Nachhaltigkeit

Welche Zahnbürste rettet die Welt?

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Eine Frankfurter Kampagne zur Nachhaltigkeit will Verbraucher fit für eine klimafreundliche Zukunft machen. Ein Flashmob bildet den Auftakt am Samstag.

An diesem Samstag geht’s los mit dem besseren Leben. An diesem 9. Februar beginnt in Frankfurt eine Kampagne, die zum Nachdenken animieren soll, zum Umdenken: eine Motivationshilfe, die möglichst viele Leute dazu bringt, ihr Konsumverhalten zu ändern – fürs Klima, für die Umwelt. Wer dabei sein will, kommt um 12 Uhr zum Merianplatz und bringt Zeit mit.

Schüler streiken und demonstrieren, Wissenschaftler warnen, Umweltorganisationen appellieren. Was passiert? Zu wenig, sagen die Fachleute. Wenn wir so weiterleben, erwärmt sich das Weltklima über die Maßen, was enorme Probleme für Natur, Wirtschaft und unser Zusammenleben bringen wird. Die Politik bewegt sich zu langsam.

Also nehmen wir es selbst in die Hand, sagt Marlene Haas von der gemeinnützigen Gesellschaft „Lust auf besser leben“.

Ihr Ansatz, gemeinsam mit Partnern: Wir müssen anders einkaufen und anders konsumieren – dringend. Und viele seien auch durchaus bereit dazu. „Viele Verbraucher*innen wollen nachhaltiger einkaufen“, hat sie festgestellt. Doch die Regale und Onlineshops seien voller Produkte mit undurchsichtigen Rohstoff- und Lieferwegen. „Oft gibt es für ein Produkt viele Alternativen“, erklärt Haas die Grundfrage der Aktion: Welche Produkte sind tatsächlich nachhaltig?

Um das herauszufinden, hat die Initiative den Tag in 14 aktive Stunden aufgeteilt, für die 14 Entscheidungen zu treffen sind. Los geht es um 7 Uhr morgens mit der Zahnbürste. Welche soll man nehmen? Eine Bürste aus Bambus ist umweltfreundlich, weil der Rohstoff schnell nachwächst – aber wo kommt er her? Sind der Transportweg und seine CO2-Bilanz noch mit dem Klimaschutz vereinbar? Und was ist mit der Brille? Gibt es davon eine nachhaltige Version? Wo kommen Glas und Gestell her?

Solche Fragen werden an diesem Samstag eine Rolle spielen. Um 12 Uhr treffen sich möglichst viele Leute auf dem Merianplatz unter dem Motto „Werde aktiv“ zu einem sogenannten Flashmob – einer geplanten, aber spontan wirkenden Aktion, die Passanten überrascht. Zahnbürsten und Brillen sollen dabei in Erscheinung treten; mehr wird vorher nicht verraten. Wer neugierig ist, findet Informationen dazu und zur ganzen Kampagne auf ffm.lustaufbesserleben.de.

Mit Flashmobs überraschen

Ein zweiter Flashmob ist für den folgenden Samstag, 16. Februar, geplant, ebenfalls um 12 Uhr, dann aber auf der Zeil, nahe der Hauptwache, unter den Bäumen vor dem Esprit-Shop. Mit von der Partie ist bei beiden Anlässen der Mainzer Verein Reflecta, der sich ebenfalls für ein umweltbewusstes und soziales Miteinander einsetzt.

Im Lauf des beispielgebenden Tages, den die Organisatoren anhand der 14 Stunden mit 14 Blogbeiträgen nacherzählen, geht es unter anderem um Kaffee, Klamotten, Schokolade, Blumen, Reisen, Möbel, jeweils unter Berücksichtigung ihrer Nachhaltigkeit und Klimabilanz. Es geht aber auch um besonders knifflige Fragen: Wie soll ich mich entscheiden zwischen den Kriterien fair und nachhaltig? Oder zwischen Tierschutz und Umweltschutz, wenn es etwa um die Materialien geht, aus denen unsere Kleidung gemacht ist. Leder oder Kunststoff?

„Genau hier sagen wir: Informiere dich und treffe dann die Entscheidung, die zu deinem Wertekodex passt, wenn du einschätzen kannst, was jeweils dahintersteht“, sagt Marlene Haas. Es geht also zunächst einmal um Information: Wer Bescheid weiß, kann besser abwägen, was das kleinere Übel ist.

Das Blog startet offiziell am 23. Februar, die ganze Bewusstseinskampagne läuft bis Ende Mai. „Lust auf besser leben“ plant verschiedene Guerilla-Aktionen und viel Aufklärung, will mit Händlern ins Gespräch kommen und die Frankfurter mit ins Boot holen. Die Frankfurter Rundschau begleitet das Ganze mit Berichten.

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