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Eine von vielen, die helfen: Beata Rietsch versorgt die Flüchtlinge in der Kleiderkammer der katholischen St. Franziskusgemeinde mit Kleidung.
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Eine von vielen, die helfen: Beata Rietsch versorgt die Flüchtlinge in der Kleiderkammer der katholischen St. Franziskusgemeinde mit Kleidung.

Flüchtlinge in Frankfurt

Welle der Hilfsbereitschaft

  • Friederike Tinnappel
    VonFriederike Tinnappel
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Die Asylbewerber, die in der Containeranlage im Preungesheimer Apfelviertel untergebracht sind, sind im Stadtteil willkommen. Die Nachbarn seien bei der Hilfe „hochmotiviert“, sagt Ortsvorsteher Robert Lange (CDU).

In der Kleiderkammer der katholischen St. Franziskusgemeinde herrscht an diesem Dienstagvormittag Hochbetrieb – „wie immer“, sagt Marlies Lott (75). Seitdem nicht nur arme Familien und Obdachlose neu eingekleidet werden, sondern auch die Flüchtlinge aus der Containeranlage im Preungesheimer Apfelviertel, sind die Bestände zusammengeschmolzen. Bei den Flüchtlingen handele es sich überwiegend um junge Männer, sagt Lott. Für die werde dringend Kleidung benötigt und auch Trainingsanzüge: „Die wollen doch auch joggen gehen.“

Joussef J. (26) und sein Bekannter haben trotzdem etwas gefunden, was sie gebrauchen können: Einen Rucksack, Schuhe, Handtücher – und Kinderbücher. „So lerne ich deutsch“, erzählt der 26-jährige Student, der später im Finanzwesen arbeiten möchte. Beide sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen und froh, dass sie in Deutschland sind. Sie wissen auch, wie wichtig die deutschen Sprache ist, um sich zurechtzufinden. Von 14 bis 17 Uhr werden sie bei der Volkshochschule einen Kurs besuchen. Zum Leben in der Containeranlage sagt Jouseff J.: „Geht so“. Der 26-Jährige hätte gern ein Zimmer für sich allein. Ansonsten sei es manchmal schon „recht langweilig“.

Die Umgangssprache in der Containeranlage ist Englisch, erzählt Heike Seidel-Hoffmann. Die Diakonie-Pfarrerin hat die Aufgabe übernommen, die vielen Hilfsangebote aus der Nachbarschaft zu koordinieren. „Die Nachbarn sind total nett“, sagt sie. Viele, die in Preungesheim eine zweite Heimat gefunden haben, seien früher einmal selbst geflohen. „Die wollen von der Hilfsbereitschaft, die sie früher einmal erfahren haben, etwas zurückgeben.“ Auch viele ältere Bürgerinnen und Bürger hätten sich gemeldet, um noch etwas Sinnvolles zu tun.

Den Alltag würden die Flüchtlinge, die aus Eritrea, Afghanistan und Syrien stammen „ganz gut selbst hinkriegen“ – sei es, dass sie, wie etwa die Flüchtlinge aus Eritrea, von ihrer Community unterstützt werden oder Verwandte haben. Es bleibt die deutsche Sprache das zentrale Problem. An zwei Orten werde „Deutschkonversation in kleinen Gruppen“ geplant, in der evangelischen Kreuzgemeinde und im Stadtteil-Kiosk. Etwas skeptisch betrachtet Seidel-Hoffmann Nachfragen, um mit den Flüchtlingen gemeinsam zu kochen. Da sei sie noch dabei, eine Lösung zu basteln. Sie wolle nicht wildfremde Menschen zusammenbringen. Die Kunst sei, das Engagement der Anwohner und die Interessen und Bedürfnisse der Flüchtlinge aufeinander abzustimmen.

Fahrräder gespendet

Nach Angaben von Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) soll es in der Containeranlage ein schwarzes Brett mit Angeboten geben. Bisher sei alles „gut angelaufen“. Die Nachbarn seien „hochmotiviert“ zu helfen und die Flüchtlingen „hochmotiviert, Land und Leute kennenzulernen“. Es gebe zwei neue Stadtteilbotschafter, die eine Tanzveranstaltung vorbereiten wollten. Die Grünen hätten angekündigt, dass sie am Pfingstmontag gespendete Fahrräder einsammeln wollen. Sportvereine hätten sich gemeldet – auch einer aus Bonames und dorthin sei es mit Fahrrad nicht weit. Wenn es am 30. Mai wieder „Preungesheim isst“ auf dem Hof der Carlo-Mierendorff -Schule heißt, würden auch die Flüchtlinge eingeladen.

Insgesamt hat die Stadt 3000 Obdachlose und Flüchtlingen untergebracht – gewöhnlich in gemischten Heimen oder in Wohnungen. Die Anlage in Preungesheim, in der seit Mitte Februar ausschließlich Flüchtlinge leben, ist ausgelastet und „funktioniert gut“, wie Robert Standhaft vom Sozialdezernat sagt. „Wir hatten auch nichts anderes erwartet.“

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