2, F08A, durchgehend an allen Tagen, 2 Euro
Nähen von Accessoires aus Sekundärrohstoffen, Secondhand Warenhaus Neufundland, Halle 1.2, C12, täglich durchgehend, 10 Euro, Anmeldung
stefanie.jung-zwerger@gwr-frankfurt.de
Upcycling Porzellan , Mustergültig-
Design, Halle 1.1, C03A, täglich durchgehend, Materialkosten
Tasche mit Taschenbügel nähen , Clip & Clutch, Halle 1.2, E08B, Freitag bis Samstag nach Absprache, 20 Euro,
Anmeldung:info@taschen-zubehoer.de
Glasmosaik selbst herstellen , Glascenter Gomez, Halle 1.1, GO3A, täglich durchgehend, ab 5 Euro
Stricken von Weihnachtsdeko , Deutsche Spitzengilde, Halle1.2, H13, Freitag und Samstag ganztägig
Upcycling mit Tageszeitungen , Frickel-Club, Halle 1.2, A05, täglich durchgehend, kostenfrei
Grußkarten und Adventskalender basteln, Reddy Creative Cards, Halle 1.1, C10B, täglich durchgehend Vorführungen
Knetbeton – Das Original, Halle 1.1, D03A, fünfmal täglich, Kosten 5€
Workshops bekannter DIY-Stars finden auf der Bühne in Halle 1.2 statt.
Eva Brenner: Leuchtende Winterlichter, Upcycling-Workshop, Sonntag, 11.30 Uhr. Pimp my home, Deko-Upcycling-Workshop, Sonntag, 14.45 Uhr.
Tanja Steinbach: Tolle Effekte aus dem Knäuel stricken, Freitag, 10.30 Uhr.
Andrea Müller: Trend-Hobby: Pouring, Freitag und Samstag, 15 Uhr.
Patrick Dörner: Bunte Buttercreme, Freitag, 12 Uhr. Profitipps zum Tortenzaubern von Patrick Dörner und Tobias Müller, Samstag 12.15 Uhr, Sonntag 12.30 Uhr.

Alle Infos auf www.kreativ-welt.de 

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