+
Es regnet und regnet, die Erde wird nicht nass genug.

Wasser

Weiter Weg zum Nass in Frankfurt

  • schließen

Den Frankfurter Bäumen steht das Wasser nur im übertragenen Sinn bis zum Hals – viele wären froh, es reichte ihnen bis zu den Wurzeln.

An die 250 000 Bäume im öffentlichen Besitz stehen in Frankfurt. Das hat der Magistrat just kurz vor dem Jahreswechsel in einem Bericht sinngemäß aufgelistet – obwohl: So ganz stimmt es nicht, denn zum jüngsten Stichtag, 31. Januar 2019, waren es konkret: 195 591 Bäume im Zuständigkeitsbereich der Grünflächenunterhaltung, 22 092 auf den Friedhöfen und 20 083 unter der Obhut weiterer Ämter, etwa in Kindergärten und Schulen.

Macht zusammen, über den Daumen gepeilt, knapp 240 000, und wenn die Zahl der Bäume in der Stadt sich entwickelt hätte wie bisher seit Beginn des Jahrzehnts, könnten wir ein Jahr später durchaus von einer Viertelmillion ausgehen. Das Problem an der Sache ist dieses „Wenn“. Denn analog zur Zahl der Bäume nahm in den vergangenen Jahren auch die Zahl der Fällungen zu. Besonders drastisch stieg diese Zahl 2019 – bekanntlich mussten Tausende Bäume abgesägt werden oder sehen ihrer Fällung wegen der anhaltenden Probleme entgegen. Die Klimakrise mit ihren Dürren hat unzählige Bäume so stark geschwächt, dass sie sich nicht mehr gegen Käfer und Pilzerkrankungen wehren können.

Wichtiges Wasser

Wie wirkt sich nun der Wassergehalt des Bodens auf die Pflanzen aus? Sehr stark, antwortet der Magistrat aktuell auf eine AfD-Anfrage vom Mai: „So setzt sich ein Auwald mit Grundwassernähe aus völlig anderen Baum- und Straucharten zusammen als in Bereichen, in denen die Vegetation das tief anstehende Grundwasser nicht erreichen kann und somit auf Niederschlagswasser angewiesen ist.“ Stadtbäume, deren Wurzeln Zugriff auf Grundwasser haben, könnten durch das Absinken des Wasserspiegels absterben; solche, die das Niederschlagswasser unbedingt brauchen, haben in den vergangenen zwei Jahren bei weitem nicht genug Nachschub bekommen, vor allem im Sommer wurde der Regen schmerzlich vermisst.

2019 erkrankten laut Bericht viel mehr Ahornbäume als zuvor an der Rußrindenkrankheit, einem Schwächeparasiten. Sie mussten in Massen gefällt werden. Die zweite besonders stark betroffene Art ist die Kiefer infolge des sogenannten Kieferntriebsterbens. Aber der jüngste Waldschadensbericht zeigte, dass auch Buche und Eiche durch die Dürre geschädigt wurden wie nie zuvor seit Erhebung der Daten.

Gegensteuern will die Stadt mit dem Bewässern der jungen und damit besonders anfälligen Bäume, mit der Suche nach geeigneten Brauchwasserquellen und nach den widerstandsfähigsten Baumarten – denn die Dürrekrisen werden wiederkehren, da sind sich die Fachleute einig.

Einen interessanten Einblick in die Wasserversorgung verschiedener Bodentiefeschichten bietet der Dürremonitor, den das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung auf seiner Internetseite zur Verfügung stellt (www.ufz.de/duerremonitor). Die Grafiken zeigen anschaulich die gravierenden Unterschiede für Pflanzen, die in 1,80 Meter Tiefe wurzeln, im Vergleich mit jenen, denen 25 Zentimeter genügen. Es gibt Animationen für den Dürreverlauf in der Bundesrepublik binnen eines Jahres und binnen 14 Tagen. Einzelkarten für Hessen und die anderen Bundesländer lassen sich herunterladen. Die Daten sollen helfen, künftige Dürren in Europa besser zu verstehen – und ihnen zu begegnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare