Weihnachtsmarkt in Frankfurt vor dem Aus

  • Claus-Jürgen Göpfert
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Die Römer-Koalition hält den Weihnachtsmarkt bei weiter wachsenden Corona-Infektionszahlen für nicht verantwortbar. Die ersten Stände sagen bereits ab.

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt, das mit drei Millionen Menschen größte Volksfest der Stadt, steht vor der Absage. Angesichts rasant steigender Corona-Fallzahlen in der Stadt wächst bei den Fraktionen der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen die Überzeugung, dass das Markttreiben nicht verantwortbar ist.

„Wenn die Zahlen so weiter steigen, und das werden sie tun, kann der Weihnachtsmarkt nicht stattfinden“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Holger Tschierschke. Frankfurt liegt mit 143,7 Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen (Stand Donnerstag, 15.30 Uhr) deutlich über der kritischen Marke von 75, der höchsten Warnstufe der Landesregierung. Zudem kommen potenzielle Marktbesucher aus umliegenden Gemeinden, die ebenfalls kritische Werte melden, etwa der Hochtaunuskreis (83,9), Stadt Offenbach (126,3), Kreis Groß-Gerau (110,5), Wiesbaden (93), Main-Taunus-Kreis (84,6) und die Stadt Darmstadt (88,8).

Auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, Sebastian Popp, forderte darum die Absage des Festes. „Eine solche Veranstaltung wäre jetzt das absolut falsche Signal für die Bevölkerung“, so Popp. Man könne nicht von Clubbetreibern und Gastronomen Opfer verlangen und die Menschen insgesamt zu höchster Vorsicht und Zurückhaltung auffordern und gleichzeitig ein solches Markttreiben organisieren.

Krankenhäuser und Seniorenanlagen fangen bereits an, sich abzuschotten. Das Klinikum in Höchst lässt keine Besucher mehr ein genau wie die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik. Selbst der Profisport muss dieser Tage Rückschläge hinnehmen, heißt, ohne Zuschauer auskommen. Das nächste Heimspiel der Frankfurter Eintracht am Samstag, 31. Oktober, gegen Werder Bremen ist damit ein Geisterspiel. Bei der Partie gegen Hoffenheim Anfang Oktober hatten immerhin 8000 Besucher im Stadion mitgefiebert.

Bezüglich des Weihnachtsmarktes betonte der Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress GmbH, Thomas Feda, er brauche innerhalb von wenigen Tagen „eine politische Entscheidung“. In der nächsten Woche müssten in der Frankfurter Innenstadt die Vorarbeiten für den Markt beginnen, der am 23. November öffnen sollte.

Nach Informationen der FR haben bereits etliche Standbetreiberinnen und -betreiber der Stadt mitgeteilt, dass sie nicht kommen werden. Fachleute verweisen darauf, dass Städte wie Leipzig, Duisburg und Ulm ihre Märkte bereits gestrichen haben.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ließ lediglich erklären, dass „eine Entscheidung noch nicht gefallen“ sei, so sein Sprecher Olaf Schiel. „Wir beobachten das infektiologische Geschehen aber sehr genau“, erklärte der OB-Sprecher.

Die Tourismus und Congress GmbH hatte ein Konzept ausgearbeitet, nach dem der Weihnachtsmarkt mit weniger Buden und breiten Gassen zwischen den Ständen stattfinden sollte. Eine entsprechende Vorlage des Magistrats ist im Geschäftsgang des Rathauses.

Unterdessen hat das Verwaltungsgericht Frankfurt dem Eilantrag einer Privatperson gegen die Allgemeinverfügung der Stadt stattgegeben. Der Mann hält für rechtswidrig, dass er keine drei Personen aus drei unterschiedlichen Haushalten einladen dürfe. Die zuständige 5. Kammer gab ihm recht. Die Bestimmung sei „in sich nicht schlüssig“ und nicht nachvollziehbar, da sie nur „feiern“ erfasse, nicht andere Zusammenkünfte. Das Verwaltungsgericht betonte, die aufschiebende Wirkung gelte nur für den Antragsteller. Womöglich würden dadurch weitere Eilanträge provoziert, räumte eine Sprecherin des Gerichts ein. In den kommenden Tagen müsse das Verwaltungsgericht aber ohnehin weitere Eilanträge gegen Allgemeinverfügungen der Stadt Frankfurt und umliegender Kommunen entscheiden. mit sky/ote

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