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Weihnachtsmarkt Frankfurt: Ein bisschen Kälte gehört dazu

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Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es nicht nur gute Currywurst, sondern auch was fürs Auge, hier: der Stand des Kuckuckswirts auf dem Paulsplatz.
Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es nicht nur gute Currywurst, sondern auch was fürs Auge, hier: der Stand des Kuckuckswirts auf dem Paulsplatz. © Peter Jülich

Trotz niedriger Temperaturen trifft sich Alt und Jung auf dem Weihnachtsmarkt in der Frankfurter Innenstadt. Ein Besuch.

Monika Eiserloh steht an diesem Donnerstagmittag bei Minusgraden in ihrer „süßen Mandelbar“ auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg. Nur ihr freundliches Gesicht schaut zwischen Stirnband und Rollkragen hervor, als sie die bunten Päckchen gebrannter Mandeln in der Auslage verräumt. Sie trägt zwei Westen und lange Unterwäsche, um nicht zu frieren. „Ich mache die Zwiebelschicht“, sagt sie. Bei einem plötzlichen Kälteeinbruch kämen für eine kurze Zeit erst mal weniger Besucher:innen auf den Weihnachtsmarkt als sonst. Sie bräuchten meist zwei bis drei Tage, um sich an die niedrigen Temperaturen zu gewöhnen. Vielleicht ist diese Eingewöhnungszeit nun schon verstrichen, denn selbst bei ausbleibendem Sonnenschein schlendern Freundesgruppen, Schulklassen und Familien von Bude zu Bude. Ein bisschen Kälte gehöre ja irgendwie auch zum Weihnachtsmarkt, findet Eiserloh.

Vielleicht schmecken heiße Bratwurst, Kartoffelpuffer und Pommes sogar noch ein bisschen besser, wenn es draußen richtig winterlich ist. An den Stehtischen vor Hausmanns Altstadt-Grill Richtung Mitte des Römerbergs sind alle Tische besetzt. Der süßliche Duft gebratener Würstchen weht von den dampfenden Grills herüber. Gastronom Patrick Hausmann sagt, der Weihnachtsmarkt laufe besser, als er erwartet habe. Letztes Jahr seien die Besucher:innen aufgrund der Pandemie vielleicht eher mit gemischten Gefühlen hergekommen. Er sei froh, „dass man dieses Jahr wieder guten Gewissens auf den Weihnachtsmarkt gehen kann“. Seine älteren Kunden freuten sich dieses Jahr besonders, auf die klassischen Nierenspießchen. Für die Wagemutigeren gibt es Currywurst mit Spekulatiuscrumble.

Aber auch das Auge findet auf dem Weihnachtsmarkt einige schöne Eindrücke. Passant:innen bleiben kurz stehen, um ein Foto von dem farbenfrohen Karussell vor der Nikolaikirche zu schießen oder den Weihnachtsbaum „Manni“ abzulichten. Vor dem Karussell steht Besucherin Jutta Henrich und knipst mit der Handykamera ihre Enkelin, die zu weihnachtlicher Musik auf einem Miniauto ihre Runden dreht. Das Geschwisterchen liegt dick eingepackt im Kinderwagen. Wenn man Henrich fragt, wie sie den Weihnachtsmarkt dieses Jahr findet, sagt sie „kalt!“ und lacht. Sie macht heute mit ihrer Tochter und ihren Enkeln aus Rödermark einen Familienausflug: Bratwurst und Zuckerwatte hat es heute schon gegeben. Mit den Kleinen könne sie aber nicht so lange bleiben, denn die frören schnell, und dann wollten sie nach Hause. Der Kinder-Weihnachtsmarkt im Ratskeller, der vom Verein Abenteuerspielplatz Riederwald organisiert wird, öffnet wochentags erst am Nachmittag.

Der Weihnachtsmarkt

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt geht noch bis zum 22.12.2022.

Montags bis samstags ist er von 10 bis 21 Uhr geöffnet, sonntags von 11 bis 21 Uhr.

Der Markt erstreckt sich vom Römerberg über Paulsplatz, Friedrich-Stoltze-Platz und Mainkai bis zur Hauptwache und dem Roßmarkt. Auf dem Friedrich-Stoltze-Platz bietet die „Rosa Weihnacht“ einen gastronomischen Bereich für die Gay Community.

Der Weihnachtsmarkt für Kinder im Ratskeller ist Montag bis Freitag von 15 Uhr bis 19 Uhr geöffnet, am Wochenende von 11 Uhr bis 19 Uhr.

Wie gut, dass die Großen sich mit einem Glühwein von innen wärmen können. Yarden und seine drei Freund:innen aus der Berufsschule sitzen vor halbleeren Gläsern im Stand von Roie, wo man unter anderem auch Käsefondue mit Frankfurter Handkäs probieren kann. „Gemütlich“ fänden sie es hier. Die Atmosphäre sei anders als am Wochenende oder abends, wenn Menschen dicht an dicht gedrängt stehen und man die schöne Weihnachtsbeleuchtung sehen kann.

Maggie aus Irland war es am Römer trotzdem schon ein bisschen zu trubelig. Sie ist zum ersten Mal auf einem Weihnachtsmarkt in Frankfurt und genießt die festliche, entspannte Atmosphäre am Friedrich-Stolze-Platz. Ein knallpinker Weihnachtsbaum schmückt den quadratischen Ort, der als gastronomischer Bereich für die Gay Community des Rhein-Main-Gebietes beworben wird. Hier gibt es auch viele Angebote für vegane Genießer:innen, wie Waffeln und Kräutermais. Es gibt eine täglich wechselnde vegane Suppenauswahl, und in der „Grünen Küche“ kann man auch frittierten Blumenkohl und Gemüse probieren.

Auf dem Weg vom Römer zum Stoltzeplatz kommt man an Charnies Hutstand auf dem Paulsplatz vorbei. Charnie betreibt seinen Stand nun schon seit mehreren Jahrzehnten an diesem Ort. Bei ihm könnte man sich noch mit Mützen eindecken, falls das nächste warme Plätzchen etwas weiter weg sein sollte. An einem anderen Stand, der Schaffelle anbietet, hat die Verkäuferin schon alle Hände voll zu tun. (Marlene App)

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