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So sah das Oberforsthaus vor dem Brand aus.
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So sah das Oberforsthaus vor dem Brand aus.

Stadtgeschichte

Weiter Hängepartie um Oberforsthaus in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Damit das Kulturdenkmal im Stadtwald nicht weiter verkommt, muss dringend ein Notdach her. Fahrlässige Brandstiftung durch Obdachlose.

Sieben Wochen nach dem Brand im Oberforsthaus steht das Ausmaß des Schadens noch nicht fest. Die Bestandserfassung sei noch nicht abgeschlossen, heißt es auf FR-Anfrage aus dem Amt für Bau und Immobilien (ABI), das auf dem Papier Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes ist. Die Polizei geht derweil von einer fahrlässigen Brandstiftung durch „den unsachgemäßen Gebrauch mit Feuer durch wohnsitzlose Personen“ aus. In der Brandruine fanden sich Matratzen, leere Konserven und Flaschen. Zudem sei der Polizei bekannt, dass Mitarbeiter der Stadt in der Vergangenheit wohnsitzlose Personen vom Grundstück vertrieben hätten, so ein Polizeisprecher.

Andrea Hampel, Leiterin des städtischen Denkmalamts, fordert „unverzügliche Bestandssicherungsmaßnahmen“. Die Genehmigung für die Errichtung eines Schutzgerüstes mit Notdach sei dem ABI erteilt. „Die Denkmalbehörden gehen daher davon aus, dass dessen Errichtung nun unverzüglich erfolgt“, so Hampel. Doch ganz so schnell gehe es leider nicht, heißt es aus dem zuständigen Amt. Derzeit laufe ein Ausschreibeverfahren für den Gerüstbau. Das Notdach solle „noch in diesem Jahr“ errichtet werden, so Sandra Dohmen aus der Stabsstelle Kommunikation des ABI. Dohmen räumt ein, dass die derzeitige Witterung mit den teils ergiebigen Regenfällen sicherlich nicht förderlich für die noch vorhandene Bausubstanz sei, aber: „Das ist das, was machbar ist“. Denkmalschützerin Hampel zeigt dafür Verständnis. Aufgrund der aktuellen Bausituation im Rhein-Main-Gebiet sei es kaum möglich, schnelle Angebote und ausführende Firmen zu finden.

Fehlbesetzung

Kommentar:
Fehlbesetzung
Es ist legitim für eine Stadt, bei der Erhaltung denkmalgeschützter Gebäude auf einen Investor zu setzen. Schließlich soll ein solches Kulturgut auch langfristig genutzt werden und nicht nur als restaurierte Staffage herumstehen. Doch wenn sich auch nach mehreren Jahren noch kein Abnehmer gefunden hat, muss eine andere Lösung her. Denn die Stadt als Eigentümer des geschichtsträchtigen Pferdestalls hat eine gesetzlich verankerte Erhaltungspflicht, die das städtische Denkmalamt und das Landesamt an vielen anderen Stellen bei Privatleuten auch nachdrücklich einfordern. Doch im Falle des Oberforsthauses wurde diese Erhaltungspflicht von Seiten der Stadt selbst sträflich vernachlässigt. Dringliche Sanierungsmaßnahmen sind über Jahrzehnte ausgeblieben. Schon seit 2019 sollte dann ein Notdach her, das nun nach dem Brand noch dringlicher gebraucht wird. So verkam das Oberforsthaus im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte vom beliebten Ausflugslokal zur illegalen Lagerstätte. Es mutet seltsam an, dass eine Stadt einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, um eine neue Altstadt aus dem Boden zu stampfen, aber kaum Ambitionen zeigt, ein noch bestehendes Kulturdenkmal zu erhalten. Das hoffnungslos unterbesetzte Amt für Bau und Immobilien mag angesichts fehlender Schulen und Kitas dringlichere Probleme haben als die Bewahrung eines alten Pferdestalls am Rande des Stadtwalds. Doch dann ist das Amt als Eigentümer solch einzigartiger Kulturdenkmäler auch eine völlig Fehlbesetzung.

Zurückhaltende Kritik

Auch das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden hält sich mit Kritik am derzeitigen Umgang mit dem Kulturdenkmal zurück. Sprecherin Katrin Bek betont lediglich, die „vorhandenen Reste“ des 1729 errichteten Gebäudeensembles gehörten „zu den bedeutendsten Zeugnissen der Geschichte Frankfurts seit dem 18. Jahrhunderts“. Die noch vorhandene Scheune der alten Försterei gehöre aber in die Verantwortlichkeit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Frankfurt, das Landesamt sei da lediglich „beratende Fachbehörde“.

Mit der Zurückhaltung von offizieller Seite sollen wohl potenzielle Kaufinteressenten nicht abgeschreckt werden. Die Stadt sucht bereits seit 2012 einen Investor. Leicht ist das nicht, denn neben den Auflagen für den Denkmalschutz schreckt Interessenten auch ab, dass keine Bäume gefällt werden dürfen und daher nur ein kleiner Teil des 4600 Quadratmeter großen Geländes bebaut werden könnte. Zuletzt hatte es einen Interessenten aus dem medizinischen Bereich gegeben. Der sei auch nach dem Brand noch nicht abgesprungen, hieß es aus dem ABI.

Es gibt auch Stimmen in der Stadt, die dem Trauerspiel lieber ein Ende machen wollen. Wilhelm Opatz, der sich in Frankfurt durch mehrere Buchveröffentlichungen einen Namen als Architekturkritiker gemacht hat, sieht keinen Sinn darin, das Gemäuer um jeden Preis zu erhalten. „Wenn man das Gebäude so in der Form gar nicht mehr braucht, dann soll man es auch lassen“, so Opatz, der aber gleich einräumt, dass er da wohl nicht nostalgisch genug sei. Allzu viel Nostalgie um das Oberforsthaus hat es bei der Stadt in den vergangenen Jahren aber auch nicht gegeben.

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