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Gunnar Pelshenke (l.) von der Weinrebe beliefert auch Wirt Horst Masloff von der Bummelbahn.

Sachsenhausen

Weinrebe vor dem Aus

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Die "Weinrebe", der beliebte Nachbarschaftstreff in der Mörfelder Landstraße, schließt Mitte Juli. Ein benachbartes Restaurant will die Fläche für seine Außengastronomie nutzen.

Gunnar Pelshenke hat mit der „Weinrebe“ eine kleine Oase mitten in Sachsenhausen geschaffen: Besonders Nachbarn kommen gerne zu der Holzhütte an der Mörfelder Landstraße, um an Tischen aus Weinkisten auf dem Rasen vor dem Laden ein Gläschen Wein zu trinken, zu plaudern und sich beraten zu lassen.

Die meisten seiner Kunden kennt Pelshenke mit Vornamen. Er selbst ist zu einer festen Institution im Stadtteil geworden. „Ich komme jeden Samstag her“, sagt der 57-jährige Jochen Schumacher, der gleich um die Ecke wohnt. „Man kann hier gemütlich sitzen, trifft Leute und kann gleich etwas Wein fürs Wochenende mitnehmen.“

Damit ist ab 15. Juli jedoch Schluss: Nach neun Jahren muss die Weinrebe schließen, da das benachbarte italienische Restaurant die Fläche für seine Außengastronomie nutzen will. „Rechtlich ist das völlig klar, dass wir raus müssen“, sagt Pelshenke. „Es ist trotzdem schade, dass mit der Weinrebe ein weiterer kleiner Laden weichen muss.“

Für den 52-Jährigen, der seit 20 Jahren im Haus neben der Weinrebe lebt, ist der Verlust des Nachbarschaftstreffs eine weitere Episode in einer Entwicklung, die er schon lange beobachtet. „Alles, was es früher an schönen Höfen gab, wurde inzwischen bebaut. Auch die alten Läden verschwinden Stück für Stück, weil die Mieten zu teuer werden“, sagt Pelshenke. „Die Eigentumswohnungen können sich meist nur noch Zugezogene leisten und auch die Gastronomie ist eher für ein gehobenes Publikum gedacht. Dabei braucht die Nachbarschaft doch einen Treffpunkt.“

Unterstützung erfährt er durch seine Kunden: „Das hier wird mir genau wie die anderen kleinen Läden, die schließen mussten, fehlen“, sagt Horst Masloff. Der 61-Jährige ist Wirt der Kneipe „Bummelbahn“ in der Mörfelder Landstraße und kauft hier den Wein für seinen Betrieb. „Es ist einfach gleich um die Ecke, da ist es schon schade, dass ich hier bald nicht mehr einkaufen kann.“ Dass die Bummelbahn einmal von den Veränderungen im Stadtteil betroffen sein könnte, glaubt Masloff aber nicht.

Alternativer Standort bisher nicht in Sicht

Zu den Unterstützern der Weinrebe gehört auch Kirsten von Stockert, die in der Nachbarschaft wohnt. „Man fühlt sich hier einfach wohl, viele von den neueren Läden sind so hochgestochen und nur auf Kommerz aus“, sagt die 51-Jährige.

Zwar macht auch Pelshenke Gewinn, betreibt den Weinladen aber nur als Hobby. Rund 20 Stunden in der Woche verbringen er und seine Frau neben ihren Berufen damit. Geöffnet hat die Weinrebe daher nur an drei Tagen in der Woche. „Es geht uns nicht um das Geld, sondern darum, mit Leuten ins Gespräch zu kommen“, versichert Pelshenke.

Dass dieser Wunsch seit der Eröffnung erfüllt wurde, zeigt ein ganzer Stapel Fotoalben von Nachbarschaftsfesten, Geburtstagen und anderen Feiern, die in der Weinrebe regelmäßig stattfanden. Für Pelshenke und seine Frau Erinnerungen an eine schöne Zeit und viel Arbeit.

„Es gab auch Momente, in denen wir darüber nachgedacht haben aufzuhören, weil es zu viel wurde“, sagt Pelshenke. „Aber am Ende hat es uns einfach zu viel Spaß gemacht.“ Die Holzhütte haben der Inhaber und seine Frau in Eigenarbeit komplett renoviert. Eigentlich hätte der frühere Kiosk und Blumenladen abgerissen werden sollen, doch Pelshenke wollte die Hütte unbedingt retten.

„So etwas gibt es in Frankfurt leider nicht mehr so oft, deshalb haben wir sie übernommen“, sagt Pelshenke. Ein alternativer Standort ist bisher nicht in Sicht. Deshalb will Pelshenke versuchen, Nachbarschaftstreffen etwa in Parks zu organisieren. Keine langfristige Lösung für ihn: „Die Nachbarschaft braucht einfach einen festen Treffpunkt.“

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