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Ein Christbaum in der Weihnachtsausstellung. Was hat der eigentlich da zu suchen?

Weihnachtsausstellung im Bibelhaus Frankfurt

Wissen Sie wirklich alles über Weihnachten?

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Wer glaubt, sich mit Weihnachten auszukennen, sollte die Weihnachtsausstellung im Bibelhaus Frankfurt besuchen. Aber wissen Sie wirklich alles?

Na klar. Der Christbaum. Weihnachtlicher geht es ja gar nicht. Man öffnet die Tür zum Ausstellungsraum, und da steht er, festlich geschmückt mit roten Kugeln, Kerzen, Schleifen und Sternen. Aber ist das mit dem Baum überhaupt weihnachtlich? Oder nicht doch etwas Heidnisches?

Da denkt man, man wisse über Weihnachten ganz gut Bescheid. Bis man die Ausstellung im Keller des Bibelhauses in Frankfurt besucht. Und feststellt, dass es da einiges zu entdecken gibt. Und manches sicher geglaubte Wissen über das Weihnachtsfest ins Wanken gerät.

Da ist erst einmal die Sache mit der Krippe. Wie sah die eigentlich aus? „Na ja, sicherlich nicht wie die hölzernen Futterkrippen, wie man sie heute oft bei der Fütterung von Hirschen oder Rehen verwendet“, sagt Pfarrer Veit Dinkelaker. Der Religionspädagoge hat die Ausstellung kuratiert und weiß schon deshalb viel zu erzählen. Vor 2000 Jahren, also zur Zeit von Christi Geburt, fütterte man Tiere zumindest in Kleinasien eher aus steinernen Trögen, die an Sarkophage erinnern. Deshalb steht auch gleich neben dem Christbaum die Nachbildung eines solches sargähnlichen Trogs.

Aber die Krippe - Entschuldigung, der Trog – stand doch wenigstens im Stall? „Na ja“, sagt Dinkelaker wieder und holt aus einer Ablage ein Playmobilhaus hervor. Es ist ein Einzimmerhaus, wie man es sich aus Lehm gebaut in einer Wüstenoase vorstellt. „So lebten die Menschen in Judäa damals“, erläutert Dinkel-aker. Unter einem Dach, in einem Raum mit ihren Tieren.

Sollten Maria und Josef ihr Jesuskind also in eine Krippe gelegt haben, dann stand diese mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht in einem Stall, sondern in einem Haus. Vielleicht aber auch nicht. Die Weihnachtsgeschichte, wie sie die Evangelisten Lukas und Matthäus aufgeschrieben haben, sagt dazu kein Wort. Es ist tatsächlich nur von einer Krippe die Rede. Nicht vom Stall, nicht vom Haus.

Aber Ochs und Esel, die zwingend zu einer ordentlich ausgestatteten Krippe gehören, die waren ja wohl schon bei der Geburt selbst dabei? Oder stimmt das etwa auch nicht? „Na ja“, sagt Veit Dinkelaker, „in der Weihnachtsgeschichte ist von Ochs und Esel nicht die Rede.“

Theologisch gesehen stünden die beiden Huftiere wohl eher für die Heiden, die in dem Neugeborenen ihren Herrn erkennen, sagt der Pfarrer.

Der Christbaum kommt in der Weihnachtsgeschichte natürlich nicht vor. Das ist auch ohne weitere Erlärungen klar. Wie auch? Die Geschichte erzählt ja von Christi Geburt. Geburtstag gefeiert wird erst später, wenn jemand schon längst auf der Welt ist, und dann können im Fall von Jesus Christus auch gerne die schön geschmückten Bäume dazu kommen. So, wie sich die Menschen die Niederkunft Marias im Laufe der Jahrhunderte immer mehr ausgeschmückt haben.

So ganz unchristlich aber ist der Baum dann doch nicht. „Man kann schon Bezüge herstellen“, erklärt Dinkelaker. „Wenn ich Schülergruppen frage, wo in der Bibel denn ein Baum vorkommt, dann haben die gleich die Antwort parat“, sagt der Pfarrer. Eben – nämlich ganz am Anfang, im Paradies. Der Baum der Erkenntnis, der mit der verbotenen Frucht, die Eva dann pflückt und so weiter. Und die verbotenen Früchte das sind heute die Weihnachtskugeln.

Schon im Mittelalter habe man zu Weihnachten einen Baum aufgestellt. Einen Paradiesbaum. Denn bevor die Heilsgeschichte mit Jesu Geburt dargestellt wurde, wurden auf der Bühne, die häufig der Marktplatz war, erst einmal Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben. Es galt schließlich zu zeigen, warum Gott die Menschen mit Geburt, Leiden, Tod und Auferstehung seines Sohnes überhaupt erlösen musste.

Die Weihnachtsausstellung, wie das Bibelhaus sie noch bis 31. März nächsten Jahres zeigt, passt in einen einzigen Kellerraum. Und doch gibt es darin so viel zu entdecken, dass dies auf keinen Fall in einen einzigen Artikel passt.

Es wird darüber aufgeklärt, dass es jungfräuliche Geburten wie die von Maria auch in anderen Religionen gibt. Man kann nachlesen, wie die ersten Christen die Erzählungen von der Geburt Jesu dem römischen Kaiserkult entgegenstellten. Oder wie die Nationalsozialisten versuchten, die christliche Symbolik des Weihnachtsbaumes in ihre völkische Ideologie umzudeuten.

Wer es wirklich genau wissen will, muss schon etwas Zeit mitbringen. Und ist gut beraten, sich einer Führung anzuschließen oder diese vorab zu buchen. Mitnehmen kann man dann nicht nur die Erkenntnis, dass Weihnachten viele Geschichten erzählt. Man kann auch auf einer nachgebauten Gutenberg-Druckerpresse ein Blatt aus der Luther-Bibel nachdrucken. Es entstammt dem Lukasevangelium und erzählt: natürlich die Weihnachtsgeschichte.

Wem das nicht genügt, der kann in den Stockwerken darüber der Geschichte der Bibel und des Christentums folgen, sich in ein Beduinenzelt setzen oder einfach schöne, alte, prächtige Bibelausgaben bestaunen.

Die Weihnachtsausstellung – und damit auch der Christbaum – steht übrigens deshalb im Keller, weil andernorts im Bibelhaus kein Platz dafür ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Und die steht auf der Seite nebenan.

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