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Über dem Weihnachtsmarkt leuchtet Baum Gretel. Darüber kommen nur noch Paulskirche, Commerzbank und das Weltall.
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Über dem Weihnachtsmarkt leuchtet Baum Gretel. Darüber kommen nur noch Paulskirche, Commerzbank und das Weltall.

Frankfurt

Weihnachtsmarkt in Frankfurt trotz Corona: Enorme Bedenken bei Eröffnung

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Der Frankfurter Weihnachtsmarkt öffnet mit verschärften Corona-Regeln und einem angepassten Konzept. Doch die Unsicherheit lässt sich dadurch nicht vertreiben.

Frankfurt am Main - Ja, es mag wahrlich so etwas wie Weihnachtsvorfreude aufkommen, wenn man über den Weihnachtsmarkt in Frankfurt schlendert. Vorbei an den zahlreichen Buden mit liebgewonnenen und lang vermissten Leckereien, vorbei an den Karussellen mit der fast noch etwas verfrühten Weihnachtsmusik hin zur Fichte Gretel, die nach den Ausbesserungen und mit den Schleifen und Lichtern recht ansehnlich geworden ist. Aber es bleibt auch ein anderes Gefühl zurück.

Das Treiben ist ein Weihnachtsmarkt unter Corona-Pandemiebedingungen. Daran erinnern nicht nur die Mund-Nasen-Bedeckungen der Besucherinnen und Besucher.

Weihnachtsmarkt Frankfurt: Strenge Corona-Regeln für das Publikum

Zwei abgesperrte Bereiche für Geimpfte und Genesene, größere Abstände, aber dafür weniger Stände, Spender mit Desinfektionsmittel – wer genau hinschaut, merkt, dass nicht mehr alles so unbeschwert ist wie noch 2019. Aber wie könnte es auch sein. Was beim Gang über das große Areal des Weihnachtsmarktes in der Frankfurter Innenstadt auffällt, ist der Fakt, dass ein Großteil der Menschen sich am ersten Tag an die Maskenpflicht auf dem Markt halten. Sogar der Pantomimedarsteller vor dem Römer.

Alle paar Meter und auch an den Ständen weisen Schilder auf das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung hin. Auffällig auch die Zahl der Polizeikräfte, die Passantinnen und Passanten auf die Maskenpflicht hinweisen. Aber – Maske hin oder her – sie stört nicht beim Aufsaugen der zahlreichen verschiedenen Gerüche. Bratduft mischt sich mit süßem Popcorn auch unter der FFP2-Maske – immerhin.

Weihnachtsmarkt Frankfurt trotz Corona: „Hier geht es auch um die Existenz“

Liane Schröder steht mit ihrem Crêpesstand wie schon in den Jahren zuvor in der Nähe des Römers. „Das Konzept ist super und wir sind froh, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden kann“, lobt sie die Stadt. „Aber wir müssen abwarten, wie die Leute das annehmen“, fügt sie dann noch an. Ohne offizielle Eröffnung in diesem Jahr fehlt der eigentliche Startschuss und das große Zusammenkommen, von dem die Menschen sich anschließend über den Markt verteilen.

„Hier geht es auch um die Existenz. Für fast alle ist das Weihnachtsgeschäft äußerst wichtig“, sagt Schröder nach einer kurzen Pause. Die Unsicherheit, dass der Markt vielleicht doch noch geschlossen wird, ist da. „Das fühlt sich nicht gut an.“ Nun sei man im Risiko, die Ware ist für die Dauer des Weihnachtsmarktes eingekauft. Ein Mann schaut im Papierkorb neben dem Stand nach Pfandflaschen. Am Stand hält er an, lächelt vermutlich und sagt: „Schön, dass ihr wieder da seid.“

Hoffentlich helfen die Hinweise.

Mit den Fressbuden und Ständen mit weihnachtlichen Accessoires im Rücken geht es weiter zum Paulsplatz. Auch hier gibt es mehr Platz in den Gängen zwischen den Ständen. Die noch überschaubare Anzahl Besucher:innen am Montagnachmittag tut ihr übriges. So bleibt den Besitzerinnen und Besitzern nur das Warten. Oder das akribische Sortieren der Auslage.

Regeln

Laut der Zehnten Allgemeinverfügung der Stadt Frankfurt muss in den Bereichen des Frankfurter Weihnachtsmarktes von 10 bis 22 Uhr von Fußgänger:innen eine medizinische Maske getragen werden.

Die Mund-Nasen-Bedeckung darf zum Verzehr von Speisen und Getränken oder zum Konsum von Tabakwaren kurzzeitig an Ort und Stelle abgesetzt werden.

Die umgrenzten Bereiche des Weihnachtsmarktes sind: Mainkai, Fahrtor, Römerberg, Bendergasse, Markt, Nürnberger Hof, Hinter dem Lämmchen, Hühnermarkt, Brauchbachstraße, Paulsplatz, Berliner Straße, Sandgasse, Neue Kräme, Liebfrauenstraße und -berg mit Vorplatz der Kleinmarkthalle, Zeil, Roßmarkt, Große Bockenheimer Straße, Große Eschersheimer Straße, Friedrich-Stoltze-Platz sowie Bleidenstraße.
Ausgenommen von der Verpflichtung sind die Bereiche bestuhlter Außengastronomie, soweit diese in rechtlich zulässiger Weise genutzt werden.

In zwei abgegrenzten Bereichen am Rande des Marktes ist die 2G-Regel vorgesehen. Diese Bereiche sind der Rosa Weihnachtsmarkt der LGBTQ+-Community auf dem Friedrich-Stoltze-Platz und der neue Bereich auf dem Roßmarkt. Für den Zugang zur Rosa Weihnacht und zum WeihnachtsRoßmarkt ist ab 18 Jahren ein Impf- oder Genesenennachweis nötig. Bei Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist ein negatives Testergebnis (z. B. schulische Testhefte) notwendig. Kinder unter sechs Jahren und alle Kinder, die noch nicht eingeschult sind, erhalten ohne Nachweis Zugang. mic

Entlang der Reihen schlendert auch eine 62-jährige Frankfurterin. Ihren Namen möchte sie nicht in den Medien lesen. Sie hat einen Beutel in der Hand, der schon recht ansehnlich gefüllt ist. „Ich bin extra am ersten Tag hergekommen“, erzählt sie im Gespräch. „Ich mag den Frankfurter Weihnachtsmarkt.“ Sie sei froh, dass es überhaupt einen Markt in diesem Jahr gebe. Er gehöre doch zur Vorweihnachtszeit dazu. Dass sie beim Schlendern eine Maske tragen muss, nehme sie dafür in Kauf. „Je kälter es wird, desto schöner ist es, dass man sie aufhat.“ Auch, wenn die Nase dann laufe.

Weihnachtsmarkt Frankfurt: Viel Betrieb am Lebkuchenstand

Einige Meter weiter stehen Stefanie Ernst und Manuela Gerlach hinter der Theke des Lebkuchenstands. Gerlach bemalt seit zehn Jahren die kleinen und großen Herzen. Chefin Ernst weiß zu berichten, dass Herzen mit den Aufschriften Lieblingsmensch, Gruß aus Frankfurt oder Gruß vom Weihnachtsmarkt beliebt sind. Mitunter darf es aber auch schon mal persönlicher werden. Auch der Odenwälder Lebkuchen sei jedes Jahr beliebt. Übertrieben ist die Einschätzung nicht, ständig strömt neue Kundschaft an den Verkaufsstand.

Rund um die Hauptwache geht der Markt weiter. Fisch, Fritten, Fleisch und mehr gibt es dort. Wer zum Weihnachtsmarkt kommt, sollte das auf alle Fälle hungrig tun, sonst muss man die meisten Stände auslassen. An gewohnter Stelle am Friedrich-Stoltze-Platz befindet sich der Rosa Weihnachtsmarkt. In diesem Jahr ist das abgezäunte Gelände nur für Geimpfte und Genesene zugänglich. Dies Suche nach dem einzigen Eingang dauert, wenn man aus Richtung Hauptwache kommt. Besser man kommt gleich vom Liebfrauenberg aus die Bleidenstraße entlang.

Die Polizei hat es dieses Jahr nicht nur mit Betrunkenen und Taschendieben zu tun, sondern auch mit der Maskenpflicht.

Weihnachtsmarkt Frankfurt: 2G-Regel hält Laufkundschaft fern

Drinnen an einem Tisch stehen Jakob Hotz und Winfried Wiegand. Vor den beiden Männern aus Frankfurt stehen zwei Glühweintassen. „Diese Atmosphäre des Weihnachtsmarkts braucht man“, sagt Wiegand. „Man muss sie aufsaugen und genießen“, ergänzt ihn Hotz. Dann plaudern sie. Über Omas Reibekuchen, der Pflicht sei, wenn man herkommt. Über die 2G-Regelung, die beide gut finden und über ihre vier Besuche, die in den kommenden Wochen noch folgen werden. „Aber nicht am Wochenende, da ist zu viel los“, sagt Hotz.

Anstehen und Flanieren mit, Trinken ohne Maske.

Schaustellerin Tanja Diestelkamp merkt am Nachmittag bereits, dass deutlich weniger Menschen auf den Rosa Weihnachtsmarkt kommen. Das liege auch an der 2G-Regel in Hessen, weil keine Laufkundschaft komme. „Ich hoffe es wird noch mehr.“ Neben der Hoffnung schwingt aber auch die Angst mit. „Ich und viele andere denken schon: Hoffentlich dürfen wir morgen wieder aufmachen.“ Die Unsicherheit sei hart. Schlaflose Nächte in den vergangenen Tagen keine Seltenheit.

Am Abend nahm die Besucherzahl auf dem Weihnachtsmarkt deutlich zu. Vor allem die Essens- und Getränkestände hatten mehr Zulauf. Auch im Rosa 2G-Bereich. (Steven Micksch)

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