Frankfurt Niederrad

Weiter Diskussion über Gingold

  • schließen

Eine Mehrheit im Ortsbeirat ist gegen Umbennung des Platzes.

Die Benennung des kleinen Platzes zwischen Neuwiesenstraße und Reichsforststraße nach den antifaschistischen Widerstandskämpfern Ettie und Peter Gingold sorgt weiterhin für eine lange Debatte im Ortsbeirat 5. Mitglieder der Gingold-Erinnerungs-Initiative, Niederräder und Befürworter appellierten an das Gremium, ihnen den Rücken zu stärken. Sie möchten der Fläche, in deren Nachbarschaft die Gingolds wohnten, ihren Namen geben. Peter C. Walther, Sprecher der Initiative, fordert den Ortsbeirat auf, ihre parteipolitische Einstellung zurückzustellen. Es gehe darum, das Engagement gegen Faschismus zu würdigen.

Einige Stadtteilpolitiker stört, dass Peter Gingold Mitglied der beiden kommunistischen Parteien KPD und DKP war. Zudem habe er dem SED-Regime der DDR nahegestanden. „Für mich war Gingold kein Demokrat“, sagt Uwe Schulz (FDP), dessen Partei den Vorschlag ablehnt. Gingold habe sich auch später nicht davon distanziert, sagt Sophie Gneisenau-Kempfert (Grüne), darum könne sie der Benennung nicht zustimmen.

Man müsse seine Lebensleistung würdigen, findet dagegen ein Niederräder. „Ich habe sein Engagement als Demokrat erlebt.“ Die Entwicklung im Moment schreie danach, Plätze nach Menschen wie Ettie und Peter Gingold zu benennen. Er bittet den Ortsbeirat einen Antrag zu stellen.

„Peter Gingold war Kommunist und Demokrat, das geht“, sagt ein anderer Anwohner. Es wäre ein Unding, wenn sich der Ortsbeirat mit solchen Begründungen gegen eine Benennung entscheiden würde.

Stadtplaner Ernst May sei auch ein Verfechter des Kommunismus gewesen und werde in Frankfurt wertgeschätzt, sagt Cornelia Bensinger (fraktionslos).

Man dürfe nicht hypermoralisch dran gehen, argumentiert auch Thomas Murawski (SPD). Er erinnert an Gingolds Vergangenheit, der als junger Mann von der Gestapo gefoltert worden sei. Er verweist auf andere Politiker, die früher NSDAP-Mitglieder waren und sich später demokratisch geläutert zeigten.

Martin-Bededikt-Schäfer (CDU) entgegnete dazu: Wenn jemand in die Nachfolgepartei einer verbotenen Partei wie der KPD einsteige, können man nicht von Läuterung sprechen. Seine Partei lehnt den Vorschlag ab.

Petra Korn-Overländer (SPD) sagt, sie sei fassunglos. Es könne nicht sein, dass der Ortsbeirat den Wunsch so vieler Bürger ignoriere. „In Zeiten von extremen Rechtsruck wäre es stark, wenn wir als Gremium ein Zeichen setzten.“

Die Sozialdemokraten hatten angekündigt, dass sie dieses Jahr einen Antrag auf den Weg bringen möchten. Sie wollten aber sicher gehen, dass er eine Mehrheit findet. Denn falls er abgelehnt wird, kann ein neuer Antrag erst in drei Jahren gestellt werden.

SPD ist fassungslos über die Ignoranz des Gremiums

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare